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S-Bahn-Tunnel: CSU zweifelt am Gutachten des Freistaats

S-Bahn-Tunnel: CSU zweifelt am Gutachten des Freistaats

München - Christsoziale wollen hinterfragen, ob die zweite Röhre tatsächlich die bessere Lösung ist. Der Ruf nach einem Gesamtkonzept wird laut.

© Marcus Schlaf

Der lange Weg zum Tunnel: Noch ist nicht klar, ob in München eine zweite S-Bahn-Röhre gebaut wird.

Das jüngste Gutachten der Staatsregierung, das dem Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels den Vorzug vor dem Südring gibt, hat offensichtlich die CSU noch nicht überzeugt. Die Christsozialen debattieren munter weiter – mit unterschiedlichsten Positionen.
Dabei sollte das Gutachten, das Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und OB Christian Ude (SPD) in Auftrag gegeben hatten, Klarheit schaffen. Wie seit Wochen erwartet, setzte sich der 7,3 Kilometer lange Tunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof gegen den Südring durch (wir berichteten). Nur er könne aufgrund der notwendigen Nutzen-Kosten-Kalkulation mit Bundesmitteln gefördert werden, hieß es. Zudem sei er gar nicht viel teurer: Der Untersuchung zufolge soll der Ausbau des Bahnsüdrings mit Haltestellen am Heimeranplatz, an der Poccistraße und am Kolumbusplatz 1,36 Milliarden Euro kosten, der Tunnel 1,52 Milliarden.

Lösung sei „teuer und kleinkariert“

Scharfe Kritik an der Untersuchung äußerte der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt. Zeil und Ude versuchten „mittels eines fragwürdigen Gutachtens unbedingt eine zweite S-Bahn-Stammstrecke durchzudrücken“, argwöhnte Posselt. Die Lösung sei „teuer und kleinkariert“, weil sie weder die Frage der Fernbahnanbindung des Flughafens beantworte noch das Ziel eines Durchgangsbahnhofs für die Europamagistralen Paris-Budapest und Berlin-Rom anpacke. Ein Nordtunnel könne diese Aufgaben bewältigen.

„Bernd Posselt war mir bisher nie als Verkehrsexperte aufgefallen“, schoss gestern der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Rotter, zurück. „Der Nordtunnel ist zwar eine faszinierende Geschichte. Wir würden aber wieder bei Adam und Eva anfangen.“

Die Diskussion in der CSU ist durchaus bemerkenswert: Zum einen, weil sie bis vor ein paar Monaten noch massiv für den zweiten S-Bahn-Tunnel eintrat und diesen auch im Koalitionsvertrag mit der FDP verankert hat. Zum anderen, weil die Christsozialen im Landtag maßgeblich Anteil daran haben, was tatsächlich in München realisiert wird.

„Reihe von Fragen offen“

Er sehe nach dem Gutachten einen „Vorteil für die Tunnellösung“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Erwin Huber. Nur: „So ganz leicht wird es nicht werden, an Bundesgelder zu kommen.“ Denn der Nutzen-Kosten-Faktor von 1,15 sei im Vergleich mit anderen Projekten „nicht beeindruckend“, erklärte Huber gegenüber unserer Zeitung. Nicht zuletzt sei eine Reihe von Fragen offen.

Die will der Landtag im Januar bei einer Anhörung klären. Denn dann ist auch bekannt, auf welchem Weg künftig eine Express-S-Bahn zum Flughafen rauschen soll. Auch dafür könnte ein Milliardenbetrag fällig werden.

„Wir müssen endlich einen Schritt zurücktreten und uns überlegen, wie ein finanzierbares Gesamtkonzept aussehen kann“, forderte der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. Die Diskussion über den zweiten S-Bahn-Tunnel zeige immer mehr, „dass dieser eine sehr teure Lösung für nur ein Problem unter vielen am Bahnknoten München ist“.

Auf diese Diskussion möchte sich die SPD nicht mehr einlassen. „Die CSU sollte endlich von der Selbstfindung zur Sachpolitik zurückkehren“, ätzte der Chef der Rathausfraktion, Alexander Reissl. Diese Form der „Pseudo-Lebendigkeit“ gehe zu Lasten der Stadt.

Matthias Kristlbauer

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