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Sind die Frauentürme unterschiedlich hoch?

Sind die Frauentürme unterschiedlich hoch?

München - Wer aufmerksam durch München läuft, stößt an jeder Ecke auf spannende Fragen. In unserer neuen Rubrik „Die München-Frage“ wollen wir sie beantworten. Heute: Sind die Türme der Frauenkirche wirklich unterschiedlich hoch.

Turm ist nicht gleich Turm: Mit 98,57 Metern ist der Nordturm der Frauenkirche zwölf Zentimeter höher. Foto: marcus schlaf

Die meisten Münchner sind fest überzeugt: Ein Turm der Frauenkirche ist 100 Meter hoch, der andere misst nur 99 Meter. Das lernen Kinder oft schon im Heimatkundeunterricht in der Schule. Aber es stimmt trotzdem nicht.

Ja, der Dom „Zu Unserer Lieben Frau“ ist das höchste Wahrzeichen Münchens. Seine Türme sind grundsätzlich Höchstgrenze für den Hochhausbau in der Landeshauptstadt. Genau genommen gilt der Nordturm - vom Frauenplatz aus gesehen links - als Maßstab. Er ist der höhere von beiden: mit 98,57 Metern. Der rechte Turm ist mit 98,45 Metern zwölf Zentimeter kleiner. Warum? Darauf gibt es verschiedene Antworten. „Die einen behaupten: ,Das Geld ist ausgegangen‘, andere meinen: ,Die Steine haben nicht gereicht‘“, sagt Helmut Thum. „Beides is’ a Schmarrn.“ Die richtige Antwort kennt allerdings auch er nicht. Dabei weiß kaum jemand so gut über die Türme Bescheid wie Thum: Seit zehn Jahren ist der gebürtige Giesinger hier als Liftführer beschäftigt. Tausende Besucher hat er bereits zum 86 Meter hoch gelegenen Aussichtsplatz begleitet. Ein Blick auf den Bauplan im Aufzug hat schon so manchen überrascht. „Die Geschichte mit den 100 und den 99 Metern kennt jeder Einheimische“, sagt der pensionierte Postbeamte. „Die genauen Maße kennt keiner.“

Die Höhe der Türme hat mit der Art der Bauweise zu tun. Lange Zeit hatte der Dom überhaupt keine Turmabschlüsse. Sie fehlten noch, als der Baumeister nach 20 Jahren Bauzeit verstarb. Es dauerte 37 Jahre, bis 1525 die Welschen Hauben aufgesetzt wurden. Als Welschen hat man die Italiener bezeichnet. „Eigentlich passen die Zwiebeltürme gar nicht zur spätgotischen Bauweise“, findet Helmut Thum. „Besser wären spitze Turmabschlüsse gewesen, so wie bei der Mariahilfkirche in der Au oder beim Regensburger Dom.“

Die Idee, keine Spitzhelme, sondern Kuppeln aufzusetzen, stammt offenbar noch vom Baumeister selbst. „Als Vorbild diente der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem“, weiß der Dom-Kenner. Auch eine in Venedig errichtete Nachbildung soll Jörg von Halspach vor Augen gehabt haben. Dass die Münchner diesen Hauben eines Tages sogar Namen geben würden, hätte sich der Baumeister sicher nicht träumen lassen. „Sie heißen Stasi und Blasi“, sagt Thum. Das gehe auf einen Zeitungsaufruf in den 50er Jahren zurück: Leser konnten Vorschläge einreichen. Die Wahl fiel auf Stasi für den Südturm und Blasi für den Nordturm. „Die zwei waren bekannt aus der Erkennungsmelodie der Münchner Geschichten in der beliebten Radiosendung ,Die weißblaue Drehorgel‘“, erklärt Thum.

Zunächst konnten die Besucher ausschließlich den Nordturm von innen besichtigen. Seit dem Jahr 1989 steht der Südturm von April bis Ende Oktober montags bis samstags zwischen 10 und 17 Uhr offen. Nach 96 Stufen Fußmarsch bringt ein Aufzug die Besucher zur Aussichtsplattform. Während dort mehr als 40 Personen Platz haben, dürfen im Aufzug aus Sicherheitsgründen maximal neun Personen mitfahren. Auch das ist nicht immer möglich. „Einmal kamen drei japanische Sumoringer“, erinnert sich Helmut Thum. „Schon mit einem war der Lift voll.“

Corinna Erhard

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