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Semesterticket: Studenten haben das Wort

München - Für Münchens Studenten wird es ernst. Sie sollen ab Montag über ein Semesterticket abstimmen, mit dem viele von ihnen günstiger mit U-Bahn, S-Bahn, Tram oder Bus fahren. Das Votum gilt als einmalige Chance.

© dpa

Münchens Studenten sollen ab Montag über ein Semesterticket abstimmen.

Wer in München studiert, hat’s oft nicht leicht. Denn die Mieten und der sonstige Lebensunterhalt sind teuer, weit teurer als in anderen Uni-Städten. Hinzu kommen kostspielige Fahrten von der Wohnung zum Hörsaal – vor allem dann, wenn die Fakultäten im Umland liegen, in Martinsried oder Weihenstephan etwa. Mehr als 100 Euro pro Monat für den MVV sind dann keine Seltenheit.

Eine billigere Alternative bot sich für die Studierenden bisher nicht. Die Einführung eines Semestertickets stockt seit 17 Jahren, weil die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die S-Bahn bei einem Studenten-Rabatt zumindest nicht draufzahlen wollen.

Spontane Lösung im Juni

Im Juni kam es zu einer spontanen Lösung – auf einer Pressekonferenz von OB Christian Ude (SPD). Der stellte ein Angebot des MVV in Aussicht, dass die Studierendenvertretungen nun ihren mehr als 80 000 Kommilitonen an der Ludwig-Maximilians-Universtität, der Technischen Universität und der Hochschule für angewandte Wissenschaften zur Urabstimmung vorgelegt haben. Für 222 Euro pro Semester beziehungsweise 37 Euro im Monat sollen Studenten mit sämtlichen Verkehrsmitteln im gesamten MVV-Netz uneingeschränkt fahren können. „Das ist fast schon eine historische Chance“, sagte Ursula Wurzer-Faßnacht, Geschäftsführerin des Studentenwerks. Wenn die Studenten diese Möglichkeit nicht nutzten, „wird es wahrscheinlich nie ein Semesterticket geben“. Laut MVV könne „mindestens die Hälfte der Studierenden“ mit dem Semesterticket Geld sparen.

Einige werden aber wohl auch etwas mehr bezahlen müsen – gerade diejenigen, die den MVV bisher fast nie nutzen. Denn für alle Studenten obligatorisch wäre ein Grundbetrag von 78,50 Euro. Nur an der Technischen Universität könnte es womöglich mit 49 Euro getan sein, wenn die Hochschule einen Zuschuss gibt. Der Sockelbetrag ist quasi die Solidarkomponente, die den Vielfahrern unter den Studenten helfen soll. Zur Vorlesung kommt man damit allerdings nicht: Denn dieses Ticket gilt wochentags nur von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, an Samstagen und Sonntagen immerhin den ganzen Tag. Wer die Vergünstigung jedoch immer und überall nutzen will, muss sich ein optionales Aufpreisticket für 143,50 Euro pro Semester dazukaufen.

„Hätten lieber Modell mit niedrigeren Sockelbetrag“

„Wir hätten lieber ein Modell mit einem niedrigeren Sockelbetrag gehabt“, sagte Christian Briegel, Semesterticketbeauftragter der Technischen Universität. Das Ticket sei das teuerste seiner Art in Deutschland. Jedoch wollen die Verkehrsbetriebe auch weiterhin nicht draufzahlen. Ein günstigerer Basistarif wäre nur dann möglich gewesen, wenn die öffentliche Hand Zuschüsse gegeben hätte, teilte der MVV mit. Dies jedoch sei angesichts der Finanzsituation „eher unwahrscheinlich“.

Nun haben es die Studenten in der Hand, über das Semesterticket zu entscheiden. Sie sind an den drei Universitäten von Montag, 23. November, bis Freitag, 4. Dezember, zur Urabstimmung im Internet unter www.semesterticket-muenchen.de aufgerufen. Mindestens 20 Prozent der Studenten müssen an jeder Uni mitmachen, damit das Votum gilt und das Semesterticket nach 17 Jahren Diskussion auch tatsächlich kommt.

Matthias Kristlbauer

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