302.09.10|München|München|11
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München - Der Streit um den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels verschärft sich weiter. Die FDP im Rathaus fordert die Bürger von Haidhausen auf, Einspruch gegen das Projekt einzulegen. Auch die dortige Bürgerinitiative formiert sich.

© Klaus Haag
Im Jahr 1972 wurde die S-Bahn-Stammstrecke in Betrieb genommen. Jetzt soll ein zweiter Tunnel gebaut werden.
Die Bahn tut sich derzeit schwer mit ihren großen innerstädtischen Bauvorhaben. In Stuttgart gehen tausende Menschen auf die Straße, um ihrem Unmut über das vier Milliarden Euro teure Projekt Stuttgart 21 Luft zu machen. Michael Mattar, Chef der FDP-Fraktion im Münchner Rathaus, sieht da durchaus Parallelen zum Bau des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels. Auch der wird teuer. Rund zwei Milliarden Euro soll die sieben Kilometer lange Röhre von der Donnersbergerbrücke zum Ostbahnhof kosten. Allerdings, so Mattar, unterschieden sich die Projekte in einem wichtigen Punkt: Während Stuttgart 21 eine nachvollziehbare Konzeption habe, sei bei der S-Bahn-Stammstrecke der „verkehrspolitische Wert minimal und teilweise sogar kontraproduktiv“.
Der FDP-Politiker sagt nun, er wolle München die Erfahrungen aus Stuttgart 21 ersparen - und deshalb geht er in die Offensive. „Nun sind vor allem die Bürger gefordert, den verkehrspolitischen Unsinn der zweiten S-Bahn-Stammstrecke zu verhindern“, wettert Mattar. Die Münchner müssten jetzt Einspruch gegen das Projekt erheben. Denn seit Montag liegen die Unterlagen für die Planfeststellung im Abschnitt Haidhausen aus. Bis 13. Oktober können die Bürger ihre Einwendungen vorbringen (wir berichteten).
Die Planer bei Bahn und Freistaat müssen sich wohl auf einigen Protest gefasst machen. „Die Einwendungen sind schon in Arbeit“, sagt Ingeborg Michelfeit von der dortigen Bürgerinitiative. Ständig träten der Vereinigung neue Mitglieder bei - zuletzt nach einer Veranstaltung „bestimmt 25 oder 30 in zwei Tagen“.
Viele Haidhauser befürchten, dass ihre Häuser durch den Bau des Tunnels Schaden nehmen könnten. „Die Eingriffe des Bauvorhabens sind gewaltig, obwohl weite Teile des Tunnels bergmännisch, also nicht im offenen Tunnelbau, errichtet werden sollen“, sagt FDP-Politiker Mattar. Neben den offenen Baustellen am Hauptbahnhof und Marienhof sei auch Haidhausen von den Arbeiten betroffen. Am Orleansplatz wird in offener Bauweise eine unterirdische S-Bahn-Station gebaut. Auch in den Isaranlagen südlich des Maximilianeums und in der Kellerstraße werden die Arbeiten zu sehen sein. „Die Bürger dürfen sich nicht darauf verlassen, dass die Finanzierung des Vorhabens weiter in den Sternen steht“, sagt Mattar. Mit seiner Aufforderung zum Protest verschärft der FDP-Politiker die Konfrontation mit seinem Parteifreund, Verkehrsminister Martin Zeil. Der forderte seinerseits alle Beteiligten auf, „an einem Strang“ zu ziehen, um das „wichtige Projekt“ realisieren zu können.
Bislang konnte Zeil noch keine Fortschritte hinsichtlich der Finanzierung des Tunnels vermelden. Wie berichtet, stocken die Verhandlungen mit dem Bund. Zeil hofft auf ein Sonderbudget für die Olympischen Winterspiele 2018. Ob die nach München kommen, ist aber ungewiss.
Matthias Kristlbauer
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