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Von München nach Singapur – mit dem Radl

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Artikel: Von München nach Singapur – mit dem Radl

München - Viele würden ihn auf der Stelle für verrückt erklären: Maximilian Semsch, 25, ist von München nach Singapur geradelt – 13 500 Kilometer weit. Nun feiert seine seine Dokumentation "What A Trip" Premiere.

© Semsch

Unendliche Leere: Diese Filmszene zeigt Maximilian Semsch mit seinem Rad irgendwo in Kasachstan.

Semsch hat seine Eindrücke von der 211 Tage langen Reise mit einer Handkamera eingefangen und nun in den 80 Minuten langen Abenteuer-Film gepackt. Ein Gespräch über Angst, Einsamkeit und die Neugier kasachischer Polizisten.

Herr Semsch, wieso tut man sich so eine Reise an?

(lacht) Ja, das frage ich mich heute auch. Ich glaube, ich habe eine neue Herausforderung nach meiner dreijährigen Weltreise gesucht. Die Idee ist mir gekommen, als ich damals eine traumhafte, 15 Kilometer lange Abfahrt in Laos hinuntergeradelt bin. „Mensch“, habe ich mir gedacht, „was wären das doch für tolle Bilder.“

Die haben Sie nun aus zehn Ländern mitgebracht. Ursprünglich sollten es allerdings elf sein. Was hat nicht geklappt?

© SemschRussische Gastfreundschaft: „Nach einem Abend mit viel Wodka habe ich in diesem Strohzelt übernachtet.“

Ich durfte während der Olympischen Spiele nicht nach China einreisen. Meine Visa für Russland und Kasachstan hatte ich ja schon in Deutschland organisiert – was meine Reise erschwert hat, weil ich nur an einem bestimmten Tag in die Staaten einreisen durfte. Das ist insofern blöd, als ich die 2500 Kilometer durch Russland in genau 30 Tagen abfahren musste. Für China habe ich aber kein Visum gekriegt, so dass ich aus Kasachstan die 4000 Kilometer nach Thailand fliegen musste. Das war sehr frustrierend und ich habe überlegt, ob ich die Reise abbrechen soll.

War es eine gute Entscheidung, dann doch weiterzufahren?

Auf jeden Fall: Die Reise war eine unbezahlbare Erfahrung für mich. Wir sind es heute ja nicht mehr gewohnt, uns mit uns selbst zu beschäftigen, ohne Fernsehen, Handy oder sonst eine Form von Kommunikation zu leben.

Hatten Sie Heimweh?

Ja, zwischendrin schon, gerade in Kasachstan. Das ist so ein weites, unbesiedeltes Land, dass man schon mal 130 Kilometer weit fahren muss, um von einem Haus zum nächsten zu kommen – und das mitten durch die Wüste und bei 40 Grad im Schatten. Da nimmt man dann besser 20 Liter Wasser mit, um die 14 Stunden in der Sonne zu überstehen.

Hat man in der Situation Angst um sein Leben?

Nein, aber man denkt darüber nach, ob man auf den nächsten Bus aufspringt. Ich bin im Übrigen nirgendwo ausgeraubt worden oder sowas. Richtig Angst hatte ich nur auf einem 700 bis 800 Kilometer langen Teilstück des Highway M 5 zwischen Samara und Ufa in Russland. Das ist eine einspurige Hauptstraße, auf der die Lkw maximal 15 bis 20 Zentimeter an dir vorbeirasen. Irgendwann bin ich querfeldein weitergefahren.

Russland und Kasachstan sind touristisch kaum erschlossen. Kommt man da mit den Menschen überhaupt ins Gespräch?

© Semsch„Man steht sofort im Mittelpunkt“: In Kasachstan wurde Semsch immer wieder von Polizisten „kontrolliert“.

Die Sprache ist ein Riesenproblem in der ehemaligen Sowjetunion. Die sprechen kein Englisch, eher noch ein paar Brocken Deutsch aus ihrer Schulzeit. Und mein Russisch ist auch sehr beschränkt. Aber irgendwie geht es schon. Die Menschen dort sind sehr neugierig und wollten wissen, woher ich komme, wohin ich gehe – und ob ich wirklich den ganzen Weg mit dem Rad gefahren bin. Wenn man in so einem Dorf ankommt, steht man sofort im Mittelpunkt. Da muss man aufpassen, dass man nicht schon mittags in einen Wodkarausch verfällt. Das Essen geht nicht selten aufs Haus. In Kasachstan bin ich immer wieder von der Polizei aufgehalten und kontrolliert worden. Aber auch die wollten sich nur mit mir unterhalten. Einer von ihnen hat mir stolz seine Marke gezeigt – und Fotos seiner Kinder.

Für den Film haben Sie sich oft selbst aufnehmen müssen. Wie muss man sich das vorstellen?

Es ist wirklich anstrengend, ohne Kameramann zu arbeiten. Das heißt nämlich: Absteigen, die Kamera auf ein Stativ stellen, zurück radeln und an der Kamera vorbeiradeln.

Und wie steht’s mit der Hygiene auf so einer Reise?

(lacht) Das längste Stück ohne Dusche waren 17 Tage. Dazwischen bin ich vielleicht mal mit meiner Seife in einen Fluss oder einen See gehupft. Man wird in diesen Dingen recht genügsam mit der Zeit.

Interview: Thierry Backes

Der Dokumentarfilm „What a Trip“ läuft am Donnerstag, 22.30 Uhr, im Atelier Kino, Sonnenstraße 12. Infos unter Tel. 089/12 19 10 57 oder www.what-a-trip.de.

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