München - Ab Mittwoch ist München um eine Attraktion reicher. Eine Rundfahrt mit dem Londoner Doppeldecker-Bus führt Touristen wie Einheimische zu Brauereien und Biergärten. Wir sind schon mal mitgefahren.

Im Himmel wähnt sich auch so mancher Tourist, wenn er vor seiner Mass hockt. „Viele reisen ja nur wegen dem Gerstensaft an die Isar“, sagt Bernhard Obst. Der Reisejournalist mit der hellblauen Joppe und dem roten Halstücherl organisiert diese Rundfahrt, die Bier-Freunde mit dem Bus durch die Stadt kutschiert. „Das ist nicht die erste Biertour“, sagt er, es gebe Stadtführungen zu Fuß. „Aber das ist die erste, die auf die Theresienwiese führt und hinauf zum Nockherberg. Da finden Sie als Tourist nie hin.“
Der Bus tuckert vorbei am Löwenbräukeller. Früher, erklärt Rosmarie Iffelsberger, verbanden unterirdische Leitungen das Brauereigelände südlich und nördlich der Nymphenburger Straße. Als sie verlegt wurden, sagte Löwenbräu der Stadt allzu leichtfertig zu, für die Mehrkosten einer Tieferlegung des U-Bahnschachtes aufzukommen, sollte jemals eine U-Bahn hier entlang gebaut werden. „Das gab 80 Jahre später eine saftige Rechnung.“
Es ist nicht so, dass man nichts lernen könnte auf dieser Tour, selbst als Einheimischer. Über die Geschichte des Hofbräuhauses etwa, dessen Schwemme erst 1897 für die Touristen eröffnet wurde und das heute täglich 35 000 Gäste begrüßt. Oder über das Weißbier, das in München erst ab 1602 in eben jenem Hofbräuhaus gebraut wurde. Herzog Maximilian I. nutzte dabei ein Privileg: Er war der Einzige, der die Spezialität brauen durfte und zwang alle Wirte, sie ebenfalls anzubieten. So rettete er Bayern vor dem Bankrott - innerhalb von nur 20 Jahren.
Der Bus, Baujahr 1962, rattert den Nockherberg hoch. 35 Stundenkilometer kann er fahren, bergauf schafft er 15. „Die Tour hat auch etwas mit Gemütlichkeit zu tun“, sagt Veranstalter Obst. „Du könntest während der Fahrt Blümchen pflücken.“ Iffelsberger erklärt derweil, wie seinerzeit die Biergärten entstanden: Um den Gerstensaft möglichst lange in den Gewölben (sechs bis zehn Meter unter der Erde) zu kühlen, pflanzte man Kastanien an der Oberfläche des Isarhochufers an, Flachwurzler, die zusätzlich Schatten spenden sollten. Die Bürger freuten sich über die Atmosphäre, die Brauer, dass sie das Bier nicht weit transportieren mussten.
Weiter geht’s, letzter Halt: die Spaten-Brauerei an der Marsstraße. Deren Besichtigung ist ein fester Bestandteil der „Biertour“. Iffelsberger zeigt unterwegs noch einmal einen Film, es soll um die Geschichte des Bieres gehen, behandelt wird aber nur die Geschichte von Spaten, Franziskaner und Löwenbräu, die, wie wir lernen, 1997 fusioniert haben. Obst wird später sagen, der Eindruck täusche, man sei nicht abhängig von einer Brauerei. „Wir wollen allen gerecht werden.“ Und noch etwas gilt es klarzustellen, das übernimmt Obsts Tochter Eva, 24. Sie sagt: „Wir bieten keine Sauftour an. Die Leute sollen sich hier nicht zulöten und rumgrölen.“ Das ist wahr. Dafür ist die Tour viel zu interessant.
Die Bier-Tour
Ab 11. August, mittwochs bis samstags, Abfahrt: 9.30 (vier Stunden, 34 Euro inklusive Verköstigung in der Spaten-Brauerei) oder 14 Uhr (drei Stunden, 29 Euro, ohne Verköstigung). Anmeldung: www.biertour-muenchen.de oder Telefon 089/55 07 90 00.
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