München - Jetzt ist der Olympiasee leer, seine Sanierung geht in die heiße Phase. Beim Abfischen sahen die Schaulustigen am Samstag riesige Fische, die sie in dem seichten Gewässer nie vermutet hätten.

© Marcus Schlaf
Trockenzeit: Der See hat eine öde Fläche hinterlassen.
Die schönsten Exemplare kommen jetzt ins Aquarium „Sealife“.
Seit dem frühen Morgen sind die Fischer vom Tegernsee im Einsatz. Langsam waten sie mit einem Netz durch das Wasser und treiben die Tiere zum Ende des schrumpfenden Sees. Dort hin, wo das Wasser durch ein Gitter in den Nymphenburg-Biederstein-Kanal fließt. Hier warten die Kescher – Endstation. Trauben von Schaulustigen stehen am Ufer. Peter Wißmath, Fischereidirektor im Bezirk Oberbayern, muss sie immer wieder bitten, weiter nach hinten zu gehen. „Wenn die Fische Sie sehen, schwimmen sie wieder zurück“, erklärt er den Leuten. Die können das nicht so recht glauben. „Ja, Fische können aus dem Wasser heraus sehen“, bestätigt Peter Wißmath. „Und sie haben Angst vor Menschen.“
In riesigen Wassertanks werden die Tiere abtransportiert. Sie finden „ihr Gnadenbrot in Seen in ganz Deutschland“, so der Fischereidirektor. Die schönsten Exemplare dürfen jedoch in München bleiben. Ein Mitarbeiter von „Sealife“ sucht einzelne Fische heraus, die er dann im Laufschritt in das benachbarte Süßwasseraquarium bringt.
22 Jahre lang haben die asiatischen Graskarpfen im Olympiasee gelebt. Damals wurden sie eingesetzt, um die Algen kurz zu halten. „Sie haben einen guten Job gemacht und das Wasser immer klar gehalten“, sagt Peter Wißmath. Trotzdem hat sich eine Menge Schlamm auf dem Grund des Sees angesammelt – und ein wenig Müll. „Ein paar Fahrräder, eine alte Matratze und Ski“ habe der obere Seeteil freigegeben, der bereits Anfang des Monats abgelassen wurde, erzählt Michael Amberger, Projektleiter bei den Stadtwerken. Doch ansonsten sei das Wasser sehr sauber gewesen.
Die Landschaft erinnert nun an das Wattenmeer. Nur noch ein paar kleine Wasserpfützen sind übrig von dem einst etwa einen Meter tiefen See. Möwen stolzieren dazwischen herum. Hier und da ragt ein alter Autoreifen aus dem Schlamm. An manchen Stellen riecht es sogar wie an der Nordsee.
Heute werden Arbeiter damit beginnen, den Schlamm in diesem Teil des Sees mit feinem Kalk zu mischen, „damit er stichfest wird und wir ihn so besser abtransportieren können“, sagt Amberger. „Dann kann es zu Geruchsbelästigungen kommen.“
Am meisten Arbeit wird Ambergers Team mit der zwei Kilometer langen Uferbefestigung haben. Das Wasser hat im Laufe der Jahre die Uferböschung unterspült. Amberger will neuen Kies aufschütten und Fugen mit Beton füllen lassen. Auch die Ein- und Auslaufbauwerke werden erneuert, und das Gerüst der früheren Wasserfontäne wird abgebaut. „Das ist ein richtiger Schrotthaufen“, sagt Amberger. Im Dezember soll alles fertig sein. Dann wird der See wieder geflutet. Spätestens im Frühjahr sollen dann auch neue Fische den gereinigten Olympiasee bevölkern.
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