München - Der Richard-Strauss-Tunnel ist fast fertig – aber eben nur fast. Das ist die Botschaft des Baureferats, nachdem die CSU behauptet hat, die Röhre sei bereits befahrbar. Es stehen noch abschließende Arbeiten an – und sogar eine Party eine Woche vor der Eröffnung am 18. Juli.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was bereits funktioniert im Richard-Strauss-Tunnel. Der Asphalt und die jungfräulich weißen Fahrbahnmarkierungen liegen da, als warteten sie bereits auf die Autos. Aber Johann Wittmann steht etwas ratlos in dem Notruf-Kabuff in der südlichen Tunnelwand. Er blickt sich zu den gespannten Journalisten um, zuckt mit den Schultern und meint: „Probieren wir’s halt.“ Dann drückt er den Notrufknopf. Es blinkt, es tutet. Dreimal, viermal. Dann meldet sich jemand. „Ja?“ „Hier ist Wittmann, ich bin der Bauleiter hier“, sagt der 56-Jährige. „Das ist nur ein Test.“ „Melden Sie den das nächste Mal an“, blafft der Mann am Ende der Leitung zurück. Test geglückt.
Sechs Jahre hat die Stadt an dem Tunnel gebaut. Der Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser (CSU) konnte es da nicht mehr erwarten (wir berichteten): Er habe zuverlässige Informationen, und deshalb müsse man die Röhre „im Interesse der leidgeprüften Bogenhauser und für unzählige gestresste Autofahrer“ sofort öffnen. Wittmann reagiert auf solche Vorstöße mit Unverständnis: „Das hat mich schon schockiert.“ 40 Arbeiter seien im Moment noch im Tunnel zugange – „teilweise arbeiten die bis 21, 22 Uhr. Wir brauchen jeden Tag.“
Vertraglicher Fertigstellungstermin ist der 26. Juni. Ab dann werden Wittmann zufolge umfangreiche Tests stattfinden. Zunächst werde jedes Gewerk – Videoüberwachung, Tunnelfunk, Notruf, Lautsprechanlage, Beleuchtung, Lüftung, Brandmeldetechnik und viele andere – eigens überprüft und in Betrieb genommen. Insgesamt 12 000 einzelne Datenpunkte würden abgenommen. Anschließend wird Wittmann einen Großbrand simulieren. „Aber den werden wir vorher nicht ankündigen – bei der Feuerwehr wissen nur die obersten Dienststellen den Termin. Es soll ja ein echter Test sein.“
Für den Fall der Fälle ist man gerüstet: Dann werden automatisch auch der Leuchtenbergring- und der Innsbrucker-Ring-Tunnel gesperrt. Von jeder der vier Betriebsstationen im Strauss-Tunnel aus kann die Feuerwehr operieren. „In jeder gibt es ein Notstromaggregat“, sagt Wittmann. Unter jeder Betriebsstation liegt eine Pumpstation mit neun Meter tiefen Schächten. Die können bis zu 170 Kubikmeter Löschwasser aufnehmen. „Bei einem Tanklastunfall könnte die Feuerwehr etwa eine Stunde löschen.“
Der Nordteil des Tunnels, in dem die Arbeiten begannen, ist indes tatsächlich so gut wie fertig. Deshalb wird dort von 10. bis 12. Juli eine Party steigen. „Es gab einen Teilnehmerwettbewerb“, bestätigt Wittmann. Ein Markt ist geplant, abends Disko, am Ende Kaffee und Kuchen. Ein Privatmann veranstaltet die Sause, bei der, wie Wittmann schätzt, bis zu 1000 Menschen teilnehmen können. Eines ist dem Bauleiter allerdings wichtig: „Das ist keine Veranstaltung von uns. Das Baureferat ist kein Partymacher.“
von Johannes Löhr
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