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Münchens neue Party-Meile

München - Zentrale Lage, perfekte Verkehrsanbindung, kaum Anwohner: Die Sonnenstraße entwickelt sich zu einem Mekka für Clubs und Diskotheken – und ist der letzte Beweis dafür, dass es die Nachtschwärmer von der Peripherie zunehmend in die Innenstadt zieht.

Von Johannes Löhr

Wenn die in ganz Europa bekannte Disko „Registratur“ Ende des Jahres nicht an die Sonnenstraße umzieht, dann nur deshalb, weil ihrem Chef David Walker da zu viel los ist. „Wir liegen lieber etwas abseits. Die Sonnenstraße boomt uns fast schon zu sehr“, sagt der 44-jährige Betreiber, dessen Mietvertrag an der Blumenstraße ausläuft. Genau dieser Boom gefällt seinem Kollegen David Süß vom nicht weniger angesagten „Harry Klein“: Ab November wird der Club von den außerhalb gelegenen Optimolwerken an die Sonnenstraße ziehen. „Es gibt einen grundsätzlichen Wandel“, sagt Süß. „Party-Gelände wie Optimolwerke und Kultfabrik gelten als uncool. Die Münchner wollen wieder in der Innenstadt weggehen.“

© BodmerDas „Cord“ ist einer der Pioniere an der Partymeile und steht für gemütliches, von außen einsehbares Ambiente.

Eine mit Tram, U- und S-Bahn perfekt angebundene Party-Meile in der Stadtmitte: Nach einem Dornröschenschlaf von fast 20 Jahren ist die nahezu ausschließlich von Büros und Geschäften gesäumte Sonnenstraße erwacht. Jetzt schließt sich hier die Lücke zwischen den Diskos am Maximiliansplatz und am Sendlinger Tor sowie dem Nachtschwärmer-Quartier am Gärtnerplatz. Mittlerweile findet man hier sechs größere Clubs, die jeden Geschmack bedienen: Neben „Milchbar“, „Cord“ (das ab November auch sein Café wiedereröffnet), „59:1“, „New York“ und „Isarpost“ ab November auch das „Harry Klein“ (s. Kasten).

Die „Milchbar“ ist bereits Anfang 2008 an die Sonnenstraße 12 gezogen. Laut Chef Jakob Faltenbacher ging der Trend aber schon etwa im Jahr 2003 los. Als Triebfeder habe die Aufhebung der Sperrstunde gewirkt. „Damals hatte OB Ude ausdrücklich gewünscht, dass die Innenstadt lebendiger wird“, sagt er. „Und das Schöne ist: Ärger mit Anwohnern gibt’s hier praktisch nicht.“ Das bestätigt Frank Bergmeyer vom Club „59:1“ an der Sonnenstraße 27. Er betreibt auch die Currywurst-Mensa „Bergwolf“ an der Fraunhoferstraße und den Club „Netzer & Overath“ an der Corneliusstraße. „Beim ,Netzer‘ ist es brutal“, gibt Bergmeyer zu. Da könne der Lärmschutz noch so gut sein – seine Gäste vermengten sich im Sommer mit den Besuchern des Stadtstrandes an der Corneliusstraße, was andauernd zu Anwohnerbeschwerden führe. An der Sonnenstraße dagegen, „da kann man auch mal die Tür offenlassen“.

Im Kreisverwaltungsreferat sieht man das nicht anders: Lärmbeschwerden habe es noch nicht gegeben. „An der Sonnenstraße entwickelt sich das Nachtleben“, sagt der zuständige Beamte Peter Lueg. Die Gegend sei hochverdichtet. „Da gehören solche Clubs hin. Die Zeit der Großdisko an den Rändern scheint ein bisschen vorbei zu sein.“

Wolfgang Nöth, Chef der Optimolwerke, kann ein Lied davon singen. Das Party-Areal hinter dem Ostbahnhof hat in den letzten Jahren sowohl die „Milchbar“ als auch das „Harry Klein“ verloren. Der Club „Keller“ hat Anfang August geschlossen. Nöth gibt zu: „Diese großen Flächen haben immer das Problem, dass im Lauf der Zeit der Ruf nicht mehr so gut ist.“ Immerhin hat man ihm den Pachtvertrag um weitere „zwei bis drei Jahre“ verlängert. Jetzt müsse man das Gelände „vom Inhalt her aufpäppeln“. Nöth setzt mit der 1000 Besucher fassenden „Theaterfabrik“ auf Konzerte und Kabarett: „Wir brauchen nicht mehr so viele Clubs.“

Die Sonnenstraße dagegen schon, sagt David Süß: „So hast Du das Gefühl, in einer Stadt zu leben.“ Diese Einschätzung teil er mit Thorsten Vogel von der Lokalbaukommission: „Da ist eine Aufwertung zu verzeichnen – wir stehen dem positiv gegenüber.“ Auch „Milchbar“-Chef Faltenbacher sieht an der Sonnenstraße „noch Potenzial. Es ist aber ein Vedrängungs-Markt, die Zielgruppe ist begrenzt.“

Aber es ist ja auch noch Platz da. Sollte die Sonnenstraße zu voll werden, gibt es Ausweichmöglichkeiten: Am Sendlinger Tor hat unlängst die „Flash Box“ eröffnet, im Elisenhof die „Elli Disco“ (benannt nach dem „Monaco Franze“-Ausspruch „Oiwei des G’schiss mit der Elli“). Und David Walker betreibt in der alten Kongresshalle auf der Theresienhöhe „Registratur-Parties“. „Wir schauen wir uns für die ,Regi‘ anderswo um“, sagt Walker. „Die Sonnenstraße muss es nicht sein. Hauptsache zentral.“

Die Cubs der Sonnenstraße

-„59:1“ – Live-Club, mehrheitlich Indie-Rock. Sonnenstraße 27. www.59to1.net

-„Cord“ – Hauptsächlich mit Indie-Rock beschallt. Es gibt aber auch Tanzabende und Konzerte. Sonnenstraße 18. Das Café (Wiedereröffnung im November) auf der anderen Straßenseite: Sonnenstraße 19 (Innenhof). www.cord.tv

-„Harry Klein“ – Noch im Bau. Tempel für elektronische Tanzmusik. Sonnenstraße 8. www.harrykleinclub.de

-„Isarpost“ – Eher „Event-Location“ als Club im historischen Backsteingebäude von 1856 (später „Frauengebäranstalt“). Mit integrierter Café-Bar. Sonnenstraße 24-26. www.isar-post.de

-„Milchbar“ (eigentlich „MilchundBar“). Institution für alles von 80er-Hits bis House. Sonnenstraße 12. www.milchundbar.de

-„NY.Club“ – Dance-Sounds aller Art, schillerndes Publikum. Sonnenstraße 25. www.nyclub.de.

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