München - Die Eisbach-Surfer haben die Öffentlichkeit lange gemieden - aus Angst, jemand könnte ihnen ihr Hobby wegnehmen. Umso faszinierender ist der Film „Keep Surfing“, der heute im Kino startet.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Walter Strasser ist ein zentraler Protagonist in Björn Richie Lobs großartigem Dokumentar-Film „Keep Surfing“. Denn ohne den gelernten Tankschutzmonteur gebe es die Eisbach-Welle an der Prinzregentenstraße gar nicht: Strasser hat die Holz-Planken eingebaut, die das Wasser zu einer stabilen Welle stauen. So ganz legal dürfte das nicht gewesen sein. Doch seither nennen die Eisbach-Sportler Walter Strasser nur noch den „Hausmeister“.
Jahre später ist das alles Makulatur. Die Sportler sind eine Attraktion. Die Eisbach-Welle steht in jedem Reiseführer, und wer eine Radl-Tour bucht, macht hier einen Zwischenstopp. „Wir haben praktisch mehr Zuschauer als der FC Bayern“, scherzt Regisseur Björn Richie Lob, „denn wir sind ja 24 Stunden dort.“
Als Deventer vor 35 Jahren anfing, wusste an der Isar noch niemand, was ein Surfbrett ist. Auch er nicht. „Wir sind Brettl gefahren“, sagt er - allerdings nicht am Eisbach, sondern eine Stufe oberhalb der heutigen Floßlände. „Brettl-Fahren ist wie Wasserski“, erklärt Deventer. Das Seil habe man damals an einer Brücke befestigt. Dass es auch ohne geht, entdeckten die Brettl-Fahrer erst, als das Seil mal durchhing - und sie trotzdem auf der Welle stehenblieben. Deventer hüpfte mit einer Luftmatratze in die Strömung, andere mit Bierbänken. „Ein Freund von mir hat dann das erste Surfbrett gebaut“, sagt der Blondschopf. „Es war 20 Zentimeter dick.“ Das Fluss-Surfen war geboren.
Das gilt selbst für die beschauliche Isar, die sich im Sommer 2005 in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. Mittendrin Regisseur Björn Richie Lob, die Eisbach-Surfer - und die Polizei. Lob sagt, er habe damals „um sein Leben paddeln müssen“. Er sagt aber auch: „Wir verstehen die Polizei, aber wir wollen trotzdem unseren Sport machen.“
Dieter Deventer denkt da einen Tick anders. Er trägt stets einen Helm auf dem Brett. „Ich bin so ein Schisser“, sagt er. „Deswegen lebe ich auch noch.“ Surfen ist zwar immer Gaudi, aber auch Gefahr. Fünf Jahre ist es her, da wäre seine Tochter Toni fast ertrunken. Sie war mit ihrem Schuh an einem Nagel unter Wasser hängengeblieben. „Ich wusste, ich habe nur eine Chance“, um sie zu retten, sagt Deventer. Er sprang ins Wasser und nutzte sie. Seinen Sport liebt er immer noch. Im Film wird seine Toni gefragt, wie oft ihr Vater denn surfe. Sie antwortet: „Am Tag?“
Thierry Backes
In der Asservatenkammer der Polizei soll es vor etwa 15 Jahren ausgesehen haben wie in einem Surfshop. Damals verfolgte man ein restriktive Politik, die Beamten sammelten die Bretter ein. Später war das Surfen auf der Eisbach-Welle ein Sport im Graubereich: geduldet, aber nicht erlaubt. Das hat sich im November 2009 geändert, als die Stadt dem Freistaat das Grundstück abgekauft hat. Seitdem ist das Wellenreiten „für Geübte erlaubt“. Die Stadt trägt nun die Verantwortung, wenn jemand zu Schaden kommt.
tba
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