München - Streit um Werbung an der Michaelskirche: In einem Brandbrief an Erzbischof Reinhard Marx hat Rechtsanwalt Bernhard Fricke die derzeit am Baugerüst angebrachte Werbung für die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) als „Missbrauch eines Gotteshauses“ gebrandmarkt.

© Marcus Schlaf
Umstritten: Das Werbeplakat an der Michaelskirche in der Fußgängerzone.
Das „gotteslästerliche Kommerz-Werbeplakat“ solle umgehend abgenommen werden.
Dass das Werbe-Banner auf dem Gerüst der Michaelskirche und anderer Gebäude vielen Menschen nicht gefällt, weiß man auch im Erzbischöflichen Ordinariat, wo Frickes Brief am Freitag noch nicht bekannt war. Doch die Kirche könne hier nicht allein entscheiden, sagt Sprecher Bernhard Kellner: „Baulastträger ist der Freistaat, und der refinanziert durch Werbung einen Teil seiner Kosten.“
Zwar stimmen sich die Kirche und das zuständige Staatliche Bauamt München I bei der Auswahl der Werbung ab, und mehrfach wurden schon Werbe-Motive auf Betreiben der Kirche abgewiesen. Doch nicht immer sind sich Kirche und Staat im Detail einig. „Wir wären noch etwas zurückhaltender als der Staat es ist“, so Kellner. „Wir achten darauf, dass die Fassadenwerbung nicht im Widerspruch zu unseren Grundüberzeugungen steht.“
Dass Werbung an der Kirche besonderes Fingerspitzengefühl verlange, räumt auch Bachmann ein. „Wir haben eine Klausel im Vertrag, dass wir anstößige Motive zurückweisen können“, sagt er. „Wenn auf der SKL-Werbung eine barbusige Frau gewesen wäre, hätten wir das auch getan.“ Doch das Porträt einer jungen Frau und den Slogan „SKL. Spielen. Glück haben“ empfinde er nicht als anstößig. Zudem wolle er sich als Beamter nicht dem Vorwurf aussetzen, leichtfertig mit dem Geld der Steuerzahler umzugehen.
Dieses Argument lässt Fricke, Vorsitzender der Umweltschutz-Organisation David gegen Goliath, nicht gelten. „An einem derart exponierten Sakralbau im Zentrum Münchens für eine Lotterie mit bekanntermaßen hohem Suchtpotenzial“ zu werben, sei eine „beispiellose Schande für den Bischofssitz München“. Der Zweck dürfe die Mittel nicht heiligen.
Am Dom, immerhin, wird Fricke vor Werbung verschont bleiben. Das hat das Bauamt in Abstimmung mit dem Ordinariat so beschlossen.
Auch evangelische Kirchen sind zurückhaltend, wenn es um Werbung an Fassaden und Gerüsten geht. Zwar gebe es keine einheitlichen Regeln, sagt Michael Mädler, Sprecher der Landeskirche. Die Entscheidung liege bei den jeweiligen Kirchengemeinden. „Aber wir gehen davon aus, dass man nur auf solche Werbepartner zugeht, deren Produkte kompatibel sind mit unserer Kirche.“
Peter T. Schmidt
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