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Hellabrunn: Elefanten-Baby „Adi“ lebt im Museum weiter

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112.01.10|München|München|
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Artikel: Hellabrunn: Elefanten-Baby „Adi“ lebt im Museum weiter

München - Fünf Jahre war Marianne N. alt, als sie im Kriegsjahr 1943 im Tierpark Hellabrunn „Adi“ traf. Das Elefantenbaby war erst wenige Tage alt und die Geburt hatte sich wie ein Lauffeuer in der Stadt herumgesprochen. Heute steht er ausgestopft in einem Salzburger Museum.

Wahrscheinlich liegt es an dem alten Familien-Foto, dass Marianne N. (72) diese Begegnung im Tierpark Hellabrunn nie vergessen hat. Fünf Jahre war Marianne alt, als sie im Kriegsjahr 1943 im Tierpark Hellabrunn „Adi“ traf. Das Elefantenbaby war erst wenige Tage alt und die Geburt hatte sich wie ein Lauffeuer in der Stadt herumgesprochen.

Es war ein sonniger und warmer Tag, als Marianne und ihre Schwester Elli das Elefantenkind bestaunten. „Ich kann mich noch ganz genau erinnern. Der kleine Adi wurde einfach im Tierpark mitten zwischen den Leuten herumgeführt. Man kam ganz dicht heran. Wir Kinder waren sehr aufgeregt und wurden fotografiert. Der kleine Rüssel, die Ohren und sein Blick – ich fand ihn so schön,“ sagte Marianne N. der tz.Ein Tierpark-Besuch war für die Haidhauser Schwestern das Allerschönste: „Wir gingen oft. Und wie haben wir die Affen beneidet. Die bekamen all das schöne Obst, dass wir auch gern gehabt hätten.“ Der Schnappschuss aus dem Tierpark landete im Familienalbum. Als jetzt in Hellabrunn erstmals seit 60 Jahren wieder ein Elefantenkind zur Welt kam, hat Marianne N. mal wieder das alte Foto betrachtet und sich gefragt: „Was ist wohl aus Adi geworden?“

Hinweise auf das Schicksal des Münchner Elefantenkindes finden sich im Kriegstagebuch des Wiener Hobby-Biologen und Soldaten Walther Zawodsky („Kurier am Lazarettzug 816“). Zawodsky strandete auf dem Weg nach Italien im Oktober 1943 für drei Wochen in München. In dieser Zeit besuchte er mehrfach den Tierpark Hellabrunn, der damals bereits von Bomben schwer zerstört war. Bei einem seiner Besuche traf Zawodsky einen Pfleger, „der mit dem erst wenige Wochen alten Elefanten und seiner Mutter aus Gründen der Bewegungstherapie außerhalb des Geheges“ spazieren ging. „Der Tierpfleger erzählte mir, dass der kleine Elefant der erste in einem Zoo zur Welt gekommene Afrikaner ist.“ Dieser kleine Elefant hieß Adi.

Wie die meisten dachte Zawodsky damals, dass Adi seinen Namen zu Ehren Adolf Hitlers bekommen hatte. Ein Irrtum, wie sich erweisen sollte. 13 Jahre später nämlich besuchte Walter Zawodsky zufällig in Salzburg das naturwissenschaftliche Museum „Haus der Natur“. In einem der Schauräume blieb er wie angewurzelt stehen: „Ich sah einen kleinen afrikanischen Elefant, schön präpariert.“ Auf der Schautafel stand: „Das ist Adi, der erste im Zoo von Hellabrunn in München geborene afrikanische Elefant. Benannt nach dem ersten Menschen Adam.“

Adi war im November 1943 nach einem amerikanischen Bombenangriff ums Leben gekommen. „Das war drei Wochen, nachdem ich mit Adi gesprochen und gespielt hatte. Tief in meinem Herz getroffen habe ich das Museum verlassen. Nach 13 Jahren erst habe ich gewusst, dass mein kleiner Freund tot war,“ notierte Zawodsky. Der präparierte Adi befindet sich noch heute im Besitz des Salzburger Museums. Auch Marianne N. ist bedrückt, dass ihrem kleinen Freund nur ein so kurzes Leben beschieden war. „Ich bin in Afrika gewesen und habe die großen Elefanten gesehen. Doch das war eben nicht das Gleiche. Ich werde Adi nie vergessen.“ Dorita Plange

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