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Hygiene-Skandal im Klinikum Bogenhausen

München - Hygiene-Skandal im Klinikum Bogenhausen: Weil OP-Besteck verdreckt von der Sterilisation zurückkam, hat die Aufsichtsbehörde die zuständige Abteilung geschlossen. Jetzt gibt es nur noch Notoperationen. OB Ude hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, ein Manager wurde suspendiert.

© dpa

Das Klinikum Bogenhausen hat am Mittwochnachmittag seine Operationssäle geschlossen.

„Ausgerechnet Bogenhausen, das Flaggschiff der städtischen Kliniken“, entfuhr es dem CSU-Landtagsabgeordneten und früheren Münchner Gesundheitsreferenten Dr. Thomas Zimmermann, als er von dem Skandal erfuhr: Bei „Medizet“, einem Dienstleistungszentrum innerhalb der Städtischen Kliniken, wurde unglaublich geschlampt. Wie Bürgermeister Hep Monatzeder gestern bekanntgab, hatte es wiederholt Beschwerden über die sogenannte Sterilgutaufbereitung im Klinikum Bogenhausen gegeben. Die OP-Sets, die die Chirurgen dort ordern, waren teils falsch sortiert, teils so schlecht gereinigt, dass Rückstände mit bloßen Auge sichtbar waren. „Dann sagt der Operateur: Mit diesem Besteck operiere ich nicht“, so Monatzeder.

Ein Gutachten brachte am Freitag, 2. Juli, „eine ganze Reihe von Fehlern“ zutage. Ein Dauer-Problem: Schlecht geschultes Personal bestückte die Sterilisationsautomaten falsch. „Es ist genau festgelegt, wie die unterschiedlichen Instrumente dort eingelegt werden müssen. Scheren zum Beispiel müssen offen sein“, erläutert Monatzeder. Das Prinzip kennt jede Hausfrau: Wenn Löffel in der Spülmaschine aneinander liegen, werden sie nicht sauber. In Bogenhausen fielen die Rückstände niemandem auf. Verdreckte Scheren, Skalpelle und Zangen wurden in den OP geliefert. Zwar sei kein Fall bekannt, in dem ein Patient dadurch geschädigt worden wäre, so Monatzeder. „Aber das Infektionsrisiko steigt.“ Das Gutachten, das die Verwaltung unter Verschluss hält, erwähnt auch mögliche strafrechtliche Auswirkungen der Schlamperei. Offenbar enthält es so dramatische Details, dass OB Christian Ude, als er am Montag in der Referentenrunde davon erfuhr, umgehend zum Telefon griff: Noch während der Besprechung erstattete er Anzeige gegen Unbekannt. „Wir haben ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet“, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I, Barbara Stockinger.

Das Münchner Gesundheitsreferat, Aufsichtsbehörde der Kliniken, führte umgehend eigene Kontrollen durch und sah die Vorwürfe bestätigt. Am Mittwoch sperrte es die Sterilisationsabteilung. Weil es nun an Gerätschaften mangelt, führen die Chirurgen in Bogenhausen nun nur noch Notoperationen durch. Gestern fielen rund 60 OPs aus. Auch im städtischen Klinikum Neuperlach ruht der OP-Betrieb: Es bezieht seine Instrumente aus Bogenhausen. Die Versorgung in München sei dennoch gewährleistet, heißt es aus der Rettungsleitstelle. Es gebe ausreichend Kapazitäten in anderen Kliniken.

Wie lange die beiden Krankenhäuser lahm gelegt sind, ist noch nicht absehbar. „Wir sind bemüht, den Normalbetrieb wiederherzustellen“, sagte Monatzeder gestern. Bis die Sterilisation im eigenen Haus wieder anlaufe, suche man nach Alternativen. Denkbar sei, OP-Besteck von staatlichen Krankenhäusern oder externen Dienstleistern zu beziehen.

Bis dahin verlieren die Krankenhäuser, die ohnehin unter einem immensen Kostendruck stehen, mit jeder ausgefallenen Operation Geld. „Massive finanzielle Folgen“ befürchtet Monatzeder, ganz zu schweigen vom „gewaltigen Imageverlust“ für die städtischen Kliniken insgesamt. „Es wird sicher geraume Zeit dauern, diesen Schaden wieder auszubügeln.“

In der Klinik-GmbH hat derweil die Suche nach den Schuldigen begonnen. Erste Reaktion: In einer Krisensitzung am Donnerstagnachmittag suspendierte der Aufsichtsrat bis auf weiteres den Geschäftsführer für Strategie und Planung, Reinhard Fuß.

Die Suche müsse auch auf die Stadtspitze ausgeweitet werden, fordert CSU-Politiker Thomas Zimmermann. „Hier geht es um ein Organisationsverschulden. Und wenn man die falschen Leute an die falschen Stellen setzt, muss man dafür die Verantwortung tragen.“

Peter T. Schmidt

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