München - Das Münchner Gesundheitsreferat schlägt Alarm. Durch Hygienemängel breiten sich in Krankenhäusern immer häufiger gefährliche Keime aus. Zugleich wurden die Hygienekontrollen zurückgefahren. Nun soll der Stadtrat zusätzliches Personal genehmigen.
Der Fall sorgte vor drei Monaten für Aufsehen: Ein gefährlicher Keim hatte sich auf der Intensivstation des Klinikums rechts der Isar ausgebreitet. Rund 20 Patienten wurden infiziert, fünf von ihnen zeigten Krankheitssymptome (wir berichteten). Der Erreger löst unter anderem Wund- und Lungenentzündungen aus. Sofort wurde ein Krisenstab eingesetzt. Heute hat das Klinikum die Lage offenbar wieder im Griff. Die meisten betroffenen Patienten wurden inzwischen entlassen, so eine Sprecherin. Nur drei befänden sich noch im Krankenhaus – wegen ihrer ursprünglichen Erkrankung.
Doch die Frage bleibt: Wie können sich derlei Keime an Kliniken ausbreiten? CSU-Stadträtin Eva Caim hatte von der Stadt Aufklärung über die Krankenhaus-Hygiene gefordert. Die Antworten, die Gesundheitsreferent Joachim Lorenz gibt, sind alarmierend.
Umso alarmierender sind die Erkenntnisse des Gesundheitsreferats über die Hygiene in Münchner Kliniken. An allen 71 Häusern bestünden Mängel, so Lorenz. Freilich handle es sich oft um Kleinigkeiten – etwa Pflanzen auf der Intensivstation. Doch bei den Fällen des Jahres 2009, in denen sich Keime verbreiteten, ließ sich fast immer Fehlverhalten des Personals feststellen. So seien etwa die Hygiene-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts nur unzureichend umgesetzt worden.
Das Hauptproblem laut Lorenz: Personalmangel. Zum einen gebe es in den Kliniken zu wenig Personal, um die Hygiene-Regeln zuverlässig umzusetzen. Zum anderen fehle es auch dem Gesundheitsreferat an Fachkräften, um die Hygiene zu überwachen. Für die Kontrolle der 71 Krankenhäuser stehe der Behörde de facto nur eine Arztstelle zur Verfügung. Weil die Aufgaben der infektionshygienischen Überwachung ständig mehr werden und auch die Zahl der Ausbrüche steigt, sei die Behörde nicht mehr im Stande, routinemäßige Kontrollen durchzuführen. Überwachung finde nur dann statt, wenn es bereits einen Anlass dafür gebe.
Vom Stadtrat erbittet sich Lorenz nun zwei weitere Arztstellen für die Überwachung. Und vom Freistaat erhofft er sich, dass er demnächst eine Verordnung zur Hygiene in Kliniken erlässt. Denn dann erst würden die Hygieneregeln auch rechtlich verpflichtend.
Johannes Patzig
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