München - Sechs Jahre hat Jürgen Füssl das „Namenlos“ in Schwabing geführt. Jetzt hat er aufgegeben und seine Kneipe dicht gemacht: Wegen des Rauchverbots hatte er ständig Ärger mit den Nachbarn. Die ganze Geschichte:

© Klaus Haag
Gibt auf: Wirt Jürgen Füssl will die Raucher nicht vor die Tür schicken, weil Streit mit den Nachbarn droht.
Sechs Jahre führte der gelernte Koch und Hotelbetriebswirt die Kneipe, die am Wochenende auch schon mal bis fünf Uhr morgens geöffnet hatte. Das einräumige Lokal hat weniger als 75 Quadratmeter und zählte damit zu jenen Gaststätten, in denen gequalmt werden durfte - nach dem Nichtraucherschutzgesetz, das die Regierung im August vergangenen Jahres wegen der Schlappe für die CSU bei der Landtagswahl wieder entschärft hatte. Jetzt müssten Füssls Gäste zum Rauchen auf die Straße. Wieder einmal. Denn als die bayerische Regierung Anfang 2008 zunächst den bundesweit schärfsten Nichtraucherschutz durchsetzte, war das Schlupfloch Raucher-Club noch nicht bekannt - und Füssl schickte seine Raucher vor die Tür: „Was glauben Sie, was da los war! Den Ärger mit den Nachbarn tu’ ich mir ned nochmal an!“
Doch nicht nur der Zoff mit den Anwohnern, auch der Kampf gegen das Rauchverbot hat den Gelegenheitsraucher müde gemacht: „Bis nach Passau bin ich gfahren und hab’ Kneipen plakatiert, damit die Raucher wählen gehen. Und damit der Langzodade (gemeint ist Sebastian Frankenberger, Passauer ÖDP-Politiker und Initiator des Volksbegehrens, Anm. d. Red.) sieht, dass ich mir das nicht gefallen lass!“ Schließlich machte Füssl 50 000 Euro Schulden, um das marode Lokal zu renovieren - Theke, Spiegelwände, Küche hat er vor sechs Jahren neu einbauen lassen. Bis zum Freitag muss alles wieder ausgebaut sein, die Kneipe soll eine Wohnung oder ein Laden werden.
Die meisten Einrichtungsgegenstände nimmt Füssl mit in das oberpfälzische Altenstadt an der Waldnaab, wo er herstammt - „wär’ ja schad’ drum.“ Verkaufen lohne sich nicht. Auch den einzigen Festangestellten seiner sieben Mitarbeiter nimmt er mit. Er plant nämlich, in seiner Heimat ein Restaurant zu eröffnen - im Industriegebiet, wo es keine Nachbarn gibt, die sich über Raucher vor der Tür beschweren könnten. Und die Mieten daheim seien auch viel billiger.
Der Wirt des Mariandl-Stüberls, einer ehemaligen Raucherkneipe gleich ums Eck an der Clemensstraße bedauert das: „Ich habe Respekt vor dem Füssl. Außer ihm hat sich da keiner länger als zwei Jahre gehalten“ - Harvey’s, Bar Mitzwa und Serals Cosmos hießen die Kneipen, die in den sechs Jahren vor Füssl an der Fallmerayerstraße waren. Und wie geht es mit dem Mariandl-Stüberl weiter? Der Wirt winkt ab und spült Weizengläser.
Bettina Stuhlweissenburg
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.