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Kostümversteigerung: Der Märchenwald im Theaterfoyer

Kostümversteigerung: Der Märchenwald im Theaterfoyer

München - Das Gärtnerplatztheater hat seinen Fundus ausgemistet – und zum Flohmarkt für extravagante Kostüme über 1000 Neugierige zur Versteigerung herbeigelockt. Nicht nur Faschingsfreunde deckten sich mit Glitzerkleidern und Blaulicht-Helmchen ein.

Als quietschvergnügter Herold: Kersty Brennen.

Zwischen den Kleiderständern tummeln sich die Bewohner eines ganzen Märchenwaldes: Feen, glanzvolle Prinzessinnen und auch der ein oder andere Drache. Aus dem Kostümfundus des Gärtnerplatztheaters hat man sie herausgeworfen, dort ist es einfach zu eng geworfen. Früher haben diese Kostüme, rund 400 Stück, auf der Bühne die Opernsänger geschmückt. Jetzt hoffen die orange-violetten Overalls, pinken Federboa-Hüte und Barockkleider, dass sie bei Faschingsfreunden ein Zuhause finden.

Den zwei Mittenwaldern Hans Heigl und Franz Jais ist das recht. Für Fasching suchen sie etwas Extravagantes und kämpfen sich, die Arme voll beladen, durchs Foyer. „Passt wie angegossen“, ruft Hans, als er sich ein Gewand überwirft. „Und sieht super aus!“ Beide wildern regelmäßig bei Kostümverkäufen, denn bei vier Faschingsbällen pro Woche müssen sie gut ausgestattet sein. „Wir haben vor allem die auffälligsten Kostüme ausgesucht, die könnten die Zuschauer in einer anderen Inszenierung zu leicht wiedererkennen“, sagt Kostümdirektorin Inge Schäffner. Von einigen Stücken trenne sie sich nur schwer. „Da steckt so viel Arbeit dahinter. Aber es ist schön, wenn die Kostüme weiterleben.“

Sehr beliebt sind Drachenkostüme – auch wenn mit ihnen der Ball zum Saunabesuch wird. Ähnlich dick gefüttert sieht auch die rote Kugel mit dem Blaulicht-Helm aus, in der bei „Cinderella“ der kleine Herold auf die Bühne rannte. Jetzt steckt darin Kersty Brennen aus Glasgow. Vor Lachen schießen ihr Tränen in die Augen: „This is all a bit bizarre!“ – Alles etwas seltsam. Sie ist mit ihrer Schwester Heather hier, die in München lebt und eigentlich nur nach schönen Stücken für ihren Vintage-Laden sucht. In den knallroten Herold aber steckt sie ihren Mann und kauft es für 25 Euro. Ihr Gatte wird heute 27. „Wir gehen später Curling spielen, dann muss er das tragen.“

Das glanzvollste Stück steht auf einem Flügel hoch über den anderen Kostümen. Ein Kleid in Weiß und Grau, ganz viel Glitzer. Sehnsüchtig blickt Marina Labermair hinauf. Es ist eine Spende der Modeschule Esmod und soll zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti versteigert werden. „Es ist so schön, und es glitzert“, schwärmt die Zehnjährige. „In der Schule würde ich das nicht anziehen, aber zum Schlittschuhlaufen könnte man es tragen.“ Marina lässt es sich nicht nehmen, ein Gebot auf einen Zettel zu schreiben und in den Kasten zu werfen. Doch ihr Traum von der Ballettstunde im neuen Kleid wird wohl nur solange während, bis am Montag Box geöffnet wird – und jemand anderes den Zuschlag bekommt. Denn das Mindestgebot von 250 Euro liegt für ihr Sparschwein dann doch ein wenig zu hoch.

Anna Heile (30) betrachtet sich glücklich im Spiegel. Sie hat ihre Outfit für Karneval – sie feiert Fasching in Hannover – gefunden: einen Hut, der ein grünem Turm aus Zuckerwatte gleicht. Auf der Bühne haben das „Buchsbäumchen“ getragen. Ihr Freund Jens arbeitet hier am Gärtnerplatztheater und hat sie zur Versteigerung geschleppt. Mit dem passenden grünen Kleid sieht Anna jetzt aus wie eine Waldfee. „Das hab ich schon live auf der Bühne gesehen“, erinnert sich Jens.

Nach weniger als vier Stunden ist der Märchenwald geplündert. „Bis auf eine kleine Wühlkiste mit Strumpfbändern haben wir alles verkauft“, sagt Fundus-Chefin Schäffner. Wer trotzdem nichts gefunden hat, kann ja beim nächsten Opernbesuch schon überlegen, ob dort auf der Bühne nicht etwas für den nächsten Faschingsball dabei wäre.

Saskia Müller

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