207.10.09|München|München|6
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München - Dem Olympiasee steht ein Großputz von historischem Ausmaß bevor. Von Freitag an wird der See vollständig abgelassen und gereinigt – erstmals seit 1986. Ein gewaltiges Unterfangen: Unter anderem müssen bis zu fünf Tonnen Fische umgesiedelt werden.

© Schlaf
Noch genießt dieser Schwan die Herbst-Idylle am Olympiasee. Bald wird er vorübergehend umziehen müssen: Das Wasser wird abgelassen .
Höchste Zeit für eine gründliche Reinigung. Zum ersten Mal seit 23 Jahren wird deshalb das Wasser des Sees komplett abgelassen – rund 125 Millionen Liter. Die Gesamtkosten der Großputz-Aktion: 600 000 Euro. Die Experten gehen in Etappen vor. Ab morgen wird das Wasser zunächst von dem oberen Teil des Sees in den unteren abfließen, das dauert mehrere Tage. Am 19. Oktober beginnt die Entwässerung des unteren Teils. Das Wasser fließt in den Nymphenburg-Biedersteiner Kanal. „Wir gehen behutsam vor – es wird keine Überschwemmung geben“, betont Amberger.
Doch das ist längst nicht alles, worauf die Experten achten müssen. Denn in dem See hat sich im Lauf der Jahrzehnte eine illustre Schar an Bewohnern zusammengefunden: Brachsen, Karpfen, Hechte, Zander, Barsche – aber auch Molche, und sogar Rotwangenschildkröten. „Wir rechnen mit drei bis fünf Tonnen Fischen“, sagt Peter Wißmath, Fischereidirektor beim Bezirk Oberbayern. Er sorgt dafür, dass der Großputz auch tiergerecht verläuft.
Als erstes werden nächste Woche jene Fische mit Käschern eingefangen, die noch in Pfützen des oberen Olympiasees verblieben sind. Die meisten ihrer Artgenossen müssten aber bis dahin in den unteren Seeabschnitt geflutscht sein. Dort steht für Samstag, 24. Oktober, das große Abfischen an. „Das wird eine Gaudi“, sagt Wißmath. 70 Fischer werden laut Parkleitung die Tiere bergen. Sie packen sie in große Wassertanks auf Lastwagen und schicken sie auf eine Reise zu verschiedenen bayerischen Gewässern. „Dort finden sie eine neue Heimat“, sagt Wißmath. Für Reptilien habe man ein Auffangbecken eingerichtet. Sie werden später vermutlich der Münchner Reptilienauffangstation übergeben. Um Enten, Gänse und Schwäne müsse man sich keine Sorgen machen. Die seien flexibel – und Jungtiere gebe es zurzeit nicht. „Sie suchen sich ein anderes Gewässer in der Nähe – und kommen sicher wieder zurück“, sagt Amberger.
Nach dem Abfischen beginnt das Reinemachen. Unter dem Schlamm im See befindet sich ein Grund aus Asphalt – der ist befahrbar. Mit Radladern wird der Schlamm zusammengeschoben, dann auf Sattelschlepper geladen und in Deponien verfrachtet. Fünf Wochen wird das dauern. Besucher müssen mit Baustellenverkehr am Willi-Gebhardt-Ufer rechnen – und damit, dass es am See etwas streng riecht. Danach wird innerhalb einer Woche das Wasser wieder eingelassen. Anfang Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Und im Frühjahr soll das Leben im See wieder aufblühen. Dann setzen die Experten neue Fische ein.
Von Johannes Patzig
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