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Schicksalsschlag für Müller: Gründer-Sohn liegt im Koma

Schicksalsschlag für Müller: Gründer-Sohn liegt im Koma

München - Ein handfester Lebensmittel-Skandal beutelt Müller-Brot. Jetzt setzt der Familie auch ein privater Schickalsschlag zu: Hans Müller junior ist schwer krank und liegt seit Sonntag im Koma.

© Haag

Ein Bild aus gesunden Tagen: Hans Müller jun. präsentiert im Dezember 1996 stolz ein Brot. Etwa zehn Jahre später wurde bei ihm die Krankheit ALS diagnostiziert

Drama um Brezn-Millionär Hans Müller: Seit mehr als einer Woche kommt sein Lebenswerk Müller-Brot, das er an Klaus Ostendorf verkauft hat, nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. „Entsetzt“ hatte sich der 81-jährige Firmengründer über den Ekel-Skandal in Neufahrn geäußert. Jetzt trifft Hans Müller auch noch ein privater Schicksalsschlag: Sein Sohn Hans (45), der vor fünf Jahren schwer erkrankt ist, wurde am Sonntagmorgen auf die Palliativstation einer Münchner Klinik gebracht.

„Er liegt im Sterben“, beschrieb gestern Evi Müller, seine ältere Schwester, der tz die dramatische Situation. Hans Müller jun. leidet an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer heimtückischen Krankheit des motorischen Nervensystems. Tag für Tag schwinden die Muskeln und der Kranke verliert Stück für Stück die Kontrolle über seinen Körper. Bis er sich darin regelrecht gefangen fühlt. Geistig bleiben ALS-Patienten völlig klar und bei Bewusstsein.

© WeissfussBrezn-Millionäre: Hans Müller und Gattin Heidi

Wie Evi Müller der tz berichtete, wurde ALS bei ihrem Bruder vor rund fünf Jahren diagnostiziert. „Er war immer sehr sportlich. Als es ihm plötzlich immer schwerer fiel, zu joggen und sich fit zu halten, ließ er sich untersuchen. Und danach war schnell klar, dass er ALS hat.“ Statistisch gesehen bedeutet diese Diagnose für einen Menschen, dass er noch drei bis fünf Jahre zu leben hat.

Hans Müller nahm die Diagnose unglaublich tapfer an. Lange gelang es ihm – auch mit Hilfe eines Krankengymnasten – sein Leben erträglich zu gestalten. Doch irgendwann versagt die Kunst der Ärzte, die Kraft des Kranken erlahmt – und die Muskeln versagen ihren Dienst: Erst an Armen und Beinen, dann beginnt auch das Schlucken und das Atmen schwer zu fallen. Sogar die Stimme versagt, weil auch die Zunge ein Muskel ist.

Eltern und Geschwister unternahmen alles, um dem Schwerkranken sein Leiden so erträglich wie möglich zu machen. Rührend wurde Hans Müller mit Hilfe von Pflegekräften zuhause im Anwesen in einem kleinen Dorf am Ostufer des Starnberger Sees betreut. Bis in der Nacht zum Sonntag die Nachtschwester Alarm schlug und Hans Müller ins Krankenhaus gebracht wurde. „Seitdem“, schilderte seine Schwester, „ist er nicht mehr aufgewacht.“ Jetzt wacht die Familie rund um die Uhr an seinem Bett.

Das Schicksal des Sohnes und des Bruders, der Skandal um die Firma, die ihren Namen trägt, aber mittlerweile dem Back-König Ostendorf gehört: Wie ihr 81-jähriger Vater ist auch Evi Müller angeschlagen. „Aber manchmal“, meint sie bitter, „kommt einfach alles zusammen. Müller-Brot stand immer für Qualität. Mein Vater war 19, als er die Bäckerei von seinem Vater übernahm, weil der gestorben war. Er war immer stolz auf seine Mitarbeiter und sein Unternehmen, das er zum viertgrößten der Branche in Europa gemacht hat. Der Skandal setzt ihm unglaublich zu“, erzählte die Tochter.

An ALS, dessen Ursache bisher völlig rätselhaft ist, sind in Deutschland übrigens rund 6000 Menschen erkrankt. In Deutschland bewegte besonders die Geschichte des Künstlers Jörg Immendorf, der 2007 an ALS starb. Bekanntester ALS-Patient ist der britische Physiker Stephen Hawking.

Von Wolfgang Deponte

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