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Krone-Nashorn außer Kontrolle: Jetzt reden die Zuschauer

Krone-Nashorn außer Kontrolle: Jetzt reden die Zuschauer

München - Schrecksekunden im Circus Krone: Das Nashorn „Tsavo“ raste am Samstag in der Nachmittagsvorstellung aus der Manege – nur Zentimeter an den Zuschauern in den ersten Reihen vorbei.

© Foto: Circus Krone

Nashorn "Tsavo".

Dieses unscharfe Foto entstand nur Sekunden, bevor das Nashorn außer Kontrolle geriet.

Es war eine der letzten Vorstellungen des Circus Krone in München bevor die große Deutschlandtournee beginnt. Doch statt einer Gala erlebten die Zuschauer am Samstagnachmittag Schreckensminuten. Denn der Auftritt des 3,5 Tonnen schweren Nashorns „Tsavo“ misslang offenbar völlig. Nach Schilderungen von Zuschauern zertrampelte der Koloss die Umrandung der Manege und rannte in den Zuschauereingang – nur Zentimeter an den ersten Reihen vorbei.

© Foto: Reinhard KurzendörferLive dabei: Familie Luley.

Auf der Internetseite des Zirkus’ heißt es über Tsavo: „Erleben Sie die Faszination tierischer Urgewalt und purer Natur zum Greifen nah.“ Doch so hatten sich die Zuschauer das wohl nicht vorgestellt. Martin Luley saß mit seiner schwangeren Frau Manja und seinem dreijährigen Sohn Tim in der sechsten Reihe, als das Nashorn aus der Manege raste. „Die Leute sind aufgesprungen, Mütter haben ihre Kinder mitgerissen“, berichtet er. Besonders nah sei das Nashorn an einem Rollstuhlfahrer vorbeigerannt, der direkt neben dem Eingang saß. „Das waren keine 50 Zentimeter, der hatte ein Riesenglück“, sagt der 35-Jährige.

Obwohl Familie Luley nicht ganz vorn sitzt, ist ihr erster Gedanke: „Nur weg hier.“ Allerdings kamen sie aus der Loge nicht so schnell heraus. „Da waren die eigentlich besseren Plätze plötzlich die schlechteren“, sagt Luley. „Mich hat das Ganze an die Stierjagd durch die Gassen von Pamplona erinnert.“ Tsavo habe die Umrandung der Manege zerstört und sei in den eigentlich für Zuschauer bestimmten Eingang rechts von der Manege gerannt. Dort sei das Tier nicht weitergekommen und habe in der dunklen Ecke gestanden. Dem Dompteur sei es dann gelungen, Tsavo nach einer „wilden Drehbewegung“ zurück durch die Manege zum richtigen Ausgang hinauszutreiben.

So schildert auch Bianca Voth das Geschehen. Sie saß mit ihrer vierjährigen Tochter in der fünften Reihe. „Ich habe das Gesicht vom Ansager gesehen, als das Nashorn auf ihn zugerannt ist“, erzählt sie. „Der hatte Angst.“ Schon bei der Runde durch die Manege zu Beginn der Nummer habe das Nashorn nervös gewirkt. „Da haben wir schon gedacht: Oh Gott, wie das guckt“, erinnert sich Voth. „Ich habe mich auch gewundert, dass da kein Schutz war, wie es ihn ja zum Beispiel bei den Löwen gibt.“

Auch Martin Luley hatte schon zu Beginn der Nummer den Eindruck, „dass das Tier sich beengt und unsicher fühlt“. Als das Nashorn den Zuschauerraum „mit Karacho“ wieder verlassen hatte, habe der Ansager gebeten, ruhig zu bleiben. „Der hat gesagt, es hätte keine Gefahr bestanden“, sagt Luley. „Das haben wir alle anders gesehen.“ Auch Bianca Voth sagt: „Da war eine gewisse Panik.“ Einige Zuschauer seien nach dem Vorfall gegangen. „Mir kamen die Sekunden vor wie eine Ewigkeit.“ Auch andere Zuschauer schildern die Situation im Internet als bedrohlich.

Beim Circus Krone kann man die Aufregung nicht verstehen. Das Nashorn sei lediglich über die Randbegrenzung gestolpert und habe sich erschreckt, sagt Sprecherin Susanne Matzenau. Nachdem sie zunächst erklärt hatte, niemand habe sich beschwert, räumt sie am Sonntag ein, dass eine Dame die Hälfte des Eintrittspreises zurückverlangt und auch erhalten habe.

Philipp Vetter

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