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Letzte Kämpfe für die Stammstrecke

München - Der Streit um die Finanzierung der zweiten Stammstrecke sorgt für Spannungen zwischen Schwarz-Gelb in München und Berlin. Doch während Stadt und Staatsregierung weiter am Projekt festhalten, werden die Rufe nach Alternativen lauter.

© Marcus Schlaf

Nächster Halt Endstation: Die offene Finanzierungsfrage könnte die Planungen für die zweite Stammstrecke beenden.

Die meisten Insider hatten es kommen sehen: Hinter vorgehaltener Hand bezweifelten zuletzt viele in München, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wirklich eine Milliarde Euro für den Bau der zweiten Stammstrecke locker machen würde. Doch als Ramsauers Ministerium unserer Zeitung erstmals offiziell mitteilte, dass ein solcher Betrag „nicht in Frage“ komme, schlug die Nachricht trotzdem ein wie eine Bombe.

Aus der Staatskanzlei kamen gestern nur via Pressemitteilung ein paar frostige Worte für den Parteifreund und Bundesminister. „Die Verhandlungen von Bund und Freistaat gehen gerade erst in die konkrete Phase. Deshalb sollte man das Ergebnis dieser Gespräche abwarten, bevor öffentlich Vorwegfestlegungen getroffen werden“, wurde Horst Seehofer zitiert. FDP-Mann und Verkehrsminister Martin Zeil durfte noch etwas deutlicher werden: „Der Bund darf die Metropolregion München jetzt nicht im Stich lassen. Die Bundespolitik kann nicht auf eine Energiewende setzen und sich gleichzeitig gegen ökologisch sinnvolle Verkehrsprojekte stellen.“

Die SPD tut sich mit deutlicher Kritik am Bundesminister leichter: „Herr Ramsauer stellt sich ganz klar gegen München und Hunderttausende S-Bahn-Nutzer in der Großregion, die sehnsüchtig auf eine Verbesserung warten“, schimpfte Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag. Auch OB Christian Ude stellte klar: „Wir brauchen den zweiten Tunnel, damit das S-Bahn-System nicht kollabiert.“

Im Herbst sollen die Finanzverhandlungen mit dem Bund geführt werden. „Sie werden dabei Stadt und Staat Schulter an Schulter erleben“, sagte Ude, der allen Beteiligten riet, „von parteipolitischen Mätzchen“ Abstand zu nehmen. Es gehe nun darum, gemeinsam auf den Bund Druck auszuüben.

Allein auf die Allianz mit dem Freistaat will sich der OB dabei offenbar nicht verlassen: „Ich bastle zur Zeit an einem Bündnis der S-Bahn-Städte mit dem größten Investitionsbedarf, um einen Sondertopf beim Bund zu ermöglichen“, sagte Ude, der auch Präsident des Deutschen Städtetags ist. Er gehe davon aus, dass der neue Topf ein bis zwei Milliarden Euro umfassen müsse.

Während die Regierungen von Stadt und Freistaat weiter um eine Finanzierung der Stammstrecke kämpfen, werden die Rufe nach Alternativlösungen lauter. „Wir stehen vor dem Nichts“, kritisierte die Grünen-Verkehrsexpertin und OB-Bewerberin Sabine Nallinger. „Es wurde nie an einem Plan B gearbeitet, sondern immer alles auf eine Karte gesetzt.“ Ihr Parteikollege Martin Runge, Fraktionschef im Landtag, sagte, das Projekt solle schnellstmöglich beendet werden: „Es ist seit einem Jahrzehnt eine Totgeburt. Und es würde wahrscheinlich noch um viele hundert Millionen Euro teurer werden, als bisher bekannt.“

Aus der Münchner CSU kommt der Ruf nach einem Runden Tisch. Der Landtagsabgeordnete Markus Blume gibt bereits Anregungen für Umplanungen: „Eine reine S-Bahnröhre ohne Regionalzugtauglichkeit und eine isolierte Flughafenanbindung ohne Fernverkehrsperspektive haben offenkundig weder aus Finanzierungssicht noch verkehrlich eine Zukunft.“

Von Mike Schier und Johannes Patzig

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