München - Ist er ein Clown, ein Kasperl oder doch eine sinnvolle Idee? Der „Radlsicherheitsjoker“ ist in die Schusslinie von FDP und CSU im Rathaus geraten. Sie werfen Rot-Grün Geldverschwendung vor.

© Klaus Haag
Ermahnen darf der Joker, mehr aber nicht.
Zehn Radl-Joker mit Narrenkappe und Trillerpfeife sollen künftig auf Münchens Straßen herumturnen und die Radfahrer zu sicherem Fahren ermuntern. Die Idee des Radl-Jokers ist Teil einer Marketingkampagne, mit der die Stadt den Anteil des Radverkehrs steigern will – und die bis 2013 rund vier Millionen Euro kosten soll.
Zweifel an der Kampagne hatte die Rathaus-Opposition schon immer. Nach dem Startschuss am Samstag aber gibt es mit dem Joker jetzt auch eine Figur, die für FDP und CSU den Unsinn der Aktion verkörpert. „Für diesen Schmarrn muss wirklich kein Steuergeld ausgegeben werden“, ätzt FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Er fordert einen „sofortigen Stopp des Radl-Clowns“, eine Haushaltssperre für die Kampagne von 30 Prozent. Weil es der FDP pressiert, soll die Geschichte gleich am Mittwoch im Stadtrat debattiert werden.
Das aber will Hep Monatz-eder (Grüne) nicht. „Die Leute sind unglaublich verstimmt über die Polizeikontrollen“, sagt der Bürgermeister – und erfährt dabei Unterstützung von SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. „Die Polizei sollte doch froh sein, wenn das Thema einmal auf ironische und pfiffige Art bearbeitet wird“, sagt der.
Klar, man wisse noch nicht, wie der Joker wirke, räumt Monatzeder ein. Die Kosten machten aber nur „einen Bruchteil“ des jährlichen Kampagnenetats von knapp einer Million Euro aus. FDP-Fraktionschef Mattar will das nicht gelten lassen. „Wenn die grünen Stadtratskollegen die Idee der Radl-Clowns weiter so toll finden, können sie diese Rolle gerne ehrenamtlich übernehmen.“ Auch sein CSU-Kollege Josef Schmid poltert: „Die gesamte Kampagne ist zum Fenster hinausgeworfenes Geld. Der Fahrrad-Kasperl ist aber der Gipfel.“ Jeder Erwachsene wisse, dass Radfahren gesund sei. Eine Werbekampagne sei deshalb überflüssig.
„Das Argument ist doch hirnrissig“, kontert Monatzeder. Dann bräuchte man auch für U-Bahn, Bus und Tram keine Werbung zu machen. Auch von deren Existenz wisse schon jeder Erwachsene.
Matthias Kristlbauer
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