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Tierschutz

Offensive gegen Wildtiere im Zirkus

München - Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen den Circus Krone verurteilen immer mehr Stadträte die Haltung von Wildtieren im Zirkus.

Wildtiere

© Schlaf

Mit Wildtieren gastieren viele Zirkusse in München. Stadträte wollen das verbieten.

Ein buntes Bündnis aus Politikern von CSU, Grünen und FDP will Zirkusbetrieben verbieten, auf städtischem Grund Löwen, Giraffen oder Elefanten zu zeigen.

Sie sind eine Hauptattraktion im klassischen Zirkus: Tiger, die durch Reifen springen, Elefanten im Kopfstand oder Flusspferde, die spektakulär ihr Maul aufreißen. Doch in München gerät diese Form der Unterhaltung immer mehr in Misskredit. Auslöser dafür waren alarmierende Berichte über den Circus Krone – das ARD-Magazin Report Mainz meldete fragwürdige Methoden der Tierhaltung auf einer Tournee (wir berichteten).

Nun wollen viele Stadtpolitiker das Tier-Amusement nicht länger dulden. „Es ist unmöglich, wilde Tiere im Zirkus artgerecht zu halten“, sagt Evelyne Menges, Vizechefin der Münchner Tierrettung – und CSU-Stadträtin. Diese Form der Belustigung gehöre nicht in die moderne Zeit. „Deshalb wollen wir auf Flächen der Stadt Zirkusbetrieben verbieten, Wildtiere zu zeigen.“ In Österreich gelte ein solches Verbot bereits landesweit.

Bemerkenswert: Im zuständigen Kreisverwaltungsausschuss zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für das Verbot ab – CSU, Grüne, FDP, Bayernpartei und Linke kündigten an, dafür zu stimmen. Und vielleicht ist es ja ein Zeichen, dass drei der Protagonisten Florian Vogel (Grüne), Nadja Hirsch (FDP) und Thomas Hummel (BP) heißen.

Vogel hatte als erster die Initiative ergriffen und ein Verbot von Tieren wie Raubkatzen, Elefanten oder Giraffen für Zirkusbetriebe in München angeregt. Dem erteilte die Stadt eine Absage: Ein solches Gesetz könne nur der Bund beschließen. Deshalb wagen Vogel und Verbündete nun einen neuen Vorstoß: Die Stadt soll Zirkussen nur auf ihren eigenen Flächen die Wildtierhaltung untersagen. Das, so glaubt die Juristin Menges, sei rechtlich möglich. Am 23. Juni soll der Ausschuss abstimmen.

Ein solches Verbot würde zwar den Circus Krone selbst, der in München meist auf eigenem Privatgrund auftritt, kaum betreffen. Doch viele andere Zirkus-Spielorte wären dann für Tierdarbietungen tabu. Etwa die Freifläche in Riem, auf der 2008 der „Circus Barelli“ gastierte, oder die Theresienwiese, wo oft Zirkusgastspiele stattfinden. Auch Krone eröffnete dort etwa 2006 eine Tournee. Insgesamt verfügt die Stadt über zehn bis zwölf Areale, die jeweils rund zweimal jährlich an Zirkusse vermietet werden.

Ob das Verbot eingeführt werden kann, ist indes noch unklar. Dazu müsste auch die Vollversammlung des Stadtrats zustimmen. Und zumindest die SPD wird sich wohl dagegen stellen. „Aus meiner Sicht gehören Tiere zu einem Zirkus dazu“, sagte Fraktionschef Alexander Reissl. Das geplante Verbot würde Krone nicht tangieren, kleine Zirkusse aber ruinieren.

Krone selbst nennt den Vorstoß „ärgerlich“. Es gebe doch bereits klare Vorschriften für die Tierhaltung im Zirkus, so ein Sprecher. „Wir halten uns daran.“ Zudem sei ein Verbot rechtlich nicht tragbar. Das zeige der Fall Chemnitz. Der Stadtrat dort hatte ein ähnliches Verbot beschlossen. Ein Zirkus klagte – und bekam Recht. Anderer Meinung ist man bei der Tierschutzorganisation PETA. Die Stadt Schwerin habe 2004 ein Wildtier-Verbot erfolgreich eingeführt, hieß es dort. Peta startete gerade eine aufwändige Kampagne: Promis wie Lisa Fitz oder Udo Lindenberg bitten die Bundesregierung, Wildtiere im Zirkus zu untersagen.

Doch selbst wenn die Münchner Initiative scheitern sollte: „Uns geht es um ein Signal“, sagt Menges. „An den Bund, an andere Kommunen – und an den Circus Krone.“

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