München - Rosige Aussichten für nachhaltige Nelken: Fair gehandelte Schnittblumen sind immer gefragter. In München setzen bereits 61 Blumenläden auf die neuen Siegel, die bessere Arbeits- und Umweltbedingungen in den Produktionsländern versprechen - damit man mit gutem Gewissen Blumen schenken kann.

Blumen, die ein gutes Gewissen machen: Florist Steffen Laible mit einem Strauß fair gehandelter und garantiert giftfreier Rosen. foto: marcus schlaf
Er hat es gleich gerochen, dass mit der Nelke aus Kenia etwas nicht stimmt. Blumenhändler Steffen Laible witterte das Gift, mit dem die Pflanze gespritzt worden war. Seine Hände begannen zu jucken. Da traf er eine Entscheidung: Ab sofort will der Münchner Florist nur noch fair gehandelte Blumen verkaufen, die ein bestimmtes Siegel tragen.
So wie Laible von der Blumenbinderei Bahlmann am Marienplatz geht es immer mehr Blumenhändlern in München. Der Markt für fair produzierte Blumen wächst wie der Sprössling einer Frühlingsblume: zunächst zaghaft, doch mit deutlicher Tendenz nach oben. Die Blumenbranche wird grün.
„Blumen kommen oft aus Ländern, in denen die Arbeits- und Umweltbedingungen deutlich schlechter sind als hier bei uns“, sagt Sima Arman vom Flower Label Programm (FLP). „Da werden zum Beispiel krebserregende Pestizide eingesetzt, die hier seit 20 Jahren verboten sind.“ Deshalb haben es sich einige Organisationen zum Ziel gesetzt, Schnittblumen mit Gütesiegeln zu zertifizieren.
Labels wie das FLP garantieren dem Verbraucher verbindliche Umwelt- und Sozialstandards. Derzeit haben FLP-Blumen deutschlandweit einen Marktanteil von drei bis vier Prozent. „Die generelle Nachfrage nach gelabelten Blumen in Deutschland steigt“, sagt Arman. Dazu gehören jedoch auch die Supermarktblumen mit dem Fairtrade-Logo, die nicht die gleichen Sozialstandards wahren müssen wie FLP-Pflanzen. „In München gibt es kaum noch Pflanzen aus Mittelamerika oder Kenia, die kein Fairtrade-Logo tragen“, sagt Großmarktleiter Herzog.
Anders als bei Nahrungsmitteln kommen die Themen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im Floristiksektor erst allmählich beim Verbraucher an. „Die meisten Leute wollen sich an dem problemfreien Produkt Blume erfreuen und nicht so viel über die Rahmenbedingungen der Produktion nachdenken“, sagt Frank Zeiler, Geschäftsführer des Verbands des Deutschen Groß- und Importhandels für Blumen (BGI). Wer am Muttertag Rosen schenkt, macht sich selten Gedanken über schlechte Arbeitsbedingungen in den kenianischen Gewächshäusern. Jetzt scheint - langsam aber stetig - ein Umdenken einzusetzen.
Dabei sind faire Blumen kaum teurer als konventionelle. Während eine Ecuador-Rose aus dem Premiumsegment normalerweise 1,60 Euro kostet, ist die FLP-zertifizierte Rose etwa 20 Cent teurer, rechnet Sima Arman vor.
Der Münchner Blumenhändler Steffen Laible bereut nicht, dass er auf FLP-Produkte umgestiegen ist. Im Gegenteil: Er profitiert von der wachsenden Nachfrage der Kunden nach fair gehandelten Waren. Fast täglich wollen Kunden wissen, wo und wie seine Blumen produziert werden. „Es ist mir wichtig, dass die Blumen gut duften und schön sind“, sagt der Florist, „aber ich will sie auch mit gutem Gewissen verkaufen können.“
Jessica Schober
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