207.10.09|München|München|
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Artikel: Oberbürgermeister gesucht: Wird Julian Nida-Rümelin Udes Nachfolger?
München - Auf der Suche nach einem Nachfolger von OB Christian Ude geistert ein Name durch die SPD: Julian Nida-Rümelin.

Ein Gelehrter mit Lust auf Politik: Julian Nida-Rümelin gilt als möglicher Nachfolger von OB Christian Ude. Er selbst sagt: „Ich schließe es nicht aus.“ Foto: dpa
Zunächst will der frühere Kulturstaatsminister in den Vorstand der Bundes-SPD. Schielt der 54-Jährige auch auf den Chefposten im Münchner Rathaus?Das Jahr 2014 gilt als ein Markstein für die Münchner SPD. Spätestens dann wird die Ära Ude nach 21 Jahren im Münchner Rathaus zu Ende gehen. Altershalber. Noch einmal zur OB-Wahl antreten darf der Bürger-King mit dann 66 Jahren nicht mehr. Stattdessen will er Bücher schreiben und vermutlich ein bisschen öfter in seinem Urlaubsdomizil auf Mykonos weilen.
Weniger geklärt als Udes spätere Ruhestandsaktivitäten ist die Frage, wer ab 2014 seine Arbeit im Rathaus machen soll – beziehungsweise wen die SPD für befähigt hält, dass er diese bewältigen könnte.
Bisher tummelten sich drei mögliche Aspiranten im Kandidaten-Becken: Bürgermeisterin Christine Strobl und der Chef der Rathaus-SPD, Alexander Reissl. Aber auch Hans-Ulrich Pfaffmann kokettierte gerne damit, dass er als Münchner SPD-Chef schon auf den Posten zugreifen könnte, wenn er denn wollte.
Mittlerweile aber geistert noch ein weiterer Name durchs Rathaus: der von Julian Nida-Rümelin. Der 54-jährige Philosophieprofessor ist kein Unbekannter in der SPD. Von 1998 bis 2000 war er Kulturreferent der Stadt München. Dann machte ihn der damalige Bundeskanzler Schröder zum Kulturstaatsminister. Von 2001 bis 2002 hatte Nida-Rümelin den Posten bekleidet – um sich dann in die zweite Reihe der SPD zurückzuziehen.
Doch jetzt soll der mit der französisch-deutschen Schriftstellerin Nathalie Weidenfeld verheiratete Nida-Rümelin wieder nach vorne aufrücken. Die bayerischen Genossen wollen ihn in den künftigen Vorstand der Bundes-SPD entsenden. Nida-Rümelin soll dort den Posten des scheidenden Landtagsfraktionschefs Franz Maget übernehmen. „Es ist doch klar, dass die SPD programmatisch klarere Linien für die Zukunft braucht“, sagt Nida-Rümelin. Daran wolle er mitarbeiten. Wie er das auch bisher gemacht habe – etwa beim „Hamburger Programm“ der Sozialdemokraten.
In der SPD werden dem 54-Jährigen sogar Chancen auf mehr eingeräumt: den Posten des Oberbürgermeisters. „Er hat sicher seine Vorzüge und ist ein heller Kopf“, sagt Münchens SPD-Vorsitzender Pfaffmann. Entschieden sei aber noch gar nichts. Die SPD wolle die Diskussion über die OB-Nachfolge erst „in der nächsten Zeit“ angehen.
Nida-Rümelin räumt unterdessen ein, dass ihn OB Ude im vergangenen Jahr schon einmal gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, sein Nachfolger zu werden. „Damals habe ich gesagt: Das kommt nicht in Frage.“ Mittlerweile klingt seine Position diplomatischer: „Ich schließe es nicht aus, es ist aber auch nicht mein Ziel.“ Auch sagt er: „Ich sehe es im Augenblick nicht, dass es auf mich zuläuft.“ Es gebe ja die Bürgermeisterin und den Parteivorsitzenden. Sein Posten im Bundesvorstand habe jedenfalls mit der OB-Frage nichts zu tun, beteuert Nida-Rümelin. Was ihm Parteifreunde durchaus abnehmen. „Profilieren kann man sich da eigentlich nicht“, sagt einer.
Nida-Rümelin galt bisher als Seiteneinsteiger in die Politik. Ganz richtig ist das wohl nicht. Schon als 19-Jähriger ist er in die SPD eingetreten. Sogar Chef der Münchner Jusos war er schon und Mitglied im Unterbezirksvorstand der hiesigen SPD. Genug Stallgeruch dürfte der Professor mit Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität also besitzen.
Ob er auch das richtige Alter hat, ist fraglich. Nida-Rümelin könnte nur eine Amtsperiode ausfüllen, sofern er 2014 die OB-Wahl auch gewinnt. Wenn nach regulärem Turnus 2020 wieder gewählt wird, wäre Nida-Rümelin schon 65 Jahre alt – und damit zu alt für eine weitere Kandidatur. Eine langfristige Lösung für die SPD wäre er also nicht. Aber, so ein Parteifreund: „Beim aktuellen Angebot die beste.“
Von Matthias Kristlbauer
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