014.07.10|München|München|19
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München - In der Städtischen Klinikum GmbH rollen nach dem Hygiene-Skandal jetzt Köpfe in der obersten Etage: Der Aufsichtsrat feuert drei der vier Klinik-Chefs. Doch damit dürfte das Ende noch nicht erreicht sein. Auch die Stadtspitze gerät unter Druck.

© Bodmer
Greiner und Wirnitzer bei ihrem Abgang aus dem Rathaus.
Die Zukunft der Klinikum GmbH, zu der fünf städtische Krankenhäuser gehören, ist nun völlig offen. Der Aufsichtsrat stellt die Organisationsform grundlegend infrage. Es gehe um einen „Neuanfang, sagte Monatzeder. Daher werde man eine Organisations- und Strukturuntersuchung in Auftrag geben. Am Montag will der Aufsichtsrat erst einmal eine Interims-Geschäftsführung installieren.
Doch damit dürfte der Skandal nicht ausgestanden sein: Immer mehr gerät auch die Stadtspitze - allen voran Monatzeder selbst - ins Visier. „Er hat die Unwahrheit gesagt", kritisierte Josef Schmid, Chef der Rathaus-CSU. Der Vorwurf bezieht sich auf eine Aussage Monatzeders zur Besetzung der Klinik-Geschäftsführung im Jahr 2004. Auf die Frage, weshalb damals kein Mediziner in die Leitung aufgenommen wurde, hatte Monatzeder gesagt, es habe sich kein Mediziner beworben. In der Tat musste er nun einräumen, ihm sei ein „Fehler passiert". „Unter 18 Bewerbern waren drei Ärzte und ein Physiker mit Medizinstudium."
Ein pikanter Fehler: Denn die CSU fordert seit langem, ein Mediziner müsse Teil der Klinik-Leitung sein. Monatzeder räumte ein, der Wunsch sei auch von Ärzten schon früher geäußert worden. Die Christsozialen werfen Rot-Grün im Rathaus vor, die Geschäftsführer nach Parteibuch und nicht nach Qualifikation erwählt zu haben: Greiner und Wirnitzer sind SPD-Mitglieder, Fuß gehört den Grünen an. Fraktionschef Schmid forderte daher, nun müssten auch „die für die Fehlbesetzung verantwortlichen Politiker Konsequenzen ziehen." Welche Konsequenzen - das ließ Schmid offen.
Monatzeder wies die Vorwürfe zurück. Der oberste Klinik-Chef Greiner etwa sei auch mit den Stimmen der FDP erwählt worden. Auf die Frage, ob es ein Fehler war, keinen Arzt in die Klinikum-Leitung zu berufen, sagte Monatzeder: „Es kommt nicht darauf an, ob jemand ein „Dr. med" vor dem Namen stehen hat, sondern es kommt auf die Person an."
Von Johannes Patzig und Matthias Kristlbauer
Die Mediziner des Klinikums Neuperlach wollten nicht länger schweigen: In einem Brandbrief an den Aufsichtsrat der Städtischen Klinikum GmbH, der unserer Zeitung vorliegt, erheben die zwölf Chefärzte schwere Vorwürfe gegen die Spitze des Unternehmens: Chirurgen und OP-Personal hätten schon lange massiv auf Mängel bei der Sterilgutaufbereitung hingewiesen - alle vier Klinikum-Geschäftsführer hätten davon gewusst. Doch geschehen sei nichts.
Die Probleme mit verdrecktem OP-Besteck seien bereits „vor fast einem Jahr, nämlich am 30.7.2009, erstmals in der Dienstbesprechung der Chefärzte vorgetragen worden“, schreiben die Mediziner. In den Monaten bis April 2010 seien die Geschäftsführer der Klinikum GmbH ausführlich über die Probleme informiert worden. Zudem habe es mehrere Arbeitsgruppen mit Verantwortlichen der für die Sterilisation zuständigen Abteilung Medizet gegeben. Darin habe das Klinikum Neuperlach immer wieder gefordert, die Mängel müssten beseitigt werden. Doch die Vertreter von Medizet hätten regelmäßig versucht, die Vorkommnisse zu bagatellisieren. Erst als nach Monaten noch keine Besserung der Sterilgutaufbereitung zu beobachten war, so schildern die Ärzte, sei im Frühjahr 2010 ein Fachgutachten in Auftrag gegeben worden - auch das auf Drängen der Leiter der chirurgischen Abteilungen und der Direktion in Neuperlach. Dieses Gutachten wurde, wie berichtet, am 2. Juli dem Aufsichtsrat vorgestellt. Erst dann kam der Skandal ans Licht.
Johannes Patzig
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