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Bei Raab: Münchens Stimme für Oslo

München - Es gibt Menschen, die sehen sich den Eurovision Song Contest längst nicht mehr an. Es könnte einen Grund geben, seine Meinung zu ändern: Die 23-jährige Münchnerin Sharyhan Osman.

Nur auf der Bühne glücklich: Sharyhan Osman will hoch hinaus – am liebsten zum Song Contest. Foto: Klaus haag

Nur auf der Bühne glücklich: Sharyhan Osman will hoch hinaus – am liebsten zum Song Contest. Foto: Klaus haag

Nur einmal zweifelte sie. Das war, als alles, woran sie geglaubt hatte, plötzlich wegbrach: Zwei Jahre arbeitete Sharyhan Osman hart an einem Album. Umsonst – es wurde nie veröffentlicht. „Da habe ich überlegt, einen anderen Weg zu gehen“, sagt die 23-Jährige, die ungern über diese dunkle Phase ihres Lebens spricht.

Heute, rund ein Jahr später, ist alles anders. Die Musikerin hat sich bei der Vorauswahl zur TV-Casting-Show „Unser Star für Oslo“ gegen 5000 Konkurrenten durchgesetzt – und singt am morgigen Dienstag erneut vor der Jury um Stefan Raab. Nur noch neun Mitbewerber müsste sie ausstechen, dann könnte die Münchnerin Deutschland beim Eurovision Song Contest in Oslo Ende Mai vertreten.

Sharyhan sitzt im Schwabinger Café „Barer 61“, nippt an einem Almdudler und erzählt. Von ihrer Aufnahmeprüfung an der Liverpooler Paul McCartney-Akademie, wo sie im nächsten Jahr ein Gesangsstudium beginnt. Und von dem Glück, das sie empfand, als sie erfuhr, bei Stefan Raabs Casting-Show dabei zu sein. Nach der Enttäuschung wegen des Albums betrachtet Sharyhan beides als Wink des Schicksals: „Ich habe gesehen, dass das mein Weg ist. Dass ich nichts anderes machen kann, weil ich nur glücklich werde, wenn ich auf der Bühne stehe.“

Dabei weiß Sharyhan, dass die Bühnenbretter zwar die Welt, aber nicht unbedingt Brot bedeuten: Die Tochter eines Ägypters stammt mütterlicherseits aus einer Künstlerfamilie. Schon ihr Großvater war Kammersänger am Gärtnerplatztheater – sie kennt die Unwägbarkeiten des Berufs.

Abschrecken lässt sie sich davon aber nicht – Sharyhan ist zäh: Sie war elf Jahre alt, da zog sie mit ihren Eltern nach Ägypten. Dort versuchte die Familie, eine Existenz aufzubauen, kehrte aber nach Deutschland zurück. Sharyhan denkt nicht gern an diese Zeit: „Es war einfach schwer, mit einer Familie im Ausland Fuß zu fassen“, sagt sie. Außerdem hat Shary, wie ihre Freunde sie nennen, vier Geschwister: „Da lernt man sich zurückzunehmen. Zu verzichten, ohne das als Verzicht zu empfinden.“

Sharyhan, die in einer Wohngemeinschaft in Neuhausen wohnt, arbeitet zielstrebig an ihrer Karriere als Künstlerin. Sie trinkt nicht, raucht nicht und meidet Partys, um ihre Stimme zu schonen. Wenn sie nicht damit beschäftigt ist, Lieder zu schreiben, geht sie kellnern, um ihre Ausbildung an der Schauspielschule zu finanzieren. Eines Tages, so hofft sie, wird sie Schauspiel und Gesang miteinander verbinden können. Denn auf die Schauspielerei will die junge Frau nicht verzichten: „Ich bin süchtig danach, Grenzen zu überschreiten, die mich von der Figur trennen, die ich verkörpere.“

Dass ihre Teilnahme an Stefan Raabs TV-Casting-Show ihrem Ruf als ernstzunehmende Künstlerin abträglich sein könnte, darüber dachte sie zwar nach, beschloss dann aber, diesen Weg zu versuchen. Denn Kunst und Kommerz widersprechen sich ihrer Meinung nach nicht: „Ich glaube nicht, dass Erfolg gleichbedeutend damit ist, sich verbiegen zu lassen. Ich muss ja Geld verdienen, um zu leben.“

Ob sie am Dienstag mit einem selbstgeschriebenen Lied vor die Jury treten oder einen Song interpretieren wird, weiß Sharyhan noch nicht. Sicher aber ist, dass ihre Mutter vor dem Fernseher die Daumen drücken wird. Schließlich hatte die selbst eine klassische Gesangsausbildung genossen und ihre Tochter unterrichtet. Im Gegensatz zu Sharyhan zweifelte sie nie am Erfolg ihrer Tochter – nicht einmal.

TV-Tipp: „Unser Star für Oslo“ ist am Dienstag, 20.15 Uhr, auf Pro7 zu sehen.

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