112.04.10|München|München|21
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München - Der langjährige Tierpark-Chef und Tierarzt Prof. Henning Wiesner hält nichts von Nashörnern in der Manege. Ein Gespräch über Fluchtreaktionen und Wildtiere im Zirkus.

Würden Sie auf der inzwischen zwei Tonnen schweren Rapti auch einen Ausritt wagen?
Nein, das geht auf gar keinen Fall. Das kann man nicht machen. Nashörner haben die Hirnmasse seit dem Tertiär nicht verändert. Das sind furchtsame Tiere, die leicht erschrecken, wenn irgendwas verändert ist und sie sich nicht mehr auskennen. Bevor ich mich auf Rapti draufgesetzt habe, musste ich auch immer meine Tierpfleger fragen: Wie ist Madam heute drauf?
Wie reagieren Nashörner auf fremde Menschen?
Wenn ein Tier darauf trainiert ist, dann kann man sicher viel mit ihm machen. Aber wenn es dann in Panik gerät – und die Ursache kann eine Bagatelle sein, ein Blitzlicht zum Beispiel – dann geht es halt durch. Das kennt man ja schon beim Pferd. Es kann dem besten Reiter passieren. Und wenn Tiere einmal flüchten, dann flüchten sie und sind nicht zu bremsen.
Das Krone-Nashorn „Tsavo“ hat ein mächtiges Doppel-Horn. Wird es dadurch besonders gefährlich?
Das hat eigentlich nichts zu sagen. Wenn das Nashorn Gas gibt und rennt, dann fliegen links und rechts einfach die Fetzen. Ob das Horn abgeschliffen ist oder nicht, ist dann völlig wurscht.
Was halten Sie davon, ein Nashorn in der Zirkusmanege auftreten zu lassen, nur durch eine kleine Brüstung von den Zuschauern getrennt?
Ich würde es nicht befürworten. Ganz klar: nein!
Kann man große Wildtiere in einem Zirkus überhaupt artgerecht halten?
Das ist sehr, sehr schwer zu sagen. Früher hat man ja auch Giraffen und Flusspferde gezeigt. Da ist schon eine Grenze erreicht, was die Mobilität und die Belastung des Tieres angeht. Da ist immer ein Stressfaktor dabei. Ich bin kein Freund davon.
Das Interview führte Peter T. Schmidt
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