München - Privathaushalte investieren munter in Solarenergie, doch der zu schnelle Förderungsabbau bringt Ärger für die Industrie. Die trifft sich bis Freitag auf der „Intersolar Europe", der mit 1866 Ausstellern weltgrößten Fachmesse.

Modernste Technik auf der „Intersolar“: Dieser Koffer speichert Energie, Elektro-Geräte können angeschlossen werden. dpa
Es ist noch gar nicht so lange her, da galt als Exot, wer sich eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach schraubte. Das hat sich geändert. Die staatliche Förderung, die hohen Öl- und Strompreise - und nicht zuletzt die Klimaschutz-Debatte haben viele umdenken lassen. Das freut insbesondere die Industrie, die sich bis Freitag auf dem Münchner Messegelände zur „Intersolar Europe“ trifft, der mit 1866 Ausstellern weltgrößten Fachmesse.
Carsten Körnig könnte eigentlich mit der Sonne um die Wette strahlen. Die Zahlen, die der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) präsentiert, sind phänomenal. Der Markt in Deutschland - der eben mal 53 Prozent des Weltmarktes ausmacht - habe sich 2009 verdoppelt, sagte er zur Eröffnung der Messe. In nur einem Jahr habe man 160 000 neue Anlagen mit einer Leistung von 3800 Megawatt installiert. Insgesamt stehe in Deutschland nun eine Gesamtleistung von fast 10 000 Megawatt zu Buche.
Die Unternehmen hätten zwar grundsätzlich Verständnis für den Subventionsabbau, sagte Körnig: „Aber wir brauchen auch verlässliche politische Rahmenbedingungen, die den finanziellen Spielraum für zukünftige Investitionen offen halten. Ein zu schnelles oder zu starkes Absenken der Förderung schadet besonders deutschen Herstellern.“
Die spüren vor allem die Konkurrenz aus Fernost. Chinesische Wettbewerber profitieren von niedrigen Löhnen, einem unterbewerteten Yuan und allgemein von einer „sehr starken Unterstützung der chinesischen Regierung“, klagt Körnig. Dem will man Investitionen von rund zehn Milliarden Euro bis 2013 entgegenstellen. Dass so viel Geld für Innovationen übrigbleibt, liegt auch an privaten Hauseigentümern. 2009 investierten sie 6,22 Milliarden Euro in Solarenergie - und damit mehr als die vier großen Energieversorger (4,28 Milliarden).
Die immer noch hohe Förderung für Photovoltaik-Anlagen könnte derweil für eine andere Branche zum Problem werden. Wegen einer Haushaltssperre wird der Aufbau von Sonnenkollektoren seit kurzem überhaupt nicht mehr staatlich unterstützt. Prompt brach der Markt im Mai um 33 Prozent ein. „Mit dieser Förderungspolitik des Finanzministers sind wir ganz und gar nicht einverstanden“, sagte BSW-Solar-Chef Körnig. „Wir hoffen, dass der Förderstopp bis zur Sommerpause aufgehoben wird.“
Thierry Backes
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