München - Die Zahl der Existenzgründungen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das geht aus einer Studie der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern hervor.

© Claus Haag
In der Krise nehmen mehr Menschen ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern
In der Wirtschaftskrise haben offenbar mehr Menschen den Mut, sich selbständig zu machen. Wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern in einer Studie herausgefunden hat, ist die Zahl der Existenzgründungen im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Insgesamt 18 644 Münchner wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Das waren 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Laut IHK gibt es einen Zusammenhang zwischen der hohen Zahl der Existenzgründungen und der Wirtschaftskrise. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass in Krisenzeiten mehr Menschen bereit sind, ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Vor allem, wenn Arbeitslosigkeit drohe, seien die Menschen eher motiviert, in die Selbstständigkeit zu gehen.
Tatsächlich zeigt auch die Statistik der Agentur für Arbeit, dass mehr Menschen in München die Selbstständigkeit als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit sehen. Insgesamt 2109 Arbeitslose mehr als im Vorjahr gründeten ein eigenes Unternehmen.
Wie riskant das sein kann, zeigt ein Blick auf die Zahl der Firmenpleiten, die ebenfalls gestiegen ist: 5202 Unternehmen beantragten im vergangenen Jahr beim Amtsgericht ihre Insolvenz – 8,8 Prozent mehr als in 2009.
Deshalb warnt die IHK: Damit eine Existenzgründung auch Erfolg hat, sollten die jungen Geschäftsinhaber sich gut vorbereiten. So bietet beispielsweise das Münchner Existenzgründungs-Büro, eine Kooperationseinrichtung des Referates für Arbeit und Wirtschaft und der IHK, Beratungen an. „Je besser vorbereitet ein Gründer an den Start geht, umso höher sind seine Überlebenschancen“, erklärt Peter Driessen. Laut der IHK-Studie waren 80 Prozent der Münchner, die sich im Existenzgründungsbüro haben beraten lassen, nach fünf Jahren immer noch am Markt. „Dies ist ein außerordentlich hoher Wert“, sagt Driessen. Normalerweise liege die Erfolgsquote bundesweit nur zwischen 50 und 60 Prozent.
Kerstin Lottritz
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