Pullach - Alle zehn Minuten sprinten sie los. Dann ziehen Monika (51) und Gunter (54) ihr rot-weißes Flatterband über die Münchener Straße in Pullach (Kreis München). Monika und Gunter sind seit zwei Wochen lebende Bahnschranken! Kein leichter Job bei zuletzt an die 30 Grad im Schatten. Aber die Schrankenanlage am S-Bahnhof ist kaputt - und so stoppen die beiden "Bahnübergangsposten" Autos, Fußgänger und Radlfahrer vor der einfahrenden S-Bahn.
Der Arbeitstag beginnt für Monika und Gunter um fünf Uhr morgens. Bis zum Schichtende um 15 Uhr spurten die beiden, das Absperrband im Schlepptau, mindestens 120 Mal hin und zurück über die Straße. "Das hält fit", sagt Monika aus Sachsen-Anhalt. Danach übernehmen zwei Kollegen die Flatterbänder - bis ein Uhr in der Nacht. Die lebenden Schranken haben ihren Job richtig gelernt. "Wir sind Bahnübergangsposten, kurz BÜP genannt, und haben dafür einen zweiwöchigen Kurs absolviert", erklärt Gunter. Wenn Monika und Gunter nicht in Pullach an der Schranke stehen, sichern sie bei Gleisbauarbeiten die Baustelle. "In ganz Bayern sind wir dann im Einsatz - auch als lebende Bahnschranken. Das ist gar keine Seltenheit."
Bis dahin freilich müssen Monika und Gunter alle zehn Minuten über die Straße sprinten - und sich über den ein oder anderen Fußgänger oder Radler wundern, der noch schnell unter dem Flatterband durchschlüpft Deshalb setzt die Bahn auf die lebenden Bahnschranken. Staimer: "Das rote Warnlicht funktioniert zwar einwandfrei. Die Posten sind aber ein zusätzlicher Schutz."
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