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Wettbewerbswidrige Beihilfen?

EU prüft Bau der Allianz Arena

München - Die Allianz Arena ist zum Fall für die EU-Kommission geworden. Diese will prüfen, ob Stadt und Bund beim Bau des Fußballstadions der Betreibergesellschaft – und damit den Vereinen – wettbewerbswidrige Beihilfen gewährt haben.

Allianz Arena

© dpa

Am 30. Mai 2005 wurde die Allianz Arena eröffnet. Genutzt wird sie seitdem im Grunde nur von privater Hand zu kommerziellen Zwecken.

Es war im Mai vergangenen Jahres, der FC Bayern war gerade Deutscher Fußballmeister geworden, als sich dessen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim Empfang im Rathaus zur verbalen Blutgrätsche genötigt sah. Sein Opfer sollte OB Christian Ude (SPD) sein – nicht nur, weil der mit Abwesenheit glänzte. Auch lamentierte Rummenigge, dass jener Ude den FC Bayern „genötigt“ habe, ein teures Parkhaus neben der Allianz Arena zu bauen. Wenige Tage später konterte Ude, es komme gar nicht in Frage, dass die Stadt den Bayern das Parkhaus abkaufe. Denn: Das europäische Beihilferecht verbiete es der öffentlichen Hand, Privatunternehmen Kosten abzunehmen.

Tradition und Moderne: Münchens Stadien

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  • Die Welt- und Sportstadt München kann gleich mit mehreren Stadien aufwarten: Von traditionsreichen Kampfbahnen bis hin zur modernen Arena.
  • Das traditionsreichste ist wohl das Grünwalder Stadion auf Giesings Höhen. Hier gewann der TSV 1860 im Jahr 1966 seine einzige deutsche Meisterschaft.
  • Im Volksgargon hat es viele Namen: 60er Stadion, Hermann-Gerland-Kampfbahn, Grünwalder - aber der offizielle Name lautet "Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße".
  • Nostalgie pur: Die Haupttribüne.
  • Blick von der Haupttribüne auf die von den Fans geliebte Gegentribüne, die "Stehhalle".
  • Bis 1995 spielte der TSV 1860 in seiner Heimat. Zur Saison 2004/2005 kehrten die Löwen nochmals für ein Jahr zurück. Bis zu 21 272 Zuschauer konnten die Blauen hier anfeuern.
  • Aktuell spielen hier nur noch die zweiten Mannschaften, sowie einige Jugenteams des FC Bayern und des TSV 1860. Die Kapazität beträgt aus Sicherheitsgründen heute nur noch 10 240 Plätze.
  • Szene des Spiels 1860 gegen Fürth in besagter Rückkehr-Saison.
  • Traditionsreiche Tram mit Fan auf dem Weg zum traditionsreichen Stadion in Giesing.
  • Besten Blick auf das Geschehen auf dem Platz haben die Anwohner an der Grünwalder Straße.
  • Als München 1966 den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972 erhielt, musste ein neues Stadion her.
  • Das Olympiastadion und der Olympiapark wurden auch dem Oberwiesenfeld im Norden Münchens errichtet. Es ist weltberühmt für seine Zeltdachkonstruktion, die sich auch über die Halle und die Schwimmhalle erstreckt.
  • Anfangs bot das Stadion Platz für 80 000 Zuschauer. Die Kapazität wurde aus Sicherheitsgründen kontinuierlich nach unten geschraubt. Auch die Umwandlung von Steh- in Sitzplatzbereiche sorgte dafür, das heute "nur" noch 69 000 Zuschauer das Olympiastadion füllen können.
  • Während der TSV 1860 im geliebten Grünwalder Stadion blieb und nur vereinzelt seine Spiele in der neuen Arena austrug, zog der FC Bayern komplett in den Olympiapark. Die Löwen zogen erst 1995 nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga nach.
  • Die Bayern-Fans in der Südkurve des Olympiastadions.
  • Im Norden war die Heimat der Löwen-Fans. Hier ist Benny Lauth auf dem Weg in die Kurve.
  • Als die Fußball-WM 2006 nach Deutschland vergeben wurde, war klar: München braucht ein neues Stadion. Zuerst sollte das Olympiastadion umgebaut werden, doch dieser Plan wurde gestoppt. Dieser hätte eine Überdachung der Gegengerade, den Wegfall der Laufbahn und den Einbau eines zweiten Ranges vorgesehen.
  • Stattdessen wurde per Bürgerentscheid der Bau eines neuen Stadions im Münchner Norden beschlossen. Innerhalb von nur drei Jahren (2002-2005) wurde das Stadion errrichtet.
  • Der Versicherungskonzern Allianz sicherte sich die Namensrechte an der neuen-Fußball-Arena.
  • Die Welt- und Sportstadt München kann gleich mit mehreren Stadien aufwarten: Von traditionsreichen Kampfbahnen bis hin zur modernen Arena. Sehen Sie hier die Stadirn Münchens.
  • Aufnahme vom Beleuchtungstest während der Bauphase.
  • Diverse Farbkombinationen sind möglich. Für jeden sollte hier etwas dabei sein.
  • Die Löwen spielten nach dem Absteig 2004 nur noch fünfmal im Olympiapark, der FC Bayern verabschiedete sich im Mai 2005 mit dem letzten Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg.
  • 33 Jahre feierte der FC Bayern seine Titel unter dem Zeltdach, nun ging es ins Schlauchbott nach Fröttmaning.
  • Das Olympiastadion ist seither Schauplatz von Open Air Konzerten (hier Robbie Williams), Messen und vielen anderen Großveranstaltungen.
  • Die Welt- und Sportstadt München kann gleich mit mehreren Stadien aufwarten: Von traditionsreichen Kampfbahnen bis hin zur modernen Arena. Sehen Sie hier die Stadirn Münchens.
  • Seither feiern hier die Bayern ihre Siege und Titel...
  • .. während die Löwen hier noch immer zweite Liga spielen und (bislang) vergeblich um den Wiederaufstieg kämpfen.
  • 69 901 Plätze hat die Arena. Zu internationalen Spielen stehen durch die Umwandlung der Steh- in Sitzplätze 66 000 Plätze zu Verfügung.
  • Allerdings sind die Fans des TSV 1860 gegen die Arena. Der Grund: Heimweh nach Giesing ins Grünwalder, dazu die horrenden Mietbeträge, die 1860 seit dem Verkauf der Stadion-Anteile an den FC Bayern zu zahlen hat.
  • Die Welt- und Sportstadt München kann gleich mit mehreren Stadien aufwarten: Von traditionsreichen Kampfbahnen bis hin zur modernen Arena. Sehen Sie hier die Stadirn Münchens.
  • Das Dante, wie es oft nur genannt wird, verfügte früher über 32 000 Plätze, wovon heute noch 12 000 erhalten sind.
  • Eine Besonderheit des Stadions ist die trapezförmige und daher einmalige Tribüne, in der sich auch eine Turnhalle und Waschräume befinden. Außerdem existieren eine 400-m-Tartanbahn und eine elektronische Anzeigetafel.
  • Das Dantestadion ist Heimat des American Football-Teams der Munich Cowboys. Außerdem trugen hier der FC Wacker München (1963-72), die Frauenmannschaft des FC Bayern sowie der Türk SV 1975 München, der unter seinen früheren Namen SV Türk Gücü München in der Fußball-Bayernliga spielte, hier seine Heimspiele aus (jeweils bis 2006).
  • Die Welt- und Sportstadt München kann gleich mit mehreren Stadien aufwarten: Von traditionsreichen Kampfbahnen bis hin zur modernen Arena. Sehen Sie hier die Stadirn Münchens.
  • Die baufällige Haupttribüne und der marode Richtertum mit Anzeigetafel von 1972 wurden abgerissen. Heute finden hier vor allem Open-Air-Konzerte und Flohmärkte statt. Highlight war das Konzert der US-Rockband Linkin Park im Juni 2008, als 25 000 Zuschauer nach Riem kamen.
  • Vor den Toren Münchens gibt es nur ein größeres Stadion, das Profi-Sport beherbergt: den Generali Sportpark in Unterhaching. Die SpVgg trägt dort ihre Spiele aus. Bis zu 15.053 Fans fasst das Stadion, das bis 2003 noch Stadion am Sportpark hieß.

vor

Doch womöglich ist der Verstoß gegen diese EU-Vorgaben längst geschehen. Das zumindest vermutet der Landtagsabgeordnete Martin Runge. Der Grünen-Politiker hat deshalb bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde „wegen wettbewerbswidriger Beihilfen“ eingelegt. Die sollen der Stadion GmbH zugute gekommen sein, die nun allein der FC Bayern München AG gehört. Bis 2006 war auch der TSV 1860 München beteiligt.

Die Vorwürfe Runges stellen sich so dar: Um den Bau der Allianz Arena zu ermöglichen, hatte die Stadt das Grundstück im Fröttmaninger Gewerbegebiet in ein Sondernutzungsgebiet umgewidmet. Sein ursprünglicher Wert von rund 84 Millionen Euro soll damit nach Aussagen des früheren Kämmerers Klaus Jungfer um 70 Millionen gesunken sein. Durch einen „ausgesprochen niedrigen Erbbauzins“ habe die Stadt weitere finanzielle Einbußen bewusst in Kauf genommen, betonte Runges Rechtsanwalt Markus Rainer. Darüber hinaus habe die Stadt mit Bund und Freistaat mehr als 100 Millionen Euro für den Ausbau der U-Bahn, der Autobahnanschlüsse oder für den Bau von Brücken und Rettungswegen zur Verfügung gestellt, die „ausschließlich dem Stadion und dessen privaten Betreibern zugute kamen“. Somit liege eine faktische Beihilfe der öffentlichen Hand vor, erklärte Rainer. „Wenn die Kommission das durchgehen lässt, macht es irgendwann jeder. Dann hat man keinen Wettbewerb mehr.“

Schon vor ein paar Jahren hatte Runge einen Vorstoß bei der EU-Kommission gewagt, war aber gescheitert. Diesmal hat die Behörde die Beschwerde des Grünen-Politikers angenommen und ihr das Aktenzeichen CP 62/2009 gegeben. Die Bundesregierung wurde bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert. Bei der Stadt München hieß es, der Sachverhalt sei noch nicht bekannt.

Konkreter Anlass für die Beschwerde bei der EU-Kommission seien die Vorwürfe Rummenigges gegen Ude im Mai 2008 wegen der Parkgarage gewesen, sagte Runge. „Jetzt wollen wir testen, welche finanzielle Unterstützung tatsächlich noch zulässig ist.“

Sollte Runge, der die Beschwerde zusammen mit einigen Bürgern aus München und Umgebung betreibt, Recht bekommen, müsste die Stadt das Geld vom FC Bayern zurückfordern. Lehnt die Stadt dies ab, könnte die EU-Kommission gegen die Bundesrepublik ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten.

Dass die Münchner 2001 per Bürgerentscheid dem Bau des Stadions zugestimmt hatten, gibt der Angelegenheit eine zusätzliche Würze. Ausdrücklich hatte die Stadt danach gefragt, ob sie Grundstücke für die Arena bereitstellen und sich an Infrastrukturmaßnahmen beteiligen solle. Runges Anwalt Markus Rainer glaubt indes, dass dieser Umstand keine Rolle spielt. „Die Stadt“, so Rainer, „hätte den Bürgerentscheid ja auch rechtskonform umsetzen können.“

Matthias Kristlbauer

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