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Schwan als Waffe: Überfall am Flaucher

München - Zwei junge Münchner haben im vergangenen Jahr am Flaucher einen Mann verprügelt - weil er ostdeutschen Dialekt sprach.

Schwan

© Marcus Schlaf

Opfer und Waffe zugleich: Mit einem lebendigen Schwan verprügelten Sebastian P. und Istvan Z. ihr Opfer.

Als Waffe benutzten sie unter anderem einen lebendigen Schwan. Beide wurden nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Es war Sebastian P.s 18. Geburtstag im Mai 2008. Nachmittags hatte der Maler-Azubi ein paar Freunde zum Grillen an die Isar eingeladen. Es gab Würstchen und Bier und gelegentlich zogen die jungen Männer zum Kiosk am Flauchersteg, um sich mit neuen Rüscherln einzudecken – einer Mischung aus Weinbrand und Cola. Dort trafen Sebastian P. und sein damals 28-jähriger Kumpel Istvan Z. auf ihr späteres Opfer Steven L.

Der 34-Jährige stammt aus dem brandenburgischen Eisenhüttenstadt und unterhielt sich in der Nähe des Kiosks mit seiner Freundin Victoria. Als die beiden Männer seinen ostdeutschen Dialekt bemerkten, pöbelten sie Steven L. an: „Du Ossisau, wegen dir sollte man die Mauer bis zum Himmel wieder aufbauen!“ L. ließ sich nicht provozieren und setzte sich mit seiner Freundin ans Wasser.

Plötzlich standen P. und Z. wieder vor Steven L., der gerade die Schwäne auf der Isar fütterte. P. griff einen Schwan am Hals und schlug mit dem Tier auf sein Opfer ein. „Das haben wir im Fernsehen mal gesehen“, sagte Istvan Z. im Prozess. Der Schwan überlebte den Angriff. Es folgte eine Rangelei, Z. griff sich den Grill mit den glühenden Kohlen, auf dem noch Würstchen brieten, und schleuderte ihn auf Steven L., der zu Boden ging. Dann traten beide auf ihn ein. Als sich L. wieder aufrappelte, zerschlug Z. eine Bierflasche und ging mit dem scharfen Flaschenhals auf L. los. Der konnte die Attacke noch mit seinem Arm abwehren, erlitt aber am Handgelenk eine Schnittwunde. Anschließend bewarfen beide Täter ihr Opfer mit Steinen und Bierflaschen, schlugen und traten immer wieder auf L. ein. Seine Freundin Victoria versuchte, dazwischen zu gehen. „Ich dachte, die bringen ihn um“, sagte sie. Erst als Zeugen die Polizei riefen, ließen die Täter von Steven L. ab.

Sebastian P. und Istvan Z. legten zu Beginn des Prozesses gestern vor dem Jugendgericht ein Geständnis ab und entschuldigten sich bei ihrem Opfer. Z. sagte, er sei so betrunken gewesen, dass er sich nicht mehr genau an die Tat erinnern könne. Tatsächlich waren beide Männer betrunken, Z. hatte fast 1,9 Promille Alkohol im Blut.

Obwohl Sebastian P. bereits mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft ist, kamen beide Täter mit einem blauen Auge davon. Sie wurden wegen Beleidigung, Körperverletzung und einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu jeweils zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. P. müsse sich die Bewährung noch verdienen, sagte die Richterin. Im nächsten halben Jahr darf er sich nicht am Schweizer Platz aufhalten, wo sich seine Clique normalerweise trifft. Verboten ist auch der Kontakt zu einem Spezl, der ebenfalls mehrfach vorbestraft ist. In der Öffentlichkeit darf sich P. nicht mit mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut erwischen lassen.

Phillip Vetter

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