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Aschermittwoch: Auf Krapfen folgen Karpfen

Aschermittwoch: Auf Krapfen folgen Karpfen

München - Der Aschermittwoch ist eigentlich ein Fastentag, doch das traditionelle Fischessen zelebrieren viele als lukullisches Genuss-Ereignis.

© Kurzendörfer

Wahre Prachtkerle: Großhändler Heinz Lurz (l.) und sein Mitarbeiter Pietro präsentieren einen Mahi-Mahi-Fisch. Der große Fisch vor Pietro ist ein Mondfisch.

Auf der Theke von Heinz Lurz liegt ein kapitaler Mondfisch. 20 Kilo wiegt das Prachtexemplar, von dem nach Aschermittwoch nichts mehr übrig ist: „Schon am Dienstag ging es heftig zu, aber am Aschermittwoch brennt’s so richtig. Da ist unsere Umsatzmenge fast dreimal so groß wie an normalen Tagen“, sagt Lurz, der die Spitzengastronomie seit mehr als 30 Jahren mit seinen Schuppen-Schmankerln beliefert. Mindestens 30 verschiedene Fischsorten hat er im Sortiment. Wildsaiblinge aus Irland, Huchen und exotische Mahi-Mahi-Filets aus dem Indischen Ozean. Gerade hat ein Gastronom 40 Hummer gekauft – am Aschermittwoch muss man den Gästen schließlich etwas bieten.

„Wir lassen uns für das Fischessen schon etwas Außergewöhnliches einfallen. Da haben wir dann Fische, die es nicht alle Tage gibt“, sagt Thomas Hehne, stellvertretender Küchenchef im Gutshof Menterschwaige. Ein feines Schmankerl sei der Winterkabeljau: „Der hat gerade Saison, weil er zu seinen Laichgründen wandert.“

Pino Crocamo bietet in seinem „Masters Home“ in der Nähe des Viktualienmarktes sogar ein sechsgängiges Dinner an, mit Scampi-Ragout, gratiniertem Hummer und gedämpftem Thunfisch. „Die Erfahrung zeigt, dass etwa 30 Prozent meiner Gäste am Aschermittwoch Fisch essen wollen“, sagt der italienische Gastronom.

Auch Sascha Santen, Küchenchef im Restaurant „Schapeau“ am Isartor, hat sich auf den Aschermittwoch vorbereitet: „Wir haben viele Gäste, die Wert legen auf Tradition und sich mit dem Brauchtum auskennen. Deshalb haben wir eine reine Fischkarte mit drei verschiedenen Fischhauptgängen“, sagt Santen, der am Aschermittwoch überhaupt keine Fleischgerichte serviert. Aus ernährungsphysiologischer Sicht macht das Sinn: „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, ein- bis zweimal wöchentlich Fisch zu essen. So betrachtet essen die Bayern eher zu wenig Fisch“, sagt Silke Gulder, diplomierte Ökotrophologin beim Verbraucherservice Bayern. Dabei zeichne sich Fisch durch hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß und gesundheitsfördernde Omega-3-Fettsäuren aus. „Besonders gesund sind fette Fische wie Lachs, Makrele oder Hering. Die sind reich an den fettlöslichen Vitaminen A und D“, sagt Gulder.

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Doch solche Fische sind vielen nicht mehr gut genug für den Aschermittwoch, der eigentlich den Auftakt zur 40-tägigen österlichen Fastenzeit bildet. Sie zelebrieren den Tag geradezu als lukullisches Genuss-Ereignis, schlemmen Hummer und andere Krustentiere. „Da hat schon eine gewisse Dekadenz Einzug gehalten“, sagt Pfarrer Rainer Schießler von der Gemeinde St. Maximilian im Glockenbachviertel. Denn der Aschermittwoch sei neben dem Karfreitag ein „absoluter Fasten- und Abstinenztag“ zur geistigen Vorbereitung auf Ostern, betont der Gottesmann. Traditionell esse man am Aschermittwoch Fisch, weil der ein Symbol für Christus sei. „Das hat sich halt so eingebürgert. Das Wort Karneval bedeutet ja übersetzt: Lebewohl Fleisch“, erklärt Schießler. Er nimmt die Aschermittwochs-Völlerei gelassen: „Fasten kann man nicht verordnen. Ich kann die Leut’ ja nicht zu ihrem Heil prügeln.“

B. Stuhlweissenburg

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