München - Mitte August ist es soweit: Dann geht der Tunnelbau auf dem Mittleren Ring weiter – diesmal im Südwesten der Stadt, rund um den Luise-Kiesselbach-Platz. Die Geduld der Anwohner und Autofahrer ist gefragt, denn die Arbeiten ziehen sich bis Ende 2015 hin.

13 Jahre ist es mittlerweile her, dass sich die Münchner in einem Bürgerentscheid für den Bau von drei Ringtunneln ausgesprochen haben. Der erste, der Petueltunnel im Norden Münchens, wurde bereits 2002 eröffnet. Die nächste Autoröhre im Osten der Stadt unter der Richard-Strauss-Straße soll am 18. Juli dem Verkehr übergeben werden.
Den Autofahrern bleibt nur ein Monat Zeit, einen weitgehend baustellenfreien Mittleren Ring zu genießen. Denn schon Mitte August rücken die Bagger wieder an, um Teil drei des Bürgerentscheids von 1996 in Angriff zu nehmen. Mit 398,5 Millionen Euro ist der Tunnel im Südwesten der Stadt der teuerste der drei per Plebiszit beschlossenen Baumaßnahmen. Das Geld hierfür hat gestern der Bauausschuss des Stadtrats bewilligt.
Das Vorhaben ist nicht nur finanziell beachtlich, sondern auch in seinen Ausmaßen. Über 2,8 Kilometer erstreckt sich die Tieferlegung des Mittleren Rings zwischen der Garmischer Straße im nördlichen Abschnitt und der Heckenstallerstraße im Süden. Dazwischen liegt das Nadelöhr Luise-Kiesselbach-Platz, auf dem derzeit fast 120 000 Autos pro Tag unterwegs sind.
Die Frage, inwieweit Autofahrer sich dennoch Schleichwege durch nahe Wohngebiete suchen könnten, wird den Stadtrat im Juli beschäftigen. Dieses Ausweichen fürchtet die Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. Sie hat deshalb gefordert, die Stadt solle während der Bauzeit auf die Autofahrer einwirken, lieber auf U-Bahn oder Rad umzusteigen. Die Kosten für entsprechende Beratungen über fünf Jahre hat das Kreisverwaltungsreferat auf rund 6,8 Millionen Euro beziffert. Das Geld sei sicher gut angelegt, meint Nallinger. „Unser Ziel ist es, den Verkehr zu reduzieren.“ Auch die Verkehrsberatung für Münchner Neubürger habe gezeigt, dass sie eine sinnvolle Maßnahme sei.
Der Chef der Rathaus-CSU, Josef Schmid, sieht dies nicht ganz so. „Die Leute wissen am besten, wie sie vorankommen. Idealistische Appelle bringen nichts.“ Besser sei es, Geld in verkehrslenkende Maßnahmen zu stecken.
Dies hat die Stadt bereits auf einigen Abschnitten veranlasst. So sollen auf zwei Ausweichrouten für den Mittleren Ring – der Fürstenrieder Straße sowie der Passauer und der Hansastraße – die Ampelschaltungen so verändert werden, dass Autofahrer bei Staus nicht in benachbarte Wohngebiete steuern. „Nach menschlichem Ermessen dürfte ein Einsickern nicht stattfinden“, sagte Karl Thiem, Verkehrsplaner im Kreisverwaltungsreferat. Völlig sicher, dass dies so ist, ist aber auch er nicht. Thiem: „Der Autofahrer ist ein unergründliches Wesen.“
Von Matthias Kristlbauer
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