Superbanner

Huren in der Innenstadt? Debatte um Sperrbezirk

Sperrbezirk vor dem Aus?

München - Seit 1969 ist Prostitution in München nur in wenigen Rotlichtvierteln erlaubt. Jetzt facht die FDP die Debatte über die Abschaffung des Sperrbezirks erneut an. Das Kreisverwaltungsreferat zeigt sich gesprächsbereit. Die Polizei weniger.

168 legale Bordellbetriebe gibt es aktuell in München, knapp 2500 Prostituierte sind registriert. Wie groß das illegale Milieu ist, lässt sich dagegen kaum schätzen. Zwangsprostituierte arbeiten in als Massagesalons getarnten Puffs, teils in Hotels - im Sperrbezirk. Und: Im Internet gibt es eine wachsende Szene, in der Sex-Dienstleistungen in Privatwohnungen verabredet werden.

„Unsere Skepsis, an der Sperrbezirksverordnung festzuhalten, ist groß“, sagt Michael Mattar, Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtrat. Sex-Verabredungen übers Netz hätten Konjunktur. „Das findet natürlich im Sperrbezirk statt“, macht Mattar klar. Prostituierte, die so arbeiteten, würden „kriminalisiert“. Prostitution sei ein Teil der Großstadtrealität. Sie könne „durch einen Sperrbezirk nicht ausgeblendet werden“.

Die FDP fordert nun ein „Hearing“, um sich - mit der Polizei, dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) und Selbsthilfeorganisationen - „seriös mit dem Thema auseinanderzusetzen“ und mehr über die Erfahrungen anderer Großstädte ohne Sperrbezirk zu erfahren. 2005 hatte auf einen Antrag der Grünen-Fraktionchefin Lydia Dietrich hin eine ähnliche Anhörung stattgefunden. Vor allem die Polizei hatte damals auf der Beibehaltung des Sperrbezirks beharrt.

„Die Meinung der Polizei hat sich nicht geändert“, vermutet Dietrich, die deshalb ein erneutes Hearing für „überflüssig“ hält. Die Abschaffung des Sperrbezirks hält sie aber nach wie vor für den richtigen Weg. „Wir haben zwar Prostitution als Beruf anerkannt“, sagt Dietrich, „aber es wird den Frauen immer noch unmöglich gemacht, legal zu arbeiten.“

Einig sind sich Mattar und Dietrich, wenn es um die Ballung von Prostitutionsbetrieben geht: Die restriktive Sperrbezirksverordnung sei der Grund dafür, dass Bordelle vermehrt an den wenigen Orten entstünden, an denen sie noch erlaubt sind. Das führe zu Problemen wie in Freimann - 2009 hatte dort ein Investor ein Großbordell geplant.

Durch die Sperrbezirksverordnung seien die Zonen, in denen Prostitution und Anbahnung stattfinde, auf ein Mindestmaß zurückgedrängt. „Und das soll auch so bleiben“, sagt CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Es gehe auch um „das Bild in den Straßen der Stadt“. „Eher nicht vorstellen“ will sich die Abschaffung des Sperrbezirks auch der Fraktionschef der SPD. „Das würde ja bedeuten, dass Prostitution Einzug in den Wohngebieten hält“, sagt Alexander Reissl, der nicht glaubt, dass dies von den Bürgern akzeptiert würde. Dietrich kontert: Auch ohne Sperrbezirk werde nicht an jeder Ecke in jedem Wohngebiet ein Bordell stehen. „Sie würden sich verteilen, und zwar, ohne dass es Nachbarn stört.“

An der Meinung des Münchner Polizeipräsidiums habe sich seit 2005 nichts geändert, sagt Sprecher Gottfried Schlicht: „Wir stehen der Sperrbezirksverordnung positiv gegenüber, gerade in Hinblick auf die Ausweitung von Zwangsprostitution und Menschenhandel. Ohne Sperrbezirk wäre dem Tür und Tor geöffnet.“

Das KVR dagegen zeigt sich gesprächsbereit: „Wir werden gerne das Hearing mit durchführen und schauen, welche Erkenntnisse wir gewinnen“, sagt KVR-Sprecher Klaus Kirchmann. Aber: Selbst wenn die Stadt die Abschaffung des Sperrbezirks beschließe, entscheide letztlich die Regierung von Oberbayern, ob der Plan umgesetzt werde.

Caroline Wörmann und Johannes Patzig

zurück zur Übersicht: Stadt München

Kommentare

Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

Karte München StadtMünchen NordMünchen OstMünchen WestMünchen ZentrumMünchen Südzurück zur Region

Wetter für München und Bayern

Berichte im Fokus

  • Meistgelesene Artikel
  • Meistkommentierte
  • Themen

Münchner Bergführer stirbt am Everest

Mount Everest  - Er hatte sich den Spitznamen „Geheimnis-Kletterer“ erstiegen, doch jetzt ist der Münchner Ralf A. (41) tödlich auf dem Mount Everest verunglückt.Mehr...

143 Festnahmen rund ums CL-Finale

München - Das Champions-League-Finale bescherte auch der Münchner Polizei einen ereignisreichen Abend. Insgesamt 143 Menschen wurden festgenommen.Mehr...

Wer für Feuerwehreinsätze zahlen muss

München - Egal, ob es brennt, nach einem Unfall Öl ausläuft oder Nachbars Katze sich im Baum festsitzt: Die Münchner Berufsfeuerwehr hilft. Doch nicht immer hilft sie kostenlos. Wofür muss der Bürger zahlen?Mehr...

Flucht aus dem Schlachthof: Polizist erschießt Stier

München - Ein ausgewachsener Stier ist am Mittwoch aus einem Münchner Schlachthof abgehauen. Das Tier rannte wild und unkontrolliert über das Gelände.Mehr...

Fan-Ansturm: Nachtflugverbot fällt

München - Zehntausende Fußball-Fans werden zum Champions-League-Finale erwartet. Darunter bis zu 25.000 Engländer. Die Polizei bereitet sich intensiv vor, der Flughafen kann den Ansturm nicht alleine bewältigen. Viele Fans werden darum über andere Wege anreisen. Zur Abreise wird das Nachtflugverbot aufgehoben.Mehr...

Kampfansage des FC Bayern: Ganze Stadt in Rot-Weiß

München - Vor dem „Finale dahoam“ startet der FC Bayern eine Kampagne, an der sich möglichst alle Münchner beteiligen sollen. Der Traum: Eine ganze Stadt in Rot-Weiß.Mehr...

EHC München

Alle Infos, Nachrichten und Spielberichte zum EHC München auf merkur-online.de.

EHC München kooperiert mit dem EC Peiting

EHC München kooperiert mit dem EC Peiting

München/Peiting - Die Eishockey-Clubs EHC München und EC Peiting haben sich für die kommende Saison auf eine Kooperation geeinigt. Ex-Nationaltorwart Peppi Heiß soll die Verbindungsfigur zwischen den beiden Klubs sein.Mehr...

Nachrichten aus dem Landkreis

Wunschstandort für ein neues Gymnasium

Wunschstandort für ein neues Gymnasium

Unterföhring - Die FDP-Fraktion im Kreistag bereitet sich auf die Entscheidung vor, ob ein neues Gymnasium für den Landkreis-Norden in Unterföhring oder Ismaning errichtet werden soll.Mehr...

Acht Jahre Knast für Messerattacke

Unterföhring - Ein rumänischer Bauarbeiter (27), der im Februar vergangenen Jahres in einer Gemeinschaftsunterkunft in Unterföhring zwei Landsmänner mit einem Messer verletzt hat, muss wegen versuchten Mordes für acht Jahre hinter Gitter.Mehr...

Nachrichten vom Flughafen München

Flughafen/Startbahn: Abstimmung

Braucht der Flughafen eine 3. Startbahn? Stimmen Sie mit ab!

München - In knapp vier Wochen stimmt München ab: Braucht der Flughafen eine dritte Startbahn? Bürger aus der Region dürfen am 17. Juni nicht mit abstimmen. Wir geben Ihnen Gelegenheit, Ihre Meinung bei unserem großen Online-Voting kundzutun!Mehr...

Aktuelle Videos

Videos werden geladen...0:00
Bild mit Ladehinweis

Weitere Informationen für dieses und andere Videos werden geladen...

Abspielen

Alle Videos

-cQsQSjKe1q6Y14uLo3ivuElQ2zsPqi5W8XyhmnDpmk.http://www.merkur-online.de/media/video/37063960011755456930

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper