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Kahlschlag fürs Olympische Dorf

München - Sollte München die Olympischen Spiele 2018 ausrichten, werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich bis zu 2000 Bäume gefällt. Was wenige wissen: Das Olympische Dorf entsteht zum Großteil auf einem gewachsenen Park.

© Bodmer

Baustelle der Zukunft: Der öffentliche Park auf dem Bundeswehrgelände Dachauer Straße 128 muss wohl weichen.

Durchs Biotop schwirren Libellen, wuchtige Buchen strecken ihre Äste ins Himmelblau. Eine Frau tollt mit zwei Weimeranerhunden herum, im Gras sonnen sich zwei junge Männer. Es ist ein weitläufiger Park hier an der Dachauer Straße, und man kann ihn mit gutem Recht ein Idyll nennen. Dass verstreut auch die Gebäude des Bundeswehrverwaltungszentrums stehen, fällt durch das Blattgrün kaum auf. Doch sind die Tage dieses Idylls gezählt: Der Bund hat München sein etwa 18 Hektar großes Gelände für die Olympischen Spiele 2018 zugesichert - und um das Olympische Dorf bauen zu können, rechnet die Stadt offenbar mit massiven Baumfällungen.

Ein Ensemble von 17 Punkt-Hochhäusern soll das Dorf bilden. Nach jetzigem Stand der Dinge werden dafür in den kommenden Jahren nicht nur die alten Häuser abgerissen. Zudem müssen bis zu 2000 Bäume dran glauben.

Grund zu der Annahme geben die Unterlagen des Architektenwettbewerbs für das Olympische und das Mediendorf. In einer „Baumbilanz“ listet das Münchner Planungsreferat den Bestand auf dem Gelände auf: 108 „sehr erhaltenswerte“ und 1594 „erhaltenswerte“ Bäume stünden hier. Gleichzeitig kommentiert das Preisgericht den Siegerentwurf des Berliner Architektenbüros Léon Wohlhage Wernik: „Positiv zu bewerten ist, dass 95 Prozent des als ,sehr erhaltenswert‘ eingestuften Baumbestandes berücksichtigt wurde. Dagegen wird der als ,erhaltenswert‘ eingestufte Bestand zu 80 Prozent beseitigt.“

Gefällt werden demnach 1280 Bäume. Zudem weist die Baumbilanz 928 „sonstige“ Bäume aus. „Dass die stehen bleiben, kann ich mir nicht vorstellen, wenn schon die erhaltenswerten zu 80 Prozent gefällt werden sollen“, sagt Christian Hierneis vom Münchner Bund Naturschutz.

Hierneis steht inmitten des Idylls und argumentiert: Der Park, der direkt an das Tollwood-Gelände angrenzt, sei ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Neuhauser Bürger, zwei Kindergärten nutzten ihn als Spielfläche, er diene als Frischluftschneise gerade im Hinblick auf den Feinstaubschwerpunkt Landshuter Allee. „Hier findet sich das einzige Buchenwaldrelikt innerhalb des Mittleren Rings.“ Auch das mit Schilf, Röhricht und Seerosen bewachsene Feuchtbiotop sei in der Stadt fast einzigartig. „Es ist auf den Planungskarten nicht einmal verzeichnet“, moniert Hierneis, der gemeinsam mit der ÖDP und den Münchner Grünen die Olympiagegner „Nolympia“ unterstützt.

Um die Zweckbauten des 1976 und ’77 errichteten Verwaltungszentrums ist es wohl nicht besonders schade. Trotzdem: Ein „militärisches Ghetto“ - so hatte OB Christian Ude die Anlage genannt - ist der schöne, öffentlich zugängliche Park nicht. „Es hat Methode, das Gelände schlechtzureden“, schimpft Hierneis. Dabei biete es genau die Parklandschaft, die Ude den Münchnern mit dem Olympischen Dorf verspreche. Ersatzpflanzungen könnten „über Jahrzehnte hinweg die Ökosystemleistungen großer und alter Bäume nicht ersetzen“.

Noch stehen die Fällungen nicht an - auch wenn unzählige rote und grüne Farbmarkierungen an Baumstämmen ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff skeptisch machten. Auf dessen Nachfrage beteuert Stadtbaurätin Elisabeth Merk: „Es werden keine Baumfällungen vorbereitet.“ Derzeit unternehme man lediglich „Vorarbeiten für eine detaillierte Baumbestandsaufnahme“ als Grundlage für die Bauleitplanung.

Doch betont der Sprecher des Planungsreferats, Thorsten Vogel, auf Anfrage dieser Zeitung auch: „Das Verfahren wird sich an dem Siegerentwurf für das Olympische Dorf orientieren.“ Der Entwurf sei derzeit nochmals zur Überarbeitung bei den Architekten. „Man wird versuchen, die Planungen in Bezug auf die Bäume zu optimieren.“ Die Frage, ob weniger als 2000 Bäume gefällt werden, könne man noch nicht seriös beantworten, sagt Vogel. „Man kann davon ausgehen, dass eine Vielzahl gefällt werden muss.“

Johannes Löhr

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