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Rauchverbot: Die erste Kneipe in München macht dicht

Rauchverbot: Die erste Kneipe in München macht dicht

München - Sechs Jahre hat Jürgen Füssl das „Namenlos“ in Schwabing geführt. Jetzt hat er aufgegeben und seine Kneipe dicht gemacht: Wegen des Rauchverbots hatte er ständig Ärger mit den Nachbarn. Die ganze Geschichte:

© Klaus Haag

Gibt auf: Wirt Jürgen Füssl will die Raucher nicht vor die Tür schicken, weil Streit mit den Nachbarn droht.

Stinksauer ist der Jürgen Füssl: „Jetzt ham’ sie’s gschafft, die militanten Nichtraucher! Da läuft das G’schäft endlich und dann muss ich’s wieder zusperrn!“, schimpft der 34-jährige Wirt und wischt mit einem Schwamm die Theke ab, dass das Wasser in alle Richtungen spritzt. Füssl hat seine Kneipe „Namenlos“ an der Schwabinger Fallmerayerstraße zum 1. August dicht gemacht. Wegen des Rauchverbots, wie er sagt. Und wegen der Nachbarn, die sich über den Lärm beschweren, den die Gäste machen, die zum Rauchen vor die Tür gehen.

Sechs Jahre führte der gelernte Koch und Hotelbetriebswirt die Kneipe, die am Wochenende auch schon mal bis fünf Uhr morgens geöffnet hatte. Das einräumige Lokal hat weniger als 75 Quadratmeter und zählte damit zu jenen Gaststätten, in denen gequalmt werden durfte - nach dem Nichtraucherschutzgesetz, das die Regierung im August vergangenen Jahres wegen der Schlappe für die CSU bei der Landtagswahl wieder entschärft hatte. Jetzt müssten Füssls Gäste zum Rauchen auf die Straße. Wieder einmal. Denn als die bayerische Regierung Anfang 2008 zunächst den bundesweit schärfsten Nichtraucherschutz durchsetzte, war das Schlupfloch Raucher-Club noch nicht bekannt - und Füssl schickte seine Raucher vor die Tür: „Was glauben Sie, was da los war! Den Ärger mit den Nachbarn tu’ ich mir ned nochmal an!“

Drei Ordner mit Klagedrohungen hat er in der Küche stehen. Daneben steht ein sogenannter Schnitzelmaster, der das Fleisch durchdreht. Den habe er sich zugelegt, weil den Nachbarn sogar das Fleischklopfen zu laut gewesen sei. „Im Lokal hab’ ich wegen dem Rauchverbot kein Hausrecht mehr, aber draußen soll ich Polizist spielen und mich mit meiner Kundschaft anlegen!“, sagt Füssl, der findet, die Behörden machten es sich zu einfach, die Verantwortung für den Lärm vor dem Lokal dem Wirt aufzuerlegen: „In anderen Ländern ist der Wirt nicht dafür verantwortlich, was vor dem Lokal passiert“, meint Füssl, der auch schon in britischen und französischen Hotels gearbeitet hat.

Doch nicht nur der Zoff mit den Anwohnern, auch der Kampf gegen das Rauchverbot hat den Gelegenheitsraucher müde gemacht: „Bis nach Passau bin ich gfahren und hab’ Kneipen plakatiert, damit die Raucher wählen gehen. Und damit der Langzodade (gemeint ist Sebastian Frankenberger, Passauer ÖDP-Politiker und Initiator des Volksbegehrens, Anm. d. Red.) sieht, dass ich mir das nicht gefallen lass!“ Schließlich machte Füssl 50 000 Euro Schulden, um das marode Lokal zu renovieren - Theke, Spiegelwände, Küche hat er vor sechs Jahren neu einbauen lassen. Bis zum Freitag muss alles wieder ausgebaut sein, die Kneipe soll eine Wohnung oder ein Laden werden.

Die meisten Einrichtungsgegenstände nimmt Füssl mit in das oberpfälzische Altenstadt an der Waldnaab, wo er herstammt - „wär’ ja schad’ drum.“ Verkaufen lohne sich nicht. Auch den einzigen Festangestellten seiner sieben Mitarbeiter nimmt er mit. Er plant nämlich, in seiner Heimat ein Restaurant zu eröffnen - im Industriegebiet, wo es keine Nachbarn gibt, die sich über Raucher vor der Tür beschweren könnten. Und die Mieten daheim seien auch viel billiger.

Der Wirt des Mariandl-Stüberls, einer ehemaligen Raucherkneipe gleich ums Eck an der Clemensstraße bedauert das: „Ich habe Respekt vor dem Füssl. Außer ihm hat sich da keiner länger als zwei Jahre gehalten“ - Harvey’s, Bar Mitzwa und Serals Cosmos hießen die Kneipen, die in den sechs Jahren vor Füssl an der Fallmerayerstraße waren. Und wie geht es mit dem Mariandl-Stüberl weiter? Der Wirt winkt ab und spült Weizengläser.

Bettina Stuhlweissenburg

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