München - Heftige Kritik an der Fastenpredigt, geteilte Meinungen über das neue Singspiel – selten hat das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg so viel Ärger ausgelöst wie 2010.

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Kräftig eing’schenkt hat Michael Lerchenberg als Bruder Barnabas der Polit-Prominenz – zu kräftig, wie viele meinen.
Als Bruder Barnabas alias Michael Lerchenberg auf dem Nockherberg in die Kanzel stieg und wortgewaltig auf die versammelte Polit-Prominenz eindrosch, saß Kabarettist Helmut Schleich hinter den Kulissen und staunte. In die Vorbereitung seines Singspiel-Auftritts als untoter Franz Josef Strauß vertieft, hörte er nicht im Detail, was Lerchenberg den Politikern an den Kopf warf. Nur eines registrierte er: „Mir ist aufgefallen, dass es im Vergleich zu den Vorjahren erstaunlich still war im Saal.“ Vielen der Gäste hatte es wohl die Sprache verschlagen.
Am Tag danach haben sie sie wiedergefunden. Polizei und Zentralrat der Juden machen ihrer Empörung Luft, und auch in der CSU ist der Unmut groß. Ex-Parteichef Erwin Huber, der nicht eingeladen war, greift Lerchenberg frontal an. „Bodenlos, unbayerisch und mit großem Mangel an Humor“ sei dessen Auftritt gewesen, „ein gewaltiger Bruch der Tradition“. Der Fastenprediger sei „mit der politischen Agitation des Scharfrichters“ vorgegangen: „Das schadet dem Ansehen Bayerns insgesamt.“ Auch Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber sagt, Lerchenberg sei vielleicht „ein bisschen zu hart“ gewesen. „Der Beifall war jedenfalls nicht so spritzig.“
Josef Schmid, CSU-Fraktionschef im Münchner Rathaus, sieht das anders: „Eine zornige Bußpredigt“ habe Lerchenberg gehalten. „Die Formulierungen waren schon sehr hart. Da ist es klar, dass es weite Passagen gibt, wo man gar nicht lachen kann.“ Doch Schmid glaubt, „dass man diesen neuen Stil beibehalten kann, weil das Singspiel ja einen schönen Gegenpol setzt.“
Schmid selbst kam in der Predigt gut weg: Wie bereits im vergangenen Jahr ließ Lerchenberg ihn aufstehen, um OB Ude zu zeigen: „Der ist immer noch da“. Schmid hat nichts dagegen, auf diese Weise zum „running gag“ auf dem Nockherberg zu werden. „Entscheidend ist, dass es nicht auch nach 2014 so weitergeht.“ Dann wird Udes Amtszeit enden, und der CSU-Herausforderer will ihn beerben.
Nach Ansicht des Münchenr Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer lag Lerchenberg vor allem daneben. „Voraussetzung für jede Kritik ist eine Tatsachengrundlage, die wahr ist“, sagt er. Daran fehle es bei dem, was Lerchenberg über die Polizei gesagt habe, „in allen wesentlichen Punkten“.
Das Singspiel, heuer erstmals nicht als Theaterstück, sondern als TV-geeignetes Politiker-Casting gestaltet, fand ein geteiltes Echo. Josef Schmid hat sich „köstlich amüsiert“, Paulaner-Chef Andreas Steinfatt lobt die Premiere des neuen Regisseurs Alfons Biedermann über den Schellenkönig. Schleich, für seine überragende Strauß-Darstellung bejubelt, sieht dagegen Defizite. Mit der Konzentration auf die Bundespolitik habe man „die Chance verschenkt, Figuren, die im Saal anwesend sind, auf der Bühne zu karikieren.“ Gewünscht hätte er sich auch, „dass man die Figuren mehr interagieren lässt“, statt nur Solo-Nummern aneinanderzureihen. „Da hat man etwas brach liegenlassen.“
Das Publikum im Saal empfand Schleich als „erstaunlich dankbar und überhaupt nicht geschmäcklerisch“. Natürlich wüssten die Polit-Profis: „Wenn sie lachen, kommen sie auch sympathisch rüber.“
Das Interesse des TV-Publikums war enorm. Bundesweit 2,7 Millionen Zuschauer haben die Life-Übertragung vom Nockherberg im Fernsehen verfolgt, davon 1,8 Millionen in Bayern. König Fußball lockte zur gleichen Zeit mit dem Länderspiel gegen Argentinien nur 1,14 Millionen Bayern an die Bildschirme.
Peter T. Schmidt, Caroline Wörmann und Christian Deutschländer
Wiederholung der Ausstrahlung am Freitag um 19.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen.
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