022.09.09|München|München|1
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München - Der Kampf um Erststimmen für den Bundestag wird schärfer. Die Grünen haben in zwei der vier Münchner Wahlkreise dazu aufgerufen, die Direktkandidaten der SPD zu wählen.

Die Sache mit der Bundestagswahl ist im Grunde einfach, denn der Wähler hat nur zwei Stimmen. Mit der Zweitstimmen wählt er die Partei. Mit der Erststimme darf er entscheiden, welcher Direktkandidat aus dem eigenen Wahlkreis ihn in Berlin vertritt. Im Streit um diese Direktmandate könnte es bei der Bundestagswahl am Sonntag eng werden – genauer: im Wahlkreis München-Nord und in West/Mitte. In beiden dürften sich die Bewerber von CSU und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.
Die Grünen spielten bei derlei Duellen bisher eine Außenseiterrolle. Weil ihre Stimmen aber das Rennen entscheiden können, macht sich jetzt ihre Kandidatin Judith Greif für den SPD-Abgeordneten Axel Berg stark. „Im Münchner Norden geht es um den Erhalt des einzigen bayerischen nicht-schwarzen Direktmandats“, erklärte die Studentin. Auf keinen Fall wolle sie es verantworten, dass dieser Wahlkreis auch der CSU zufalle.
Zuvor war der CSU-Kandidat Johannes Singhammer im Wahlkreis Nord dreimal nur knapp an Berg gescheitert. Viel wollte der Abgeordnete nicht zum Aufruf der Grünen sagen. Nur so viel: „Es muss jede Partei selbst wissen, mit welcher Ernsthaftigkeit sie Kandidaten ins Rennen schickt.“
Auch im Stimmkreis West/Mitte machen sich die Grünen für die Roten stark. Dort holt seit Jahren der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl das Direktmandat. Doch es scheint, als hätte in diesem Jahr der SPD-Politiker Roland Fischer Chancen, den früheren Kreisverwaltungsreferenten abzulösen. „Mir wäre es recht, wenn Herr Uhl, der selbst innerhalb der CSU zu den Rechtsaußen zählt, endlich aufs Altenteil geschickt würde“, erklärte Grünen-Kandidat Hermann Brem. Auch dies gilt als Aufruf an die eigene Wählerschaft, dem SPD-Bewerber die Erststimme zu geben. „Ich ruhe fest in mir“, konterte CSU-Politiker Uhl den Angriffspakt.
Ganz neu ist die gegenseitige Hilfe unter Grünen und Roten nicht. Bereits im Bundestagswahlkampf 2002 machten im Wahlkreis Süd Jerzy Montag (Grüne) und Christoph Moosbauer (SPD) auf einem Flugblatt gemeinsame Sache. Die Angelegenheit sorgte bei der SPD für einigen Unmut. Denn letztlich warb nicht nur Grünen-Politiker Montag darum, Moosbauer die Erststimme zu geben. Der SPD-Politiker zeigte sich auch mehr oder weniger damit einverstanden, wenn die Genossen mit der Zweitstimme die Grünen gewählt hätten.
Unterdessen vermeldete die Stadt für die Bundestagswahl einen neuen Briefwahlrekord. Schon am vergangenen Freitag waren 213 454 Briefwahlunterlagen registriert – deutlich mehr als bei den letzten Wahlen zum Bundestag. 2002 hatten ebenfalls neun Tage vor der Wahl rund 187 000 Münchner Briefwahlunterlagen angefordert, 2005 waren es gar nur 168 000. Derzeit liegen die Briefwahl-Quoten in den vier Wahlkreisen bei rund 25 Prozent. Im Stadtbezirk Altstadt-Lehel sind es sogar 31 Prozent Briefwähler. „Es könnte sein, dass die Briefwähler diesmal rund ein Drittel ausmachen werden“, sagt Joachim Dyllick vom Wahlamt.
Auch jetzt können Bürger noch an der Briefwahl teilnehmen. Sie müssen sich die Unterlagen beim Kreisverwaltungsreferat (Wahlamt) besorgen. Der erneute Briefwahl-Rekord dürfte auch durch eine formale Änderung begünstigt worden sein: Bei der Anforderung der Briefwahlunterlagen war keine Versicherung mehr gefordert, wonach man krank, beruflich oder sonstwie verhindert sei. Joachim Dyllicks Prognose: „Ich denke, dass der Trend zur Briefwahl eher noch zunehmen wird.“ Sämtliche Wahlbriefe werden wieder in einer der Riemer Messehallen ausgezählt.
Matthias Kristlbauer und Eberhard Geiger
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