312.03.10|München|München|4
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München - Ein Münchner Anwalt stand bei seinen Dirnen mit 7500 Euro in der Kreide. Die Betreiberin des Bordells dachte sich einen perfiden Plan aus, wie sie ihr Geld zurückbekommt.

© dpa
Der säumige Zahler Alfons E. (Name geändert) ist von einer Bordellwirtin buchstäblich bloßgestellt worden. „Wanted – gesucht wird“ war ein Flugblatt überschrieben, das den 48-Jährigen auf einer Ledercouch zeigte, den Bademantel bis zur Taille hochgeschoben und darunter nackte Tatsachen... Die Flyer wurden hundertfach in seiner Umgebung verteilt, besonders peinlich: der Mann ist Rechtsanwalt. Er zeigte die Puff-Chefin wegen Nötigung an, vor dem Amtsgericht wurde die pikante Affäre jetzt beigelegt.
Der Anwalt sucht sein Vergnügen gern bei käuflichen Damen, im Bordell der Angeklagten war er seit zehn Jahren regelmäßiger Besucher. Einem so treuen Stammgast wurde der Liebeslohn schon mal gestundet. Doch als sich die Außenstände auf einige tausend Euro summierten, wurde Marie S. (Name geändert) ungeduldig. Sie schickte dem Schuldner eine Zahlungsaufforderung per Fax mit der Drohung, notfalls eine Flugblattaktion zu starten.
Seine Reaktion: Er wechselte das Etablissement, ihre Konsequenz: Sie ließ tatsächlich Flyer verteilen, die unter anderem die Kanzlei des Anwalts zierten und auch im Briefkasten der Frau Mama landeten. Der Aufdruck hatte es in sich: „Er ist ein Zechpreller und bringt von ihm engagierte Prostituierte um ihren versprochenen Lohn. Vorsicht, er ist ein Lügner!!!!!!! Wer ihn sieht, bitte anrufen unter… Kleine Belohnung versprochen.“ Dazu ein Passfoto des Mannes und die Abbildung seines edlen Teilchens.
Die Urheberin der Aktion war dank ihrer Fax-Ankündigung schnell ausfindig gemacht. Frau Wirtin bekam einen Strafbefehl über 3600 Euro und ließ von Anwalt Steffen Ufer Einspruch einlegen.
Im Prozess bemühte sich die Richterin um eine gütliche Einigung, die zunächst an den Vorstellungen des Alfons E. über eine angemessene Geldbuße zu scheitern drohte. 50.000 Euro, zahlbar an ihn als Entschädigung seiner seelischen Qualen, seien fällig. Marie S.: „So hoch war doch in den letzten Jahren nicht mal Ihr Umsatz, vom Gewinn zu schweigen!“ Die Wirtin war nur bereit, auf den noch ausstehenden Sexlohn von 7500 Euro zu verzichten. So wurde es zu Protokoll genommen, Alfons E. ist seine Schulden los, die Streitparteien sind befriedigt. Im Bordell werden sie sich aber wohl nicht mehr wiedersehen.
Sarah List
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