München - Die Nicolaidis-Stiftung in München begleitet Trauernde seit 13 Jahren. Sie hilft Hinterbliebenen, den Weg zurück in ein „normales Leben“ zu finden. Jetzt hat sie einen kickenden Botschafter bekommen: FC-Bayern-Star Thomas Müller.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Es ist ihm gleich warm geworden, dem Bayern-Profi, als er mit den Buben und Mädchen von „YoungWings“ kickte: „Die wissen alle schon, was Fußball ist“, sagt Thomas Müller und grinst spitzbübisch. Die Ablenkung mit ihm auf dem Fußballplatz an der Säbener Straße tut den jungen Leuten gut. Sie alle müssen mit einem schweren Schicksal leben.
„Mein Vater ist gestorben“, erzählt Tobias, dem es sichtlich schwer fällt, darüber zu sprechen. YoungWings, das ist eine Online-Beratung, die den Jugendlichen in „ihrem“ Medium Internet begegnet, rund um die Uhr professionelle Hilfe anbietet - und von der Nicolaidis-Stiftung betrieben wird. „Mir hat das echt geholfen, weil ich dort das Gefühl habe, die anderen verstehen mich“, sagt Tobias.
Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren tauschen sich in einem Internet-Forum und im geführten Chat mit anderen Betroffenen aus. Außerdem können sie eine geschützte Einzelberatung mit geschulten Nicolaidis-Mitarbeitern wahrnehmen.
„Das ist wirklich wichtig für uns“, betont die 14-jährige Lisa. Sie hat ihren Vater verloren, als sie noch ein ganz kleines Mädchen war - aber die Trauer kommt immer wieder. Im Forum trifft sie Jugendliche, denen es ähnlich geht.
„Freunde und Bekannte, die selbst nicht betroffen sind, reagieren oft ein bisschen verklemmt. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen“, sagt Charlotte, deren Vater ebenfalls gestorben ist. „Bei YoungWings kann man mit Betroffenen eben anders reden, sich gegenseitig helfen.“
In ihrer Not suchte die junge Frau nach Gleichgesinnten. „Ich hatte das nicht vor, aber so entstand diese Stiftung“, erzählt die sympathische Frau mit den raspelkurzen Haaren und den ausdrucksvollen Augen. Über Jahre hinweg baute sie die Hilfe auf, oft nahe am finanziellen Abgrund, denn schließlich kann die Stiftung bis heute nur überleben, wenn genügend Spenden da sind.
Mittlerweile genießt sie bundesweit einen guten Ruf. Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer fungiert als Schirmherrin. Die Stiftungsgründerin lächelt: „Das hat sich alles ganz wunderbar entwickelt, nur leider mangelt es immer wieder an Geld.“ Der bundesweite Aufbau des Netzwerks kostet eben, auch wenn die Organisation sehr sparsam wirtschaftet. „Ohne viele ehrenamtliche, geschulte Helfer könnten wir unseren Auftrag so nicht erfüllen“, sagt die Stiftungsgründerin dankbar.
Das Projekt YoungWings nimmt innerhalb der Stiftung eine besondere Stellung ein. „Bei vielen Jugendlichen, die in die Pubertät kommen, bricht die Trauer über den Verlust zum Beispiel eines Elternteils erneut aus.“ Wenn Fragen kommen: „Wo komme ich her? Wer bin ich?“ - dann spüren die Hinterbliebenen die schmerzhafte Lücke, die der Tod des Vaters oder der Mutter gerissen hat.
Dass diese Nöte der Jugendlichen in der Gesellschaft mehr wahrgenommen werden, dafür will sich Thomas Müller in den kommenden Jahren einsetzen. Er wird sich als Botschafter und auch bei einigen Aktionen engagieren. „Mich haben die vielen Schicksale der betreuten Kinder und Jugendlichen sehr berührt“, sagt der Bayern-Spieler. Sein Engagement sei kein „Schnellschuss“, sondern das Ergebnis reiflicher Überlegung.
Sprach’s, und trabte wieder auf den Platz, um mit den rund 20 Jugendlichen beim FC Bayern weiterzukicken. Die leuchtenden Augen der Jugendlichen sprachen Bände: Mit dem sympathischen Profi zu spielen, lässt sie ihre Sorgen zumindest eine Weile vergessen.
Karin Neumeier
Die Nicolaidis Stiftung
hat eine Internet-Seite unter der Adresse www.nicolaidis-stiftung.de. Weitere Infos gibt es auch unter www.youngwings.de. Das Spendenkonto bei der Commerzbank hat die Kontonummer 75 00 75 000 und die BLZ 700 800 00.
Rubriklistenbild: © Klaus HaagBestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



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