München - Gerhard Schumann (44) ist an Parkinson erkrankt. Mit einer Fotoausstellung will er anderen Patienten Mut machen.

© Reinhard Kurzendörfer
Ich habe gelernt, mit dem Parki zu leben. Aber ich bin der Chef“: Gerhard Schumann vor einigen seiner Fotografien.
Gerhard Schumann sitzt im Cafe der Schön-Klinik in Schwabing, adrett gekleidet mit grauem Anzug und Krawatte. Er scherzt und lacht viel, wirkt aufgekratzt, zwei Stunden vor der Eröffnung seiner Fotoausstellung. Dass er an Parkinson leidet, fällt kaum auf. Einziges Anzeichen ist das leichte Zittern seiner Hand, wenn er sie hebt.
Früher hätte er sie in der Hosentasche versteckt. Heute aber steht Schumann offen zu seiner Krankheit, die er flapsig „Pechkrankheit“ nennt, „weil sie jeden treffen kann“. Sie inspiriert ihn sogar. Sein jahrelanges Hobby, die Fotografie, hat der 44-Jährige seit der Parkinson-Diagnose vor einem Jahr neu entdeckt. Er nutzt sie nun auch dazu, seine Gefühle gegenüber der Krankheit auszudrücken. Die Ausstellung „Parki und ich“ ist das Ergebnis seines langen Weges, auf dem er gelernt hat, mit Parkinson umzugehen.
Bald kamen weitere Anzeichen hinzu. Es fiel ihm schwerer, sich zu konzentrieren, er fühlte sich ausgebrannt, sein Schriftbild verschlechterte sich. Im September 2010 ging der damals 43-Jährige auf Drängen seiner Frau zu einem Spezialisten. „Der Arzt ließ mich einmal auf und ab laufen, eine Schnecke malen und war sich der Diagnose sicher: Parkinson.“
Auf dem Parkplatz der Klinik flogen Schumann gleich Bilder durch den Kopf: vom Papst, wie er zitternd eine Predigt hält; von Mohamed Ali und Fredl Fesl. Die ersten Zukunftsängste verdrängte er - „gnadenlos“, wie er sagt. „Ich habe alles übertrieben, meine Gestik, mein Lachen, alles war zu laut und zu schrill“, erinnert sich Schumann. Unterbewusst habe er wohl gegen das Unsichtbare angekämpft. Auf diese Phase folgte eine Zeit, in der sich Schumann in sein Schneckenhaus zurückzog, sich abschottete. Bis er im Sommer dieses Jahres zusammenbrach. „Ich war wie gelähmt. Nicht muskulär, aber ich war einfach zu nichts mehr fähig“, beschreibt Schumann seinen Zustand.
In diesem Stadium kam er in die Schön-Klinik zur Behandlung. Er „durfte“ dorthin, wie er sagt, und erzählt enthusiastisch von den stundenlangen Schreibübungen und Gesprächssitzungen: „Es ist so befreiend, einfach mal zu heulen, bis das T-Shirt nass ist.“ Die Therapien und die Medikamente halfen ihm. In der Arbeit trat er kürzer. Außerdem legte er sich neue Hobbys zu: Yoga, Karate und Klettern stehen jetzt oft auf dem Programm.
Doch nicht nur er, auch sein altes Hobby, die Fotografie, veränderte sich durch die Krankheit. Schumann bearbeitet seine Fotos heute stark nach. In manche Bilder der Ausstellung investierte er 20 Stunden Arbeit und verfremdete sie durch Farbeffekte oder Verformungen: „Halbe, dreiviertel Nächte habe ich an den Bildern gesessen, um sie so zu gestalten, wie ich sie mir vorgestellt habe.“
Mit den Fotos will er anderen Parkinson-Patienten Hoffnung geben: „Ich will zeigen, was man trotz der Krankheit schaffen kann.“ Auch wenn er die Ausstellung vor allem für andere gemacht hat, hilft die Fotografie auch ihm. Dabei, seine Situation darzustellen, wie bei dem Titelbild zur Aussstellung: „Parki und ich“. Das Foto, aufgenommen an einem Bahngleis, zeigt Schumann, teils scharf, teils verschwommen und zerlegt in unterschiedlich große Bildteile. Der unscharfe und kleinere Teil steht für die Krankheit in Schumann. „Ich habe gelernt, mit dem Parki zu leben. Aber ich bin der Chef“, sagt er und lacht.
Dagmar Bartosch
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