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Hygiene-Mängel auch beim BRK

München - Nach dem Hygiene-Skandal an zwei Krankenhäusern sind nun auch Sauberkeitsmängel beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) ans Tageslicht gelangt. Doch wie schlimm waren diese wirklich?

© Schlaf

Umstrittene Einsätze: Die Wiesn-Wache des Roten Kreuzes ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen.

Das Oktoberfest ist für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) eine heftige Angelegenheit. Mehr als 8800 Patienten mussten die Sanitäter und Ärzte im vergangenen Jahr versorgen – und nicht nur dann, wenn mal jemand zu tief ins Glas geschaut hat. Oft werden Verletzte mit offenen Wunden angeliefert. Ob dabei die Hygiene wirklich immer an erster Stelle stand – daran dürfte es nun gewisse Zweifel geben. Denn bei den jüngsten Untersuchungen in den vergangenen Wochen stellte das Gesundheitsamt München diverse Mängel fest. Erst am Freitag war der Fall an die Öffentlichkeit gekommen.

Doch warum wurde das Gesundheitsreferat auf die Mängel aufmerksam? Das BRK erklärte, die neue ärztliche Leitung der Wache habe im Rahmen eines Qualitätsmanagementprozesses „von sich aus“ das Gesundheitsreferat um eine Begehung gebeten. Man habe auf diese Weise geltende Hygienestandards prüfen und mögliche Fehlerquellen eliminieren wollen. Die Anfrage an das Gesundheitsreferat sei auch lange vor den Medienberichten über den Hygieneskandal an den Münchner Krankenhäusern erfolgt.

Probleme bei Versorgung mit Sterilgut

Nach Informationen unserer Zeitung sollen nicht nur rostige Scheren entdeckt worden sein. Auch angebrochene Salben, die nicht gekühlt wurden, habe man gefunden, heißt es. Zudem ist von nicht verpackten Mullbinden und einem unzureichenden Reinigungszustand die Rede. Probleme muss es auch bei der Versorgung mit Sterilgut gegeben haben. Wie gravierend diese waren, ist noch nicht klar.

BRK übernimmt 2010 Versorgung auf der Wiesn

Das BRK räumte ein, es seien auf der Wache routinemäßig Mehrwegprodukte sterilisiert worden. Das soll nun vorbei sein. „Es wird nur noch Einwegbesteck verwendet“, sagte der für die Wiesn zuständige Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD). Vorwürfe, Einweg-Instrumente könnten mehrfach eingesetzt worden sein, nannte er eine „Fabel“. Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (grüne) erklärte indes, das BRK habe keine Sterilgutaufbereitung gehabt. „Es hat auch keinen Sinn, dass das dort aufbereitet wird.“

Trotz der Probleme soll in diesem Jahr das BRK wieder die Versorgung übernehmen. Es hat einen Vertrag mit der Stadt. Die Mängel würden „definitiv abgestellt“, sagte Wirtschaftsreferent Reiter. Dennoch werde man für 2011 die Leistung ausschreiben. Ursache dafür seien auch die Probleme mit dem BRK, die erst im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gelangt waren. Nach Recherchen unserer Zeitung war herausgekommen, dass auf der Wiesn 2004 in der Sanitätsstation des BRK eine wissenschaftliche Studie an betrunkenen Patienten durchgeführt worden war. Die Helfer vom Roten Kreuz hatten insgesamt 405 Wiesn-Besuchern Blut abgenommen, obwohl diese teilweise gar keine oder betrunken ihre Zustimmung erklärt hatten.  

Von Matthias Kristlbauer und Philipp Vetter

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