München - Die Junge Union München hat sich gegen den Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels ausgesprochen. Die Parteijugend stellt sich damit gegen die Position der CSU, die den Bau der zweiten Röhre nach wie vor befürwortet.
Der Beschluss fiel bereits vor zwei Monaten. Am 14. September tagte der Vorstand der Jungen Union (JU) München und sprach sich gegen den Bau des zweiten Stammstreckentunnels aus – „nach kontroverser Diskussion“, wie es im Protokoll heißt. „Wir sind der Meinung, dass das Geld besser in andere Projekte investiert werden soll“, sagt Günther Westner, seit Juli 2011 neuer JU-Chef. So könne etwa der Takt auf den Außenästen der S-Bahn erhöht und die U 5 bis Pasing verlängert werden.
Dass die JU ihr Nein zur Stammstrecke nicht groß publik machte, hat zwei Gründe: Einerseits fiel der Beschluss knapp aus, die Gegner der zweiten Röhre setzten sich mit nur zwei Stimmen Mehrheit durch. Andererseits, sagt Westner, habe man im Fall des Scheiterns des zweiten Stammstreckentunnels nicht als Sargnagel des Projekts dastehen wollen.
Bis Ende des Jahres müsse die Finanzierung für die zweite Stammstrecke stehen, machte Schmid erneut klar. Wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) keine weiteren Mittel für die zweite Röhre bereitstelle, müsse die Stadt 300 Millionen Euro als Darlehen für die Vorfinanzierung beisteuern. Zudem fordert Schmid, dass sich die umliegenden Landkreise beteiligen.
Für den Bau der Strecke, die rund zwei Milliarden Euro kosten soll, will der Freistaat rund 900 Millionen Euro beisteuern, die Bahn 133 Millionen. Zuletzt hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sich bereit erklärt, zusätzlich 300 Millionen Euro als Kredit vorzustrecken, wenn die Stadt München sich ebenfalls mit 300 Millionen Euro beteilige. OB Christian Ude (SPD) hatte das strikt zurückgewiesen. Die Sanierung der S-Bahn sei Aufgabe von Bund und Land. Es komme nicht infrage, dass dafür „kommunale Kassen geplündert werden“.
So unterschiedlich JU und CSU die Notwendigkeit der zweiten Röhre bewerten: Was andere Verbesserungen im Münchner Nahverkehr betrifft, herrscht Einigkeit. „Ganz gleich, ob die zweite Stammstrecke kommt oder nicht: Wir brauchen Sofortmaßnahmen“, sagte Schmid. Die CSU fordert bereits seit Längerem etwa die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 nach Pasing, den viergleisigen Ausbau der S 4 zwischen Pasing und Eichenau sowie den Bau der Sendlinger Spange, auf der bei Störfällen S-Bahnen über den Südring zum Ostbahnhof geleitet werden könnten. Wenn die JU in ihrem Beschluss die Umsetzung dieser Maßnahmen fordere, sei dies „zweifellos richtig“, sagte Schmid.
Von Caroline Wörmann
Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)
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