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Ein neuer Tunnel am Ostbahnhof

München - Am Ostbahnhof stehen große Veränderungen bevor: Die Stadt will einen neuen Fußgängertunnel unter den Gleisen errichten.

Es ist eines der größten und schwierigsten Projekte, über dem Münchens Stadtplaner zurzeit brüten: Eine Art zweites Haidhausen soll auf dem Areal am Ostbahnhof entstehen, wo heute noch die Partyzonen Kultfabrik und Optimolwerke liegen. Das neue Stadtviertel „Rund um den Ostbahnhof (Rost)“ wird nach Schätzung der Stadt rund 1700 Einwohner haben und bis zu 10 000 Arbeitsplätze bieten.

Nun will die Stadt dafür sorgen, dass das neue Viertel im Osten auch Anschluss ans Stadtzentrum erhält – das liegt westlich davon auf der anderen Seite der Bahngleise. Die Planer wollen daher einen Fußgängertunnel schaffen, der das Problem löst und den künftigen Bewohnern von „Rost“ zugleich einen bequemen Zugang zum Bahnhof bietet.

Bislang gibt es nur einen Fußgängertunnel direkt unter dem Ostbahnhof – zwischen der Friedenstraße im Osten, und dem Orleansplatz im Westen der Gleise. Ein zweiter führt zwar von der Westseite in den Untergrund – endet aber auf halber Strecke, wäre also für die Bewohner von „Rost“ unbrauchbar. Die Stadt ist überzeugt: Das reicht nicht aus. Sie plant nun, den halben Tunnel bis zur Friedenstraße zu verlängern, so dass eine zweite durchgängige Verbindung entsteht. Das sei schon deshalb notwendig, weil Schüler vom neuen Wohngebiet aus nach Haidhausen zur Schule gehen sollen – und den Tunnel als Schulweg brauchen.

Dabei setzt die Stadt allerdings auf eine Spar-Variante: Sie plant nicht etwa eine große Bahnhofshalle im Untergrund, wie zeitweise angedacht. Stattdessen will sie vorerst den bestehenden, fünf Meter schmalen Tunnelabschnitt erhalten. Er soll mit einem neuen, zehn Meter breiten Tunnelstück ergänzt werden. Auch diese Variante dürfte bis zu zwölf Millionen Euro kosten.

Das sorgt für Kritik von Lokalpolitikern: Der Schulweg durch den vorgeschlagenen Tunnel sei nicht akzeptabel, teilt der Bezirksausschuss Au-Haidhausen mit. Eine derartige Unterführung müsse sicher und gestalterisch ansprechend geplant werden. Auch der Stadtrat wollte den Tunnel vergangene Woche noch nicht absegnen. Die Linke forderte, die Unterführung solle barrierefrei gestaltet werden. Die Entscheidung wurde vertagt. Die Stadtverwaltung stellte jedoch klar: Viel mehr als der vorgeschlagene Tunnel ist finanziell nicht drin – zumal sich die Bahn bislang nicht an den Kosten beteiligen wolle.

Die Bahn bestätigt das, betont aber: Sie tue etwas für den Ostbahnhof. Denn im Frühjahr startet sie dort ein Großprojekt: Für 13 Millionen Euro wird der Bahnhof barrierefrei ausgebaut. Die drei Bahnsteige D, E und F, die bisher noch nicht barrierefrei sind, werden erhöht und erhalten neue Aufzüge sowie ein Blinden-Leitsystem und neue Beschallungs- und Beleuchtungsanlagen. Zudem werden Bahnsteigdächer erneuert. Die Bauarbeiten werden sich bis ins Jahr 2017 hinziehen. Über Behinderungen für die Fahrgäste will die Bahn jeweils aktuell informieren.

Eile ist allerdings auch nicht geboten – blickt man auf die Fortschritte des neuen Viertels. Obwohl die Stadt seit vielen Jahren an „Rost“ tüftelt, hat noch nicht einmal das offizielle Bebauungsplanverfahren begonnen. Man verhandle noch mit Grundstückseigentümern, heißt es. Und so kann es sein, dass der Betrieb in der „Kultfabrik“ noch eine Weile weitergeht: Die Partyzone hat eine Genehmigung bis Ende dieses Jahres – würde aber gern verlängern.

Johannes Patzig

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