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Singhammer ringt Berg nieder

227.09.09|München|München|
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Artikel: Singhammer ringt Berg nieder

München - Die SPD hat auch ihr letztes Direktmandat in Bayern verloren. Im vierten Anlauf siegte Johannes Singhammer (CSU) gegen den Sozialdemokraten Axel Berg im Wahlkreis München-Nord.

Im Münchner Kreisverwaltungsreferat herrschte gestern Abend Hochspannung. Viele Bundestagskandidaten hatten sich dort versammelt, um die Ergebnisermittlung zu verfolgen. Besonders die Vergabe der Direktmandate in den vier Münchner Wahlkreisen war von großer Bedeutung – allen voran die im Münchner Norden. Dreimal hatte hier der SPD-Politiker Axel Berg gegen Johannes Singhammer von der CSU gewonnen. Zuletzt war er sogar zweimal der einzige Genosse im Freistaat, der ein Direktmandat erringen konnte.

Wieder einmal wurde es extrem knapp. Doch diesmal schaffte Singhammer das, was viele nicht mehr für möglich hielten: Nach dem vorläufigen Ergebnis siegte er mit 36,6 Prozent der Stimmen und lag damit einen Prozentpunkt vor dem Genossen Berg, der nun um seinen Wiedereinzug in den Bundestag bangen muss.

„Ich bin etwas erschöpft und erleichtert, dass wir endlich den Wahlkreis zurückgewinnen konnten – trotz des schlechten Ergebnisses für die CSU“, sagte Singhammer. Berg erklärte knapp: „Ja, man muss auch verlieren können.“

Etwas leichter als Singhammer taten sich seine CSU-Kollegen. Im Wahlkreis West/Mitte siegte der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl und distanzierte SPD-Mitbewerber Roland Fischer klar. Im Münchner Osten hatte Herbert Frankenhauser leichtes Spiel gegen Claudia Tausend (SPD). Im Wahlkreis Süd gewann Peter Gauweiler und distanzierte den Sozialdemokraten Christian Vorländer deutlich. In München sind damit jetzt alle vier Wahlkreise in der Hand der CSU. Und dies, obwohl die Christsozialen bei den Zweitstimmen rund fünf Prozentpunkte verloren und am Ende bei rund 32 Prozent der Stimmen landeten.

Der sich abzeichnende Regierungswechsel in Berlin zu einer Koalition von CDU/CSU mit der FDP sorgte vor allem bei den Münchner Liberalen für Freude. Sie werden dank vorderer Listenplätze wohl wieder zwei Abgeordnete nach Berlin entsenden: Rainer Stinner und Daniel Volk. Beide waren schon Parlamentsmitglieder. „Wir haben einen energischen Wahlkampf gemacht, es ist sensationell“, jubelte Stinner.

Freude herrschte auch bei den Münchner Linken. Sie legten ebenfalls deutlich zu und werden erstmals mindestens eine Abgeordnete nach Berlin entsenden: Nicole Gohlke. Sie rangierte auf Platz 5 der Landesliste. Die 34-Jährige sah den Wahlausgang dennoch skeptisch: „Trotz allen Jubels ist es für die Menschen im Land ein Drama, weil Schwarz-Gelb eine Verschlechterung bedeutet“, sagte Gohlke. Möglicherweise schafft neben ihr auch Nicole Fritsche den Einzug in den Bundestag.

Die Enttäuschung bei der Münchner SPD war indes groß. Sie verlor nicht nur das Direktmandat im Münchner Norden, sondern auch erheblich an Zweitstimmen. Bei der Bundestagswahl 2005 waren die Genossen noch bei 29 Prozent gelandet. Sie verloren etwa zehn Prozentpunkte. „Es ist ein schwarz-gelber Tag für Deutschland – und ein schwarzer Tag für die Sozialdemokratie“, sagte Oberbürgermeister Christian Ude. Der Direktkandidat der Sozialdemokraten aus dem Wahlkreis West/Mitte, Fischer, erklärte: „Das ist ein katastrophales Ergebnis für die Partei, aber ich sehe es mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die SPD hätte weitere vier Jahre in der Koalition nicht überstanden.“

Die Grünen legten hingegen zu – um rund drei Prozentpunkte. Sie kamen auf etwas mehr als 17 Prozent der Zweitstimmen. Für die Öko-Partei wird wieder der Abgeordnete Jerzy Montag über in den Bundestag einziehen. Er frohlockte: „Es ist eine grandiose Niederlage für Seehofer. Es ist verständlich, wenn die Bürger die CSU abstrafen. Das liegt an der jahrzehntelangen hochnäsigen Politik.“ mk/ege/wö/sc/tba/sri/jop

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