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Rotes Kreuz: Hygiene-Mängel noch schlimmer

Rotes Kreuz: Hygiene-Mängel noch schlimmer

München - Die Hygiene-Mängel des BRK auf der Wiesn waren wohl noch schlimmer als vermutet. Manche Instrumente sollen fälschlicherweise nicht sterilisiert, sondern nur desinfiziert worden sein.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist mit seinem Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest erneut in die Schlagzeilen geraten. Nachdem im vergangenen Jahr eine 2004 durchgeführte Blutstudie an Patienten für Wirbel sorgte und deshalb die ärztliche Leitung ausgetauscht wurde, ist es nun die mangelnde Hygiene auf der Station, die für Ärger sorgt. Und offenbar waren die Zustände noch schlimmer als bekannt.

© kh/msJoachim Lorenz Der Gesundheitsreferent macht dem BRK Druck.

Eine rostige Schere, nicht verpackte Mullbinden oder angebrochene Salben sind längst nicht allein der Grund dafür, dass Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) nun den Sanitätsdienst auf der Wiesn ab 2011 neu ausschreiben will. Es geht vielmehr um die mangelnde Sterilität der medizinischen Instrumente und damit um das gleiche Problem, wie es der Hygiene-Skandal an den Stadtkliniken zu Tage förderte. Nach Informationen unserer Zeitung heißt es in dem Bericht des Gesundheitsamtes, es gebe Hinweise darauf, dass kritische Medizinprodukte ausschließlich zweimal desinfiziert wurden, aber nicht sterilisiert. Für Patienten birgt dies nicht unbedeutende Gefahren. Denn während bei der Sterilisation die nahezu vollständige Beseitigung von Keimen erfolgt, werden bei der Desinfektion die Krankheitserreger nur verringert.

Problem: „Hochleistungssterilisator“ steht im falschen Raum

Auch Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) erklärte auf Anfrage, es seien diesbezüglich Probleme beim BRK aufgetreten. „Ich habe gehört, dass sie nur desinfiziert haben oder nur dies machen wollten. Ich habe gesagt, dass das nicht ausreicht.“ Auch im Hygieneplan des BRK für die Wiesn 2009 ist die Rede davon, dass Instrumente nur „gegebenenfalls“ zu sterilisieren sind. Doch verfuhr das BRK all die Jahre nach dieser Devise? „Das frage ich mich auch“, sagte Gesundheitsreferent Lorenz.

Die Version des Roten Kreuzes ist eine andere. Wie berichtet, heißt es dort, Probleme bei der Sterilgutaufbereitung basierten im Wesentlichen darauf, dass der „Hochleistungssterilisator“ im falschen Raum der Sanitätsstation stehe. Dennoch sollen künftig nur noch Einwegprodukte auf der Wiesn verwendet werden dürfen. Dies machte das Gesundheitsamt dem BRK zur Auflage. Er bestehe darauf, dass alle Kritikpunkte in den Vertrag mit dem Roten Kreuz aufgenommen würden, sagte Lorenz. Denn in diesem Jahr soll das BRK noch einmal den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest stellen.

BRK: Oktoberfest ist ein Draufzahlgeschäft

© kh/msHildegard Kronawitter Die BRK-Chefin will die Hygiene-Probleme beheben.

Das BRK werde „alle Anstrengungen unternehmen“, die Defizite bis zum Wiesnbeginn zu beheben, erklärte die Vorsitzende Hildegard Kronawitter. Es sei deshalb bereits eine Hygienefachkraft engagiert worden. Auch lägen „keine Hinweise von behandelten Patienten auf gesundheitliche Beeinträchtigungen“ vor. Kronawitter zeigte sich zuversichtlich, dass das BRK wieder den Zuschlag erhält, wenn der Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest 2011 ausgeschrieben werden soll. „Ich sehe dem sehr gelassen entgegen“, sagte die Münchner BRK-Chefin. Außerdem werde dann offensichtlich, mit welchem ehrenamtlichen Engagement und finanziellen Aufwand der Sanitätsdienst auf der Wiesn verbunden sei. Aus Kreisen des BRK heißt es, das Oktoberfest sei ein Draufzahlgeschäft.

Mit strenger Kontrolle hat wohl niemand gerechnet

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden im vergangenen Jahr 3754 Wiesnbesucher auf der Station ärztlich versorgt. Fast 9000 Menschen versorgten die ehrenamtlichen Helfer insgesamt.

Abermals betonte das BRK, die neue ärztliche Leitung der Station habe sich von sich aus an das Gesundheitsreferat gewandt und dieses um eine Begehung der Station gebeten. Offenbar rechnete man dabei aber mit einem lockeren Dialog und nicht damit, dass das Gesundheitsamt eine strenge Kontrolle vornehmen würde.

Matthias Kristlbauer

Rubriklistenbild: © Schlaf

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