München - Die Wirtschaftskrise und die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt fordern verstärkt Opfer: Menschen, die ihre Miete nicht mehr zahlen können und ohne Wohnung dastehen.

Gemütlich ist etwas anderes, doch für viele ist die Unterkunft in einem Clearinghaus die letzte Rettung. Foto: Bod
Wohnungslose sind nicht Obdachlose. Im Gegensatz zu Obdachlosen, die im Freien übernachten, haben Wohnungslose ein Dach über dem Kopf – allerdings nur ein Notquartier, das kann bei einem Freund genauso sein wie in einer von der Stadt organisierten Unterkunft. Nach Jahren des Rückgangs bei der Zahl der Wohnungslosen in München zeichnet sich nun wieder ein eklatanter Anstieg ab.
Die letzten Daten stammen aus dem Oktober 2009. Zuletzt waren in München 2025 Menschen, davon 451 Kinder, in Pensionen, Notquartieren und den sogenannten Clearinghäusern untergebracht. Im Mai 2008 waren es noch 1548 Personen. „Die Zahl wächst deutlich erkennbar“, konstatiert Sozialreferent Friedrich Graffe (SPD).
Schon einmal war die Wohnungsknappheit extrem in München: Zwischen 1999 und 2003 stieg deshalb die Zahl der Wohnungslosen von 1130 auf 3600. Damals entstanden in allen Stadtteilen Containersiedlungen. Für diese Notquartiere wurde Graffe scharf kritisiert. Eine neue Devise in der Wohnungslosenpolitik war die Folge: „Wohnen statt Unterbringen“ hieß das neue Ziel, verbunden unter anderem mit der Errichtung so genannter Clearinghäuser, deren Bewohnern in wenigen Monaten dabei geholfen wird, wieder ein reguläres Mietverhältnis zu bekommen.
Heute gelingt es relativ oft, Menschen wieder eine Wohnung zu verschaffen: Insgesamt 1505 Haushalte fanden zwischen Januar und Oktober 2009 wieder in ein dauerhaftes Wohnverhältnis zurück.
Trotzdem befürchtet Graffe, dass es künftig noch mehr Wohnungslose geben wird. „Die Möglichkeiten der Versorgung dieser Gruppe schwinden“, sagt er. 7110 Sozialwohnungen fallen bis 2011 aus der Bindung. Beim Bau neuer Wohnungen hinkt die Stadt ihrem selbst gesteckten Ziel hinterher, anstatt von 1300 Sozialwohnungen entstehen derzeit weniger als 1000 pro Jahr. Und: Ob die Stadt im erhofften Maß Belegrechte von Wohnungseigentümern ankaufen kann – 300 Wohnungen jährlich sind das Ziel –, ist auch noch unklar.
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