München - Das Elterngeld ist ein Renner – auch bei den Münchner Männern: 2009 hat jeder vierte Vater den staatlich geförderten Erziehungsurlaub beantragt. Doch drei Viertel der Männer bleiben nur zwei Monate beim Nachwuchs – Mütter dagegen kehren nur selten in Vollzeitjobs zurück.

16 984 Anträge auf Elterngeld sind im vergangenen Jahr in München bewilligt worden – das ist mehr als ein Drittel aller in ganz Oberbayern gestellten Anträge. Die Statistik des „Zentrums Bayern Familie und Soziales“ zeigt: Die Zahl der Väter, die von der 2007 eingeführten Regelung profitieren, steigt – nicht nur in Bayern.
14 200 Kinder kamen in München 2009 zur Welt. Nur, wenn sich beide Elternteile ums Kind kümmern, gibt es die Förderung 14 statt 12 Monate lang. 2007, im ersten Jahr des „Von-der-Leyen-Bonus“, stammten in der bayerischen Landeshauptstadt 11,4 Prozent aller Anträge auf Elterngeld von Vätern, 2008 waren es 20,7 Prozent, und im gerade zu Ende gegangenen Jahr 2009 waren bereits 24,2 Prozent der Antragsteller männlich. Inzwischen kümmert sich also jeder vierte Münchner Vater eine Zeit lang ausschließlich um seinen Nachwuchs.
In vielen bayerischen Landkreisen bewegte sich die Prozentzahl der Männer, die einen Antrag auf Babypause stellten, zwischen 23 und 29 Prozent. So wollten in Garmisch-Partenkirchen 45 Männer Elterngeld, was 23,3 Prozent aller Antragssteller entspricht. Im Landkreis Bad-Tölz/Wolfratshausen waren 25,3 Prozent der Antragsteller männlich, in Starnberg sogar 29,3 Prozent.
Klar ist aber: Meistens bleiben die Väter ihrem Job nur kurz fern. Rund 60 Prozent aller Väter bundesweit bleiben zwei Monate zu Hause, die Mindestzeit, um 14 Monate lang gefördert zu werden. Das hat eine im August 2009 veröffentlichte Auswertung des Bundesfamilienministeriums zum Elterngeld ergeben.
In München pausieren sogar noch mehr Männer als im Bundesschnitt nur für acht Wochen, wie Birte Kensy, Sprecherin des Zentrums Bayern Familie und Soziales, bestätigt: „2009 haben in München 74 Prozent der Väter für zwei Monate Elterngeld bewilligt bekommen.“ Zwölf Monate lang seien nur 5,8 Prozent der Männer mit Nachwuchs zu Hause geblieben. Im Schnitt war 2009 die Babypause der Münchner Väter 3,34 Monate lang.
Trotz der Elterngeldregelung hat sich an der dauerhaften Rollenverteilung von Männern und Frauen nicht allzu viel geändert. Das weist die Studie des Familienministeriums ebenfalls nach. In München wie anderswo nehmen fast 90 Prozent der Väter nach der Babypause ihre alte Arbeit uneingeschränkt wieder auf. Die Vollbeschäftigungsquote der Väter ist vor und nach der Elternzeit gleich hoch. Bei den Müttern sieht es anders aus: Hier waren vor der Geburt ihres ersten Kindes 55 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt, nur 14 Prozent kehren nach der Elternzeit in einen Vollzeitjob zurück. Beim zweiten Kind sind es sogar nur mehr sechs Prozent.
Dennoch: München profitiert besonders vom Elterngeld. Dort, wo viele wohlhabende Menschen leben, fällt die staatliche Förderung – 67 Prozent des Durchschnittseinkommens – hoch aus. 2009 bekamen immerhin 1318 der knapp 17 000 Antragsteller den Höchstbetrag von 1800 Euro Elterngeld ausbezahlt – vielleicht auch ein Grund für den Babyboom in München.
Caroline Wörmann
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