Mit einem Pfeifkonzert haben rund 2500 Beschäftigte des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks am Mittwoch ihrem Unmut gegen die geplante Schließung des Standorts München Luft gemacht. Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat forderten Siemens auf, Verantwortung zu übernehmen.

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Massenprotest trotz klirrender Kälte: Etwa 2500 Mitarbeiter machten am Mittwoch ihrem Unmut über die geplante Schließung der Münchner Niederlassung von Nokia Siemens Networks Luft.
Tiefe Enttäuschung. Offene Wut. Galgenhumor. Irgendwo zwischen diesen Polen bewegt sich die Stimmung der Beschäftigten von Nokia Siemens Networks (NSN) am Tag eins nach der Hiobsbotschaft. Trotz klirrender Kälte versammeln sich am Mittwoch rund 2500 Menschen vor dem Sitz des deutsch-finnischen Unternehmens an der Giesinger St.-Martin-Straße. Eine Stunde lang harren sie mit Trillerpfeifen bewaffnet unter dem Rundbau der Zentrale aus – und lassen ihren Frust über den geplanten Jobabbau hinaufschallen in den achten Stock. Dort sitzt die Geschäftsführung.
„Was wir heute hier erleben müssen, das ist ein Alptraum“, ruft Michael Leppek von der Gewerkschaft IG Metall in die Menge. Wütend attackiert er auch Siemens-Chef Peter Löscher. In der Sprache des Top-Managers sei das Gemeinschaftsunternehmen NSN vielleicht nur eine „nicht fortgeführte Aktivität“. „Aber diese nicht fortgeführte Aktivität wird Sie verfolgen: Auf Ihren Tennisplatz, in Ihr Restaurant, auf den Wittelsbacherplatz.“
Wie berichtet sollen 30 der bundesweit 35 Standorte von NSN bis zum Jahresende geschlossen werden. München ist mit 3600 Beschäftigten mit Abstand am härtesten getroffen. Für die Misere macht der Münchner Betriebsratsvorsitzende Horst Schön die Unternehmensführung verantwortlich: „Wenn jemand gehen muss, dann ist es unser Management“, ruft er in die Menge. Auch Schön sieht den Siemens-Konzern in der Pflicht. Das Unternehmen hatte 2007 das einst so wichtige Telekommunikationsgeschäft in ein Joint Venture mit Nokia ausgelagert. Nun müsse es Verantwortung für die Mitarbeiter übernehmen, anstatt sie „auf die Straße zu werfen und zu entsorgen“.
„Siemens – bitte melde dich!“ steht auf dem Transparent, das der Ingenieur Dieter Hammerla gebastelt hat. Aufgeben kommt für den 52-Jährigen nicht infrage (siehe oben). Nachdem Siemens am Dienstag angekündigt hatte, den betroffenen NSN-Mitarbeitern „bevorzugten Zugriff“ auf offene Stellen im Konzern einzuräumen, versucht Hammerla es nun auf seine Weise.
Und die Menge macht Lu-Ping Shen bei allem Entsetzen glücklich. „Dass so viele Menschen bereit sind zu kämpfen, ist toll“, sagt die Chinesin, die seit zehn Jahren bei NSN in München arbeitet. „Die Deutschen sind ja normalerweise nicht leicht zu mobilisieren.“
Das Pfeifkonzert wird lauter. „Wir fordern eine Zukunft für uns Beschäftigte“, donnert Betriebsratschef Schön, bevor Pfarrer Ulrich Bensch von der katholischen Arbeitnehmerbewegung München das Wort ergreift. „Wir wehren uns gegen den Kahlschlag“, sagt er. Hinter den Zahlen seien Gesichter, Menschen, Existenzen verborgen. „Es steht die Frage nach den Werten des Unternehmens Siemens im Raum.“
Eine Frage, die auch Clemens Suerbaum beschäftigt. 18 Jahre lang hat der zweifache Familienvater erst für Siemens und dann für NSN gearbeitet. Viel war da zu hören vom Engagement der Unternehmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Jetzt weiß ich, was von solchen Werten zu halten ist“, sagt der 47-Jährige.
Sie wollen kämpfen um ihre Arbeitsplätze, auch in Berlin, Bruchsal und Düsseldorf, wo am Mittwoch ebenfalls protestiert wurde. In München kündigt IG-Metall-Mann Leppek erbitterten Widerstand an. „Das hier heute ist erst der Auftakt“, sagt er. „Wir werden weiterkämpfen – wenn es sein muss, auch bei Siemens auf dem Wittelsbacherplatz.“
Caroline Wörmann
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