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Islam-Zentrum: Das alles soll im "Ziem" entstehen

Islam-Zentrum: Das alles soll im "Ziem" entstehen

München - Nach dem Gerichtsurteil gegen die Penzberger Muslime steht der Plan für das Islam-Zentrum „Ziem“ in München auf der Kippe. Dabei könnte das Projekt Geschichte machen.

© Ralf Gerard

Die Moschee in Penzberg könnte architektonisch ein Vorbild für das Münchner Islam-Zentrum werden.  

Ein solches Projekt hat es in Deutschland noch nie gegeben: „Ziem“ – das „Zentrum für Islam in Europa München“. Kein anderes muslimisches Vorhaben hat bei der Stadtpolitik so große Hoffnungen geweckt. Alle Fraktionen im Stadtrat sprachen sich zuletzt dafür aus und Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lobte die Idee. Doch der Verfassungsschutz hat die Initiatoren weiter im Visier. Zeit zu beleuchten, was sich hinter „Ziem“ verbirgt.

Die Idee

Das Islam-Zentrum soll auf rund 6000 Quadratmetern innerhalb des Mittleren Rings entstehen. Die Initiatoren wollen nach eigener Aussage einem europäischen Islam ein Zuhause zu geben – einem Islam der uneingeschränkt mit den Werten der deutschen Gesellschaft im Einklang steht. Muslime sollen nicht länger versteckt in Hinterhöfen beten, sondern eine sichtbare Adresse erhalten. Einen konkreten Zeitplan oder Ort für den Bau gibt es bislang nicht.

Wer steht dahinter?

Die Mitglieder des Ziem-Vereins sind vorwiegend Muslime, es sind jedoch auch Nicht-Muslime darunter. Vorsitzender ist der Penzberger Imam Benjamin Idriz. Der gebürtige Mazedonier hat an mehreren Universitäten im Ausland studiert. Er spricht Deutsch, Türkisch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch und Mazedonisch. Sein Stellvertreter ist Dr. Stefan Jakob Wimmer, Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Zweite Vize-Vorsitzende ist Gönul Yerli, ebenfalls aus der Islamischen Gemeinde Penzberg.

Islamische Akademie

Herzstück des Zentrums soll eine Islam-Akademie werden, an der muslimische Geistliche – Imame – und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Die Ausbildung soll auf Deutsch erfolgen. Damit wollen die Initiatoren ein lange bekanntes Problem angehen. Viele Imame, die Moscheen hierzulande vorstehen, werden aus anderen Ländern „importiert“ – vorwiegend aus der Türkei. Oft sprechen sie kein Deutsch und es fehlt ihnen an Verständnis für die deutsche Gesellschaft. Auch der Wissenschaftsrat empfahl daher die Einrichtung von Zentren für Islamische Theologie an Hochschulen. Die Ziem-Planer würden ihr Zentrum nach eigener Aussage gern in Kooperation mit der LMU betreiben und Lehrpläne mit dem Freistaat abstimmen.

Moschee

Neben der Akademie soll Ziem auch eine Moschee für 600 Gläubige erhalten. Freitagsgebete würden dort nach Auskunft der Planer grundsätzlich in Deutsch gehalten, daneben sollten aber auch die jeweiligen Herkunftssprachen wie Türkisch, Arabisch, Bosnisch, ihren Platz bekommen.

Weitere Bausteine

Ziem soll ein Gemeindezentrum erhalten, in dem Kultur und soziale Arbeit Platz finden. Hier wollen die Planer etwa Hilfen in Ehe und Familie bieten. So sei es Ziel, muslimische Frauen „in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen und entschieden gegen ihre Unterdrückung einzutreten“, heißt es auf www.zie-m.de. Auch ein Alten- und Servicezentrum ist geplant. Zudem soll es eine Bibliothek und ein islamisches Museum geben.

Der Streit

Der Verfassungsschutz erhebt Vorwürfe gegen die Ziem-Planer aus Penzberg. Er beschuldigt sie, Kontakte zu Islamisten zu pflegen (siehe Interview). Der Vorwurf ist jedoch umstritten – auch einige CSU-Politiker hatten den Muslimen stets den Rücken gestärkt. Die Muslime versuchten, gerichtlich gegen die Vorwürfe vorzugehen, erlitten aber eine Niederlage: Ein Gericht erklärte die Vorwürfe für berechtigt. Der Rechtsstreit geht aber weiter: Nun wollen die Muslime auch in höhere Instanzen gehen.

Johannes Patzig

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